Sa., 30.12.2017

Was tun, wenn’s knallt? Rettungsassistenten sind rund um die Uhr im Einsatz. Die guten Geister der Silvesternacht

Verlässliche Helfer: Die Notfallsanitäter Björn Hansen (links) und Michael Bohn von der Wache in Haldem sind in Stemwede zur Stelle.

Verlässliche Helfer: Die Notfallsanitäter Björn Hansen (links) und Michael Bohn von der Wache in Haldem sind in Stemwede zur Stelle. Foto: Dieter Wehbrink

Von Mareile Mattlage

Stemwede (WB). Der »Rutsch« ins neue Jahr geht nicht immer ganz glatt über die Bühne. Deswegen gibt es gute Geister, die im Hintergrund wachen: Rund um die Uhr ist ein mehrköpfiges Team der Rettungswache in Haldem für Stemwede im Einsatz.

»Trunkenheit und Verbrennungen gehören zu den häufigsten Vorfällen in der Silvesternacht«, erklärte Marcus Pansing im Gespräch mit dieser Zeitung. Pansing ist seit 2014 Leiter der Rettungswache Rahden, zu der auch die für Stemwede zuständige Außenstelle in Haldem gehört. Für Stemwede werden an Silvester zwei und für Rahden drei Sanitäter im Einsatz sein. Träger ist der Kreis Minden-Lübbecke.

Betrunkene Jugendliche mussten kalt abgeduscht werden

Pansing war vor seiner Zeit als Rettungswachenleiter 16 Jahre als Rettungsassistent in Lübbecke tätig und hat schon so manches erlebt. »An einem Silvester hatte ein Betrunkener einmal einen Böller nicht weggeschmissen und bis zur Explosion in der Hand gehalten«, erzählt Pansing von einem Notfall vor einigen Jahren. Der Mann verlor dadurch zwei Finger.

Ein weiterer Fall, der Pansing in Erinnerung geblieben ist, ist eine Silvesterparty in einem Familienhaus, die ziemlich aus dem Ruder lief. »Im unteren Stockwerk haben die Erwachsenen gefeiert, im oberen Stockwerk die Jugendlichen«, berichtet er. »Hier wurde ordentlich gefeiert. Sehr ordentlich – drei der Jugendlichen waren so betrunken, dass wir sie erstmal kalt abduschen mussten.«

Arbeitsreichste Tage des Jahres sind Himmelfahrt und Maifeier

Nichtsdestotrotz sei es aber ein Irrglaube, dass an Silvester besonders viele schlimme Dinge passieren würden. »Viele denken, dass Silvester der arbeitsreichste Tag im Jahr ist, doch das ist gar nicht so«, führt Pansing aus. »In der Regel haben wir vier bis fünf Einsätze in dieser Nacht. Das sieht an Tagen wie Himmelfahrt oder Maifeier ganz anders aus.« Die skurrilsten Situationen speziell in Stemwede würden er und sein Team immer dann erleben, wenn die Festivals sind.

Auf die Frage, wie man sich verhalten solle, wenn es zu einem Notfall kommt, äußerte Pansing, dass es das beste sei, den Rettungsdienst ungestört seine Arbeit machen zu lassen. »Von jungen betrunkenen Leuten wird man auch gerne mal in den Arm genommen«, sagt er mit einem kleinen Schmunzeln. »Das ist sicher nett gemeint, aber der Rettungsdienst braucht eine ruhige Umgebung. Das beste ist es, wenn sich die Leute komplett zurückhalten und wenn möglich den Raum verlassen.« Nervig sei es, wenn andere Leute versuchen würden, den Sanitätern ihren Job zu erklären oder ungefragt mit anpacken wollen. Besonders, weil Partygäste häufig betrunkener wären, als sie es in dem Moment selbst wahrnehmen würden.

Weitere besondere Erinnerungen? »Von einer Frau aus Haldem haben wir neulich eine Karte mit unheimlich netten Zeilen bekommen. Sie bedankte sich dafür, dass wir ihren Mann gerettet haben. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Das vergisst man nicht.«

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