Mi., 03.01.2018

Prozess gegen Altenbekener wegen sexuellen Missbrauchs in mehr als 600 Fällen fortgesetzt Missbrauchsprozess: Mutter gibt sich ahnungslos

Das Landgericht Paderborn.

Das Landgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Von Ulrich Pfaff

Paderborn/Altenbeken(WV). Die 5. Große Jugendkammer des Landgerichts Paderborn ist auf der Suche nach der Wahrheit: Hat ein 47-jähriger Familienvater aus Altenbeken tatsächlich in mehr als 600 Fällen Kinder, darunter seinen eigenen Sohn, sexuell missbraucht?

Auch nach dem zweiten Prozesstag ist manches weiter unklar. Der 47-Jährige hatte am ersten Verhandlungstag kurz vor Weihnachten einen Teil der Vorwürfe gestanden – mehrere Übergriffe auf seine Stieftochter und die Tochter einer Bekannten, die im selben Haus lebte.

Beide waren zu den Tatzeitpunkten zwischen acht und zwölf Jahre alt. Seinen leiblichen Sohn und den Sohn der anderen Familie, seinerzeit ebenfalls minderjährig, sexuell missbraucht zu haben, streitet der Angeklagte hingegen ab.

33-Jährige will von den Übergriffen nichts bemerkt haben

Die Zahl der Fälle, von der Staatsanwaltschaft anhand der Aussagen der jungen Opfer hochgerechnet, beläuft sich auf fast 670. Am zweiten Prozesstag sagten die beiden Kinder der Bekannten unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

Die Mutter der beiden Kinder will ebenso wie die Ex-Frau des Angeklagten von den Übergriffen nichts bemerkt haben. Die 33-Jährige hat nach eigenen Worten durch die Schilderungen der Kinder des Angeklagten von den Missbrauchstaten erfahren, dann hätten sich ihre eigenen Kinder erst offenbart.

Was die Zeugin sagte, klang genau so, wie es die Ex-Frau vor knapp einer Woche geschildert hatte. Ihr ehemaliger Lebensgefährte hingegen sagte gar nicht aus: Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren, weil er sich seinerseits an der Elfjährigen sexuell vergriffen haben soll – der Angeklagte, so schilderte das Mädchen, habe sie mit dem Mann während des Missbrauchs beobachtet und daraus geschlossen, er könne mit dem Kind dasselbe tun.

Ähnliche Aussagen berichtete eine Polizeibeamtin von den Vernehmungen – es sei jedoch schwierig gewesen, von dem Mädchen etwas zu erfahren. »Ich musste sehr oft nachfragen und immer weiter bohren«, sagte die Polizistin.

Urteil soll am Freitag verkündet werden

Etwas krude wirkte auch der Inhalt der Aussage einer 45-Jährigen, die mit dem Bruder des Angeklagten verheiratet ist: Ihr habe die mittlerweile 19-jährige Stieftochter des 47-Jährigen nach dem ersten Prozesstag berichtet, sie werde von ihrem Stiefbruder unter Druck gesetzt, in eine bestimmte Richtung gegen den Angeklagten auszusagen. Im Raum schwingt mit, dass der jetzt 21-Jährige seinerseits sexuelle Übergriffe auf die Tochter der Bekannten begangen haben könnte.

Am Freitag sollen der Sohn und die Stieftocher erneut in den Zeugenstand treten. Auch ein psychiatrischer Gutachter soll gehört werden. Die Kammer plant für diesem Tag auch, das Urteil zu verkünden.

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