Sa., 29.07.2017

Zahlreiche Tiere nutzen die Querungshilfe bei Altenbeken Über die Grünbrücke

Die Grünbrücke bei Altenbeken von oben: 300 Meter um sie herum darf nicht gejagt werden.

Die Grünbrücke bei Altenbeken von oben: 300 Meter um sie herum darf nicht gejagt werden. Foto: Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Von Dietmar Kemper

Altenbeken/Bad Driburg (WB). In dem Moment, in dem der Fuchs in die Luft sprang, schnappte am 26. September 2015 die Fotofalle zu. Die Aufnahme war ein weiterer Beweis dafür, dass Tiere die Grünbrücke zwischen Altenbeken und Bad Driburg annehmen.

23 Meter lang, 6,50 Meter hoch und 50 Meter breit ist die Kon­struktion aus Stahlbeton, die im Sommer 2013 fertiggestellt wurde. Dazu gehört ein 3000 Meter langer Zaun auf beiden Seiten der vielbefahrenen Bundesstraße 64. Der Spezialzaun ist mit einem Übersprungschutz für Wildkatzen versehen und tief in die Erde eingelassen. 3,5 Millionen Euro kostete das Bauwerk, bezahlt vom Bund aus dem damaligen Konjunkturpaket II. So mancher Bürger und Politiker war skeptisch: »Haben wir keine anderen Probleme? Die Tiere haben sich doch auch vorher ihren Weg gesucht.«

Ein »fliegender Fuchs« wird von der Fotofalle erwischt. Foto: Land NRW

Vier Jahre später steht für Jan Preller vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW und für die Mitarbeiterin der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung in Bonn, Ingrid Hucht-Ciorga, der Sinn der Grünbrücke außer Frage. »Es zeigte sich, dass die Wildbrücke schon wenige Tage nach ihrer Öffnung von Rehwild, Schwarzwild, Fuchs und Feldhase angenommen wurde. Männliches Rotwild erkundete die Wildbrücke bereits nach wenigen Tagen, später gefolgt von weiblichem Rotwild. Die erste Wildkatze wurde 20 Monate nach der Eröffnung nachgewiesen«, berichtet Hucht-Ciorga.

Seltene Arten wie Dachs, Baummarder, Steinmarder, Iltis und Waschbär

Im Laufe der Be­­obachtungszeit seien weitere seltene Arten wie Dachs, Baummarder, Steinmarder, Iltis und Waschbär auf der Brücke nachgewiesen worden. Vier Kameras auf ihr erfassen das Geschehen. Bis Dezember 2016 kamen mehr als 8000 Datensätze (Fotos und Videos) zusammen. Mit Hilfe der Kameras werden Wildwechsel kartiert, Fährten, Losungen und Fraßspuren fotografiert und vermessen. Die Kameras halten querende Tiere mit Datum und Uhrzeit fest.

Besonders interessierte die Experten, ob die »Zielarten« Wildkatze und Rothirsch die Grünbrücke annehmen. Daran gibt es keine Zweifel mehr, aber auch Amphibien und Reptilien wie die Zauneidechse sowie flugunfähige Laufkäfer nutzen offenkundig das Bauwerk. Auch Krähen und Fledermäuse wurden dort gesehen. »Die Grünbrücke ist ein wunderbares Nadelöhr, um das Wild zu beobachten«, betont Jan Preller von Wald und Holz NRW (Regionalforstamt Hochstift) und fügt hinzu: »Die Brücke hat sich natürlich bewährt.«

Sechs weitere werden gebaut

Die Bundesstraße 64 mit bis zu 15.000 Fahrzeugen am Tag bilde in dem langgestreckten Waldgebiet eine Barriere für die Tiere, die Grünbrücke lenke sie übers Hindernis hinweg. »Sie dient dem Austausch der Population auf beiden Seiten«, sagte Preller dem WESTFALEN-BLATT. Ein Rothirsch aus dem südlichen Eggegebirge könne

Hier kann die Wildschweinrotte Autofahrern auf der Bundesstraße 64 nicht gefährlich werden. Foto: Land NRW

in den nördlichen Teil und von dort weiter bis in die Senne laufen. Rund um die Brücke wird nicht gejagt. Preller: »Der Bereich soll vom Wild als gefahrlos angesehen werden.« Der Zaun vermindere zudem die Gefahr von Verkehrsunfällen.

Wegen des starken Verkehrs hätten Rothirsche nicht mehr die Seiten gewechselt, sagt Ingrid Hucht-Ciorga. Das Vermeidungsverhalten habe den wichtigen genetischen Austausch gefährdet.

Zehn Grünbrücken gibt es nach Angaben des Landesbetriebs Straßen NRW zwischen Rhein und Weser. Sechs weitere werden gebaut, eine auf dem A33-Abschnitt zwischen Halle und Borgholzhausen. Neben Grünbrücken werden Wildwarnanlagen eingesetzt. Im Reichswald in Kleve erfassen zum Beispiel Lichtschranken Tiere, wenn sie sich der Bundesstraße nähern. Daraufhin wird Autofahrern auf Displays angezeigt, dass sie maximal 50 fahren dürfen.

Kommentare

Ampel

Also wenn man mich fragt, ich würde noch eine kostenaufwendige Ampelanlage schalten bei diesem Verkehr.

1 Kommentare

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