Fr., 29.12.2017

Landwirte erzielen durchschnittliche Ernteerträge – Schweinepest bereitet Sorge Wetter bringt negative Überraschungen

Rahden (WB). »2017 ist ein aufregendes Jahr für uns Bauern gewesen«, resümiert Hermann Seeker, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke. Vor allem das Wetter habe so manche negative Überraschung gebracht.

»Der wärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, dann Frost im April, der besonders die Obstbaumblüte mit Nachtfrösten traf. Im Juni Hitze und Trockenheit. Danach bis zum Jahresende immer wieder nasse Witterung«, blickt Seeker zurück. Der Regen habe die Bauern im Sommer bei der Getreide- und Rapsernte und im Herbst bei der Mais-, Kartoffel und Zuckerrübenernte vor großen Herausforderungen gestellt. Auch die Herbstbestellung sei aufgrund der Nässe schwierig gewesen. Teilweise konnte die Wintergerste erst spät, Mitte Oktober, ausgesät werden, sagt der Preußisch Ströher Landwirt.

Sturmschäden beim Mais

Ebenso habe sich die Weizenaussaat bis in den Dezember hinein schwierig gestaltet. Beide Getreidearten hätten auf nassen Standorten zum Teil gar nicht in den Boden gebracht werden können. Seeker: »Der Regen ist, ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr, vor allem in der zweiten Jahreshälfte mehr als überreichlich gewesen.« Hinzu seien Herbststürme gekommen, die beim Mais regional erhebliche Sturmschäden verursacht hätten.

»Im Großen und Ganzen konnten wir trotzdem beim Mais eine gut durchschnittliche Ernte und bei den Kartoffeln eine gute Ernte bei durchschnittlichen Qualitäten verbuchen«, sagt der Vorsitzende.

Milchpreis erholt sich

Der Blick vom Acker in den Stall: Der Milchpreis habe sich zum Glück in diesem Jahr erholt. Das sei aufgrund der hohen Verluste der Krisenjahre 2015 und 2016 dringend notwendig gewesen. (Siehe auch Bericht auf unserer Espelkamp-Seite).

»Bei den Schweinen hatten wir ebenfalls ein gutes Jahr, allerdings ist der Preis in den vergangenen Monaten stark gefallen.« Das sei aber für Schweinehalter nichts Ungewöhnliches zu dieser Jahreszeit.

Ein Thema, das die heimischen Landwirte besonders bewege, seien die Stalleinbrüche einiger Tierrechtsorganisationen. »Einbrüche sind Straftaten und keine Heldentaten«, ärgert sich der Vorsitzende. Wer sich ohne Erlaubnis Zutritt zu Ställen verschafft, handle kriminell und gefährde die Tiere.

»Initiative Tierwohl«

Positiv hingegen sei das nach wie vor sehr große Interesse der Schweinehalter an der »Initiative Tierwohl«. Ab 2018 gehe sie in die zweite Runde, über 4000 Schweinebetriebe würden dann teilnehmen.

Das Vorrücken der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Osteuropa sehen die Bauern weiterhin mit großer Sorge. Vor allem über ein Verschleppen durch den Menschen könne die Tierseuche sprunghaft große Entfernungen in kurzer Zeit überbrücken und so rasch Deutschland treffen. Da die Gefährdung ebenso von der hohen Wildschweinpopulation ausgehe, appelliert der Vorsitzende an die Verantwortung von Landwirten und Jägern. Das ASP-Virus, das für den Menschen ungefährlich sei, habe für Schweine, Bauern und die gesamte Wertschöpfungskette verheerende Folgen, hieß es.

Bürokratie und Gesetze nerven

Sorgen bereiten den Landwirten stetig wachsende Auflagen, Verordnungen und Gesetze. Die neue, verschärfte Düngeverordnung enthalte sehr komplexe Vorgaben. Die Zeiträume, in denen Dünger aufgebracht werden dürfe, seien verkürzt worden. »Die organische Düngung wird vom Herbst stärker in das Frühjahr verlagert«, schildert Seeker. Dies führe – neben einem arbeitstechnischen Druck der Landwirte im Frühjahr – möglicherweise dazu, dass die Gülledüngung von der Bevölkerung noch stärker wahrgenommen werde, weil sie dann zeitlich sehr eng erfolgen müsse. Zudem bringe diese Verordnung erheblich mehr Bürokratie und deutliche höhere Kosten für die Höfe – wegen der Schaffung von zusätzlichem Lagerraum und für die notwendige teurere Ausbringungstechnik.

Große Aufgaben der Zukunft seien für die Landwirte eine komplexer werdende Marktsituation, der Strukturwandel und die wachsenden Forderungen der Gesellschaft an eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft, sagt Seeker. Dazu gehöre für die Bauern natürlich auch die Bereitschaft, sich zu verändern und ständig neue Wege zu gehen.

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