Mi., 14.02.2018

»KUL-TÜR«-Soirée bietet kulinarisches Klassikkonzert mit viel Humor Drei Grazien geben sich recht biestig

Von Anja Schubert

Rahden (WB). Hotel Westfalenhof am Freitagabend: Ein voll besetzter Spiegelsaal, die Besucher voller Erwartung auf einen kulinarischen und kulturellen Genuss mit dem Ensemble »Les Troizettes«.

Doch vom harmonischen Klassikreigen der drei Virtuosinnen war das Konzert weit entfernt – wähnte doch jede der drei Musikerinnen sich allein als Hauptakteurin eines Solokonzertes. Das Ergebnis: Biestige Wortgefechte und komödiantisches Talent sowie ein gnadenloser Wettbewerb zwischen den drei »Grazien«, garniert mit einem perfekt unperfekten Zusammenspiel, äußerster Instrumentenbeherrschung und ungeahnten Möglichkeiten, all diese Widrig- und Gegensätzlichkeiten zu einem humorvollen Ganzen zu vereinen. Dieser Kulturschmaus mundete den Gästen ebenso wie das Dreigänge-Menü.

»Nicht zu viel versprochen«

Der Rahdener Kulturverein »KUL-TÜR«„Kul-Tür“ hatte für seine 19. Soirée nicht zu viel versprochen. Denn wohl jeder Besucher konnte am Ende der Veranstaltung sagen: »So etwas habe ich noch nicht erlebt.« Ganz der französischen Couleur des Ensembles folgend, hatte sich auch das Team des Westfalenhofes auf den Abend eingestimmt. Einladender Kerzenschein wurde aufgefangen von einer landestypisch ländlich-rustikalen Tischdekoration mit Weintrauben und Baguettes. Auch das Servicepersonal hatte sich im bretonischen Stil mit Barett, blauen Steifenshirt und rotem Halstuch stilecht in Schale geworfen.

Musik zum Dinner

Schnell wurde deutlich, dass die Musik im Menü ihre Entsprechung fand. Spritzig wie der Begrüßungscocktail entpuppte sich das Programm. Gleich ob Solokünstlerin oder nicht, Pianistin Isabelle Engelmann beharrte auf die Darbietung von Bach-Präludien, während Geigerin Katja Schott ihrerseits unbedingt Brahms »ungarischen Tanz« durchsetzen wollte. Letzten Endes pochte auch Cellistin Romy Nagy auf ihren Soloauftritt und brachte Leben in die eh schon verfahrene Situation. Präludium – so war auch der Gaumenfreuden zum Auftakt benannt. Bevor es dann mit dem Hauptgang »fuge-nlos« schmackhaft wurde, war Mozarts »Kleine Nachtmusik« in ihrer unbekannten Bandbreite nicht wirklich einschläfernd. Und auch die »Oper ohne Gesang« zeigte sich nicht annähernd so still und leise wie das Publikum bei der Verkostung des Desserts.

Tolles Outfit

Der Wortgewandtheit des komödiantischen Trios stand auch der Kostümwechsel – vom klassischen Abendkleid bis hin zum Barockoutfit – in nichts nach. Der Gaumenfreuden genug, sorgten die Virtuosinnen im Schluss­akkord mit Werken Piazollas noch einmal für Klanggenuss und Lackmuskeltraining, um in der Zugabe Ravels »Bolero« zu zelebrieren, indem sie das Cello zu dritt eindrucksvoll traktierten.

Langer Schlussapplaus war den drei Damen für diese geniale Instrumentennutzung auch dieses Mal sicher. Angesichts eines solch außergewöhnlichen Events darf man gespannt sein, was sich der Kulturverein anlässlich des zweiten Nullgeburtstages im kommenden Jahr einfallen lässt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5523604?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516046%2F