Mi., 16.05.2018

Schreck für Bauherren: Vergessene Kohleförderung stoppt Arbeiten (mit Kommentar) Und plötzlich waren da große Löcher

Hier soll ein Wohnhaus entstehen, doch nach den ersten Erdarbeiten haben sich Löcher aufgetan, von denen das vordere vorsorglich verfüllt wurde. Vermutlich sind die Überreste von Kohleförderungen aus dem 19. Jahrhundert die Ursache für die Löcher.

Hier soll ein Wohnhaus entstehen, doch nach den ersten Erdarbeiten haben sich Löcher aufgetan, von denen das vordere vorsorglich verfüllt wurde. Vermutlich sind die Überreste von Kohleförderungen aus dem 19. Jahrhundert die Ursache für die Löcher. Foto: Gertrud Premke

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Es ist ein riesiger Schreck für alle Beteiligten gewesen – und ein großes Ärgernis für jene Familie, die auf einem Grundstück in der Leverner Buchhofstraße ein Haus bauen möchte. Bei ersten Bodenarbeiten haben sich große Löcher aufgetan. Verletzt wurde niemand.

Grund ist vermutlich ein unterirdisches Kohle-Flöz. Im 19. Jahrhundert wurde im Leverner Raum Kohle gefördert. Daran erinnert unter anderem ein Gedenkstein am Eingang der Buchhofstraße. Irgendwann wurde die Förderung unrentabel und eingestellt.

In der Nähe der Gedenktafel befindet sich das betroffene Grundstück mit den Löchern. Die Bauherren stoppten sofort die Arbeiten. Seitdem sind Behörden und Gutachter mit dem Vorfall beschäftigt. Intensiv kümmert sich auch Bürgermeister Kai Abruszat um die Vorgänge auf dem Baugrundstück. »Die betroffene Familie, die aus dem Niedersächsischen zurück nach Levern ziehen möchte, ist sehr nett«, sagte Abruszat dieser Zeitung. »In der Regel baut man ein Einfamilienhaus nur einmal im Leben. Deshalb verdienen die Bauherren alle Unterstützung. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir mit den zuständigen Behörden zu einer guten Lösung kommen. Ich bin schließlich nicht nur Chef der Verwaltung, sondern oberster Repräsentant der Bürgerschaft.«

Kostenerstattung vom Land?

Nach Ansicht von Kai Abruszat handelt es sich in Levern um einen klassischen Fall, bei dem das so genannte Bergrecht Anwendung finden könnte. »Hierfür gibt es eine Spezialbehörde für ganz NRW. Diese so genannte Bergbehörde ist beim Regierungspräsidenten in Arnsberg angesiedelt«, erläutert der Bürgermeister. »Ähnlich wie beim Kampfmittelräumdienst gibt es bei Fällen wie in Levern nicht selten die Regelung, dass das Land NRW unter Umständen eine finanzielle Eintrittspflicht hinsichtlich der Kostenerstattungen hat.«

Auch das Kreisbauamt in Minden, das die Baugenehmigung erteilte, werde sich im Interesse der Bauherren damit beschäftigen müssen. »Dass an der Buchhofstraße mal Bergbau gewesen ist, zeigt nicht nur der Gedenkstein«, sagte Abruszat. »Eine Mitteilung aus den 80er Jahren, damals noch von der alten Bergbaubehörde in Hamm ausgestellt, weist ebenfalls auf Bergbauarbeiten in diesem Bereich hin. Das Dokument liegt dem Stemweder Bauamt vor.«

Aufgrund des Vorfalls habe er veranlasst, dass diese Kartierungen künftig bei Stemweder Bauvorhaben mit dem Flächennutzungs- sowie mit Bebauungsplänen abgeglichen würden, sagte Abruszat.

»Gemeinde hat keinen Fehler gemacht«

Etwas unwohl ist dem Bürgermeister nach dem Leverner Vorfall im ersten Moment offenbar gewesen. Die Gemeinde hatte für den Hausbau das so genannte gemeindliche Einnehmen erteilt, das in diesem Fall notwendig war, weil das Grundstück im Bereich der Gestaltungssatzung für den historischen Ortskern Leverns liegt. Gibt es also eine Mitschuld der Gemeinde? »Ich habe unverzüglich im Interesse der Bauherren eine juristische Prüfung eingeleitet, ob die Gemeindeverwaltung fehlerhaft gehandelt hat«, räumte Abruszat ein. »Nach bisherigen Stand und nach Auskunft der Haftpflicht-Versicherung der Gemeinde wird dieses mit Hinweis auf die Zuständigkeit ›Baugenehmigungsbehörde Kreis‹ verneint.«

Allerdings habe die Gemeinde allein schon wegen der Buchhofstraße ein großes Eigeninteresse daran, dass alle Akteure in dieser Sache zu einer guten Lösung kämen. Die Gemeinde sei nämlich auch von der die Frage betroffen, ob und in wieweit die Fahrbahndecke in der Buchhofstraße – sie liegt im früheren Kohle-Abbaubereich – ohne Verfüllmaßnahmen bestehen bleiben könne. »Aktuell besteht keine Verkehrssicherungspflicht. Die Straße bleibt befahrbar«, sagte Abruszat.

Dazu ein Kommentar von Dieter Wehbrink

Wer schon mal ein Haus gebaut hat, der weiß, dass kleine und auch mal etwas größere Pannen auftreten können. Im Leverner Fall jedoch – und da wird jeder mit der betroffenen Familie mitfühlen – begann das Desaster bereits, bevor der erste Stein gesetzt wurde.

Jetzt sollte alles dafür getan werden, dass der Albtraum der Bauherrn möglichst schnell beendet ist. Die Familie, die im Vertrauen auf die erteilte Genehmigung des zuständigen Bauamtes des Kreises mit den Arbeiten begonnen hat, muss so schnell wie möglich Gewissheit haben, wie es weitergehen soll. Fatal wäre ein monate- oder gar jahrelanges Hin-und-Her-Geschiebe der Verantwortlichkeiten zwischen Behörden, erst recht ein juristischer Streit. Wer eine gültige Baugenehmigung in seinen Händen hält, muss darauf vertrauen können, dass solche Probleme nicht auftreten. Kommt es doch dazu, ist im Interesse der Betroffenen rasch Abhilfe oder notfalls finanzielle Entschädigung zu leisten.

 

 

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