Fr., 22.12.2017

47-Jähriger aus Altenbeken steht in Paderborn vor Gericht In hunderten Fällen Kinder missbraucht

Das Land- und Amtsgericht in Paderborn.

Das Land- und Amtsgericht in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Von Ulrich Pfaff

Paderborn/Altenbeken (WB). Die Zahl klingt unglaublich: 667 Mal soll sich ein heute 47-Jähriger aus Altenbeken an Minderjährigen sexuell vergangen haben. Fast noch unglaublicher: Allein 570 Fälle beziehen sich auf den leiblichen Sohn des Angeklagten, der zu Beginn des Tatzeitraumes erst sechs Jahre alt gewesen ist.

Die Zahl der Fragezeichen im Verfahren vor der 5. Großen Jugendkammer des Landgerichts Paderborn ist groß. Lediglich ein paar Kernfragen hat der 47-Jährige zu Beginn des Prozesses beantwortet – unter Ausschluss der Öffentlichkeit, da es um sein Sexualleben ging.

15-jährige Tochter von Bekannten »befummelt«

Was er sagte, wertet das Paderborner Landgericht jedoch als Teilgeständnis: Der Familienvater gab zu, die nicht vom ihm stammende Tochter seiner Ehefrau bis zum Alter von zwölf Jahren in zahlreichen Fällen massiv sexuell missbraucht zu haben, ebenso mehrmals die elfjährige Tochter einer Familie, die zeitweise im selben Haus in Altenbeken lebte.

Ein Mal hatte er die 15-jährige Tochter von Bekannten »befummelt«. Jeglichen Missbrauch an seinem eigenen Sohn streitet er jedoch ab.

Seit Sommer in Untersuchungshaft

Damit soll er begonnen haben, als der Junge sechs Jahre alt war – insgesamt 570 Fälle massivster Übergriffe werden dem 47-Jährigen von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt. Die Taten haben nach deren Erkenntnis bereits 2002 begonnen und zogen sich über Jahre hin. Seit Sommer sitzt der 47-Jährige in Untersuchungshaft.

Erst ein Gespräch im engeren Familienumfeld im Frühjahr dieses Jahres über einen Übergriff des 47-Jährigen auf die Tochter der Bekannten habe sie dazu gebracht, sich zu offenbaren, sagten der heute 21-jährige Sohn und die 19-jährige Stieftochter aus.

Während der Sohn in seiner Zeugenaussage sachlich und distanziert – mit verständlichen Erinnerungslücken – über die lange zurückliegenden Vorfälle berichtete, konnte die Tochter ihre Aussage zeitweise nur unter Tränen fortsetzen. Beide wollen psychologische Hilfe in Anspruch nehmen – bisher hätten sie dies vermieden, um das Erlebte verdrängen zu können.

Mutter der Opfer habe von Übergriffen nichts gemerkt

Die Mutter der beiden Opfer ist seit zwei Jahren von dem Angeklagten geschieden – während die Ehe nur noch auf dem Papier bestand, lebte sie jedoch über etliche Jahre hinweg im selben Haushalt, wegen der Kinder, wie sie selbst sagte. Sie habe von den Übergriffen nichts gemerkt, erklärte die 43-Jährige im Zeugenstand, gesagt worden sei ihr nichts: »Ich vermute, es war ihnen peinlich.« Sie können sich »selbst nicht erklären, was da gelaufen ist«.

Die Jugendkammer muss nun versuchen, die Hintergründe insbesondere um den mutmaßlichen Missbrauch des Sohnes zu erhellen. Wohl sei aufgefallen, dass ihr Sohn in der Grundschule erhebliche Probleme gehabt habe, sagte seine Mutter. Ihr Ex-Mann habe damals ihren neuen Partner beschuldigt, sich an dem Jungen vergangen zu haben.

Angeklagte beschreibt verkorksten Lebenslauf

Der Angeklagte selbst beschrieb knapp seinen eher verkorksten Lebenslauf: Sonderschule ohne Abschluss, gescheiterte Berufsausbildungen, kurze Obdachlosigkeit, frühe Ehe – dann ein psychischer Zusammenbruch wegen Angststörungen, aufgrund derer er mehrere Jahre erwerbsunfähig war.

In dieser Zeit sollen sich auch die meisten der Übergriffe ereignet haben. Die Frau war zu diesem Zeitpunkt berufsbedingt nachts und am Morgen oft nicht zuhause.

Das Gericht hat noch zwei weitere Verhandlungstage in der ersten Januarwoche angesetzt.

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