Sa., 11.08.2018

Limberg-Verein organisiert wissenschaftliche Grabungen am Bodendenkmal Schwedenschanze gibt weiter Rätsel auf

Bei der Hitze haben sich die ehrenamtlichen Helfer des Limberg -Vereins beim Graben abgewechselt: Bei den Untersuchungen aktiv waren (von links) Uwe Ramsberg, Archäologe Otfried Ellger, Linus Carls, Alexandros Tsangos und Joachim Carls.

Bei der Hitze haben sich die ehrenamtlichen Helfer des Limberg -Vereins beim Graben abgewechselt: Bei den Untersuchungen aktiv waren (von links) Uwe Ramsberg, Archäologe Otfried Ellger, Linus Carls, Alexandros Tsangos und Joachim Carls. Foto: Arndt Hoppe

Von Arndt Hoppe

Preußisch Oldendorf (WB). Die Schwedenschanze am Limberg im Stadtteil Börninghausen gibt Historikern schon lange Rätsel auf. Der Aufgabe, das Geheimnis des Ursprungs der besonderen Bodenformation zu lüften, haben sich in dieser Woche ehrenamtliche Helfer des Limberg-Vereins gewidmet.

Trotz der Rekordtemperaturen gruben sie am Dienstag ein großes Loch in den betonhart getrockneten Lehmboden am Rande einer Kuhwiese am Hang oberhalb der Schwedenschanze. Um 8.30 Uhr legten Uwe Ramsberg, Linus Carls und Alexandros Tsangos mit Spaten und Spitzhacke los und wechselten sich bei der schweißtreibenden Arbeit ab. Drei Stunden später – das Loch war inzwischen 1,20 Meter tief, 1,50 lang und einen halben Meter breit – stieß Tsangos auf einen ungewöhnlichen Stein. Bei allen Beteiligten keimte die Hoffnung auf, dass die Anstrengung zu neuen Erkenntnissen über die Schwedenschanze führen könnte.

Das war der aktuelle Anlass der Grabungen

Denn mit dem Bodendenkmal, das einige hundert Meter unterhalb der Burgruine liegt, befasst sich der Limberg-Verein seit Jahren. Die jetzige Kräfte zehrende Grabung ist eine Initiative in Kooperation mit der Archäologie-Abteilung des Landesverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Bielefeld. Aktueller Anlass war eine wissenschaftliche Untersuchung im Jahr 2016. Damals entdeckten Bochumer Wissenschaftler bei geophysikalischen Messungen eine auffällige Bodenstruktur. »Es handelte sich um einen 15 Meter großer Ring in etwa 1,20 Meter Tiefe, der eine andere Beschaffenheit aufwies als der umgebende Lehmboden«, erklärte Archäologe Otfried Ellger, der ebenfalls vor Ort war. »Dem wollen wir auf den Grund gehen.« Die Frage, die sich der Wissenschaftler stellte, lautete: »Handelt es sich um Strukturen, die von Menschen geschaffen wurden, oder sind sie durch natürliche Vorgänge entstanden?«

Parallel zur der Grabung an diesem Ring nahm Ellger zusammen mit Joachim Carls vom Limberg-Verein an der nahe gelegenen Bodendenkmal oberflächliche Proben – natürlich ohne das Bodendenkmal zu beschädigen. Zudem fahndeten sie in der Umgebung mit einem Metalldetektor nach historischen Überresten. »Gefunden haben wir nur einen Joghurtbecher-Deckel und zwei 16 Millimeter lange neuzeitliche Nägel«, sagt Joachim Carls.

So stellt sich das Rätsel der Schwedenschanze dar

Otfried Ellger erklärte, welche Rätsel die Schwedenschanze nach wie vor aufgibt: »Es ist deutlich zu erkennen, dass die Gräben und Wälle von Menschen angelegt und nicht natürlich entstanden sind«, sagt Ellger, der bisher als Archäologe beim LWL arbeitete und nun im Vorruhestand ehrenamtlich nach Börninghausen gekommen ist, um bei den Untersuchungen dabei zu sein. Weil an der Schwedenschanze bislang keine steinernen Überreste gefunden wurden, seien viele Historiker davon ausgegangen, sie sei eine hölzerne Anlage aus dem Spätmittelalter, die zur Belagerung der Burg Limberg gedient haben könnte, erläutert er. »Wer das wann und wo gebaut hat, wissen wir aber nicht«, sagt Ellger.

Zum Bedauern der Helfer konnten auch die Arbeiten dieser Woche kein Licht in das historische Dunkel bringen. »Der Stein, auf den wir in 1,20 Meter Tiefe gestoßen sind, blieb ein Einzelstück und ließ keine Rückschlüsse auf menschliche Aktivitäten zu«, sagte Ramsberg. Eine noch am Freitag zu Rate gezogene Geologin habe zwar unterschiedliche Schichten im Boden festgestellt, diese seien aber alle natürlichen Ursprungs und nicht menschlich. An der Schwedenschanze seien auch keine Pfahllöcher oder steinernen Überreste gefunden worden.

Das ist die Erkenntnis

»Die Hoffnung war da, aber wir müssen das jetzt so hinnehmen«, sagte Uwe Ramsberg. »Die Erkenntnis ist, dass es keine Erkenntnisse gibt.« Aus Sicht des Limberg-Vereins heiße das: »Es lohnt sich nicht, dort noch einmal zu suchen.«

Archäologe Otfried Ellger hält gerade das Fehlen jeglicher Funde für bemerkenswert: »Das deutet darauf hin, dass diejenigen, die die Wälle gebaut haben, aus irgendeinem Grund gar nicht fertig geworden sind. Eventuell wurde der Konflikt vor der Belagerung beendet oder sie wurden in die Flucht geschlagen.« Letztlich stimmt er Uwe Ramsberg zu: »Die Wahrscheinlichkeit, etwas zu finden, ist extrem gering und der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum möglichen Nutzen.«

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