Di., 13.03.2018

Kabarettist Lothar Bölk macht auf Abschiedstour Station in Stemwede »Sei froh, dass Kühe nicht fliegen können«

Lothar Bölck bei seinem Auftritt in Wehdem. Er machte schon zu DDR-Zeiten Kabarett im Osten.

Lothar Bölck bei seinem Auftritt in Wehdem. Er machte schon zu DDR-Zeiten Kabarett im Osten. Foto: Wilhelm Ludwig

Stemwede (WB). Beim Auftritt des Kabarettisten Lothar Bölck im Life House fanden sich die Besucher unvermittelt im Kanzleramt wieder. Bölck präsentierte sich in Wehdem nämlich in seiner Paraderolle – als Pförtner des Kanzleramts. Mit der MDR-Sendung »Kanzleramt – Pforte D« wurde der »Louis de Funès des deutschen Kabaretts«, wie Lothar Bölck auch von seinen Fans genannt wird, weit über die Grenzen von Frankfurt/Oder hinaus bekannt.

Mit einer Dichte an oft sinnreichen Wortverdrehungen und seiner Mimik begeisterte er auch das Stemweder Publikum. Seine bissigen Nummern und die pointenreichen Texte waren treffsicher und auf höchstem Niveau. Wenn er seine Chefin Angela Merkel etwa als Bundesbreitknopfleiste titulierte und immer wieder mit Volker Kauder am Handy konferierte, wurde die ganze Breite der politischen Themen – wie die neue GroKo, Donald Trump oder Lobbyistentum – in atemberaubender Geschwindigkeit entwaffnend seziert. Da zeigte sich, dass Lothar Bölck nicht umsonst als Meister des Wortspiels gilt.

Er nahm auch Honecker auf die Schüppe

In seiner kabarettistischen Laufbahn musste er auch lernen, mit den Worten zu spielen, denn in der DDR, wo er das Kabaretthandwerk erlernte, waren offene Worte nicht erwünscht. So sagte man beispielhaft »Er und Ich« anstatt Erich (Honecker), wenn man eine Pointe über den damaligen »Generalsekretär des Zentralkomitees SED«, den mächtigsten Politiker der Deutschen Demokratischen Republik, reißen wollte. Auch scheinbare Versprecher wurden im DDR-Kabarett treffsicher eingesetzt.

Beeindruckend war in Wehdem auch der »Zauberlehrling«, als Gedicht in der Version von Lothar Bölck widergegeben. Daneben streute er Kalauer ins Publikum wie etwa: »Ärgere dich nicht, wenn ein Vogel dir auf den Kopf scheißt, sondern sei froh, das Kühe nicht fliegen können.« Schade nur, dass »Pfortissimo« das letzte Programm von Lothar Bölck ist, mit dem der 65-jährige in den kabarettistischen Ruhestand geht.

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