Mi., 06.12.2017

Preußisch Ströher verabschieden ihren »Sheriff« Karl-Heinz Bollmeier Ein Dorf sagt Danke

Hans Junchen (ganz vorne links) für die Dorfgemeinschaft und Ortsvorsteherin Bianca Winkelmann (vorne rechts) haben – begleitet von Abordnungen aller Preußisch Ströher Vereine und Institutionen (im Hintergrund) – ihren »Dorfsheriff« (Mitte) Karl-Heinz Bollmeier für seinen Dienst als Bezirksbeamter gedankt und den Pensionär offiziell in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Hans Junchen (ganz vorne links) für die Dorfgemeinschaft und Ortsvorsteherin Bianca Winkelmann (vorne rechts) haben – begleitet von Abordnungen aller Preußisch Ströher Vereine und Institutionen (im Hintergrund) – ihren »Dorfsheriff« (Mitte) Karl-Heinz Bollmeier für seinen Dienst als Bezirksbeamter gedankt und den Pensionär offiziell in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Foto: Anja Schubert

Von Anja Schubert

Rahden-Preußisch Ströhen (WB). »Der ganze Aufmarsch hier ist nur für mich?« Karl-Heinz Bollmeier hat gestaunt, was ihm da widerfuhr. Denn parallel zum kleinen Weihnachtsmarkt auf dem Gelände des Gasthauses Buschendorf in Preußisch Ströhen (wir berichteten) zeichnete sich eine ganz andere Feierstunde ab.

Die komplette Dorfgemeinschaft mit ihren zahlreichen Vereinsvertretern war im vorderen Gastraum angetreten, um ihren lieb gewonnen »Dorfsheriff« persönlich in den Ruhestand zu verabschieden. Der Bezirksbeamte, der 17 Jahre lang zweimal wöchentlich seinen Dienst in Preußisch Ströhen versah, ging bereits Ende Oktober »ohne großes Brimborium« in den wohlverdienten Ruhestand. Mit Espelkamp als vorherige Dienststelle, wo Bollmeier zuvor mehr als 20 Jahre seinen Dienst versah, ist er den Preußisch Ströhern etwa 40 Jahre eng verbunden. »Danke für die lange schöne Zeit«, sagte Werbegemeinschaftsvorsitzender Hans Junchen für die Dorfgemeinschaft, der mit Ortsvorsteherin Bianca Winkelmann Blumen und ein Präsent überreichte.

Viele Erinnerungen wurden wach

»Man macht das, was der Dienst erfordert. Du hast hier aber noch wesentlich mehr geleistet«, erinnerte Winkelmann an die Bikertreffen, den jüngsten Umzug zum Kirchenjubiläum und an Großveranstaltungen wie den »Tag des offenen Hofes« vor einigen Jahren. »Hier kam das Herunterregeln der Bundesstraße von 100 auf Tempo 30 mit kilometerlangen Rückstaus schon einem Husarenstreich nahe«, meinte auch der »frisch gebackene« Pensionär, der sich an seinen neuen Freizeitumfang erst noch gewöhnen muss. Auch die Grundschule als Dienstsitz sei nicht ganz alltäglich gewesen.

Viele Erinnerungen wurden wach, als man die Jahre Revue passieren ließ, einige Anekdoten waren unvergessen. Wie das Strafverfahren, das »Trecker Willi« unberechtigter Weise aus den Niederlanden ereilte und das mit Bollmeiers Unterstützung sogar vom niederländischen Innenminister aufgehoben wurde.

»Bezirksbeamter zu werden war wie ein Lottogewinn.«

»Das größte Erlebnis über all die Jahre waren jedoch die Kontakte zur Bevölkerung und das Vertrauen, das mir Einwohner und Vereine entgegengebracht haben«, meinte Bollmeier. »Das war alles nicht selbstverständlich und ermöglichte doch meist einen kurzen Dienstweg.« Bollmeier appellierte, seinen Nachfolger Uwe Steinkamp genauso herzlich im Nordpunktdorf aufzunehmen. »Der ist ähnlich gestrickt wie ich. Daher hoffe ich, dass ihr ihm großes Vertrauen entgegenbringt.«

Schon damals als es den Oppenweher beruflich auch nach Preußisch Ströhen verschlug, habe er sich gesagt: Bezirksbeamter zu werden, sei wie ein Lottogewinn. »Ich habe immer versucht, diesen Gewinn an die Dorfgemeinschaft auszuschütten. Herausgekommen ist eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte.«

Der Neue: Uwe Steinkamp

Ähnlich gestrickt wie er selbst – so charakterisierte Bollmeier seinen Nachfolger Uwe Steinkamp. »Ich wollte etwas Aufregendes erleben«, erinnert sich der 58-Jährige mit Humor daran, warum er sich 1975 als Jugendlicher für diesen Beruf entschied. Damals habe die Polizei noch mit dem Slogan »Kein Tag wie der andere« um Nachwuchs geworben. Die Begeisterung für den Job blieb. 1997 wechselte er in den Bezirksdienst in Espelkamp, wo man ihn nur ungern ziehen lässt. »Doch ich freue mich, dass ich seit dem 1. November Dienst in Rahden und Preußisch Ströhen versehen kann«, betonte der mit seiner Frau in Wehe lebende Steinkamp. Vom offenen Ganztag der Grundschule wurde er bereits herzlich aufgenommen. Denn schließlich hat er wie sein Vorgänger hier sein Büro. Der Vater zweier erwachsener Kinder und dreifacher Opa möchte für die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten Ansprechpartner sein. »Ich hoffe, dass ich die großen Fußstapfen von Bollmeier mit der Zeit füllen kann.«

Eine offizielle Vorstellung des neuen Bezirksbeamten mit Landrat Dr. Ralf Niermann soll am Mittwoch, 20. Dezember, in Espelkamp erfolgen.

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