Fr., 18.05.2018

Bahn will Viaduktstrecke im nationalen Warenverkehr deutlich stärker nutzen Künftig 118 Güterzüge pro Tag

140 Nahverkehrszüge und 47 Güterzüge rollen jeden Tag über den Viadukt. Doch es sollen erheblich mehr Güterzüge werden, plant die Bahn langfristig. Archiv-

140 Nahverkehrszüge und 47 Güterzüge rollen jeden Tag über den Viadukt. Doch es sollen erheblich mehr Güterzüge werden, plant die Bahn langfristig. Archiv- Foto: Liedmann

Von Bernhard Liedmann

Altenbeken (WB). Die Bahnstrecke über Paderborn und Altenbeken gewinnt für die Bahn an Priorität. Der Konzern will über seine Netz AG das Güterzugaufkommen um weit mehr als 30 Prozent aufstocken. Pro Tag sollen in einigen Jahren dann allein durch Altenbeken 118 Güterzüge rollen.

NRW ist nicht nur auf der Straße zu einem großen Transitland geworden. Auch auf der Schiene reichen die Kapazitäten nicht aus. Vor allem die Verbindung zwischen den Seehäfen in Holland und Belgien über das Ruhrgebiet bis nach Osteuropa ist auf der Schiene zwischen Hannover und Magdeburg überlastet. »Der kürzeste Laufweg für den Schienengüterverkehr in West-Ost-Relation zwischen den Räumen Hamm/Ruhrgebiet und Halle/Mitteldeutschland besteht über Altenbeken«, ist die klare Begründung des Konzerns, den Güterverkehr teilweise von Hamm-Hannover-Magdeburg-Halle auf die Verbindung Hamm-Altenbeken-Kassel-Halle zu verlagern.

Deshalb steigt die Bahn im Norden Kassels in die Planung für den millionenschweren Neubau einer Strecke ein, um hier schneller und kürzer den Bahnhof in Richtung Halle umfahren zu können. Davon werden im Hochstift auch Paderborn, Altenbeken, und Warburg massiv betroffen sein. Bereits nach älteren Prognosezahlen wird das Güterzugaufkommen somit um mehr als 30 Prozent steigen.

Scoping-Verfahren

Vor wenigen Wochen wurde in Nordhessen für den Trassenneubau das so genannte Scoping-Verfahren als Vorstufe des Raumordnungsverfahrens eingeleitet. Die neue eingleisige Kurve vor Kassel über eine Länge von sechs Kilometern und geschätzten Kosten von etwa 80 Millionen Euro würde nicht nur die Fahrtzeit der Güterzüge um etwa 20 Kilometer gegenüber der Fahrt über Hannover abkürzen, sondern vor allem erheblichen Zeitgewinn bedeuten, so die Bahn. Dies hängt damit zusammen, dass im Rangierbahnhof von Kassel bislang für die Güterzüge in Richtung Osten ein so genannter »Kopfwechsel« gemacht wird. Die neue Kurve als Abkürzung spare durch Wegfall des Fahrrichtungswechsels bis zu 30 Minuten an Zeit und damit auch Kosten ein. »Der Streckenzug Hamm-Altenbeken-Kassel-Eichenberg-Halle weist noch deutliche Kapazitätsreserven auf«, bekräftigt die Bahn die Wichtigkeit des Vorhabens.

Das Projekt zur Engpassbeseitigung ist im vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplanes Schiene, die Antragskonferenz fand jetzt beim Regierungspräsidium Kassel statt. Das Projekt ist auch Bestandteil des Sofortprogramms Seehafenhinterlandverkehr und kommt nun ins Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren.

77 Güterzüge am Tag statt 47

Für den Hochstiftbereich hat die Planung des Projektes »2-015-V01« erhebliche Auswirkungen: Allein bei den bisherigen Prognosen auf älteren Zahlen werden dann zwischen Paderborn und Altenbeken statt 47 Güterzüge am Tag 77 rollen. Den Altenbekener Knotenbahnhof werden in Richtung Warburg statt bisher 89 Güterzüge dann 118 Züge allein im Schienengüterverkehr verlassen, weil jeden Tag noch 49 Güterzüge aus der Direktverbindung von Hannover hinzukommen. Zum Vergleich: Zwischen Braunschweig und Magdeburg verkehren derzeit 175 Güterzüge am Tag.

Über den Viadukt bei Altenbeken rollen derzeit bereits pro Werktag mehr als 140 Personenzüge im Nah- und Fernverkehr. Mit dann 77 Güterzügen wäre die 200er Marke geknackt. Doch auch die Bahn rüstet bei der Digitalisierung nach: NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst sagte jüngst bei seinem Besuch in Paderborn, dass allein die Digitalisierung es auf der Schiene ermöglichen werde, auf der gleichen Strecke bis zu 20 Prozent mehr Züge rollen zu lassen. Derzeit laufen an der Strecke aktuell auch die umfangreichen Arbeiten für die neue Stellwerktechnik, die demnächst von Hamm aus zentral die Verkehre in der Region steuern soll. Die Wartezeiten für Autofahrer an den zahlreichen Bahnübergängen im Hochstift werden dann auf jeden Fall noch etwas länger.

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