Do., 12.07.2018

In Altenbeken und Borchen sollen bald 236 Meter hohe Windräder stehen Die »Wolkenkratzer« kommen

Mit den jetzt beantragten sechs Siemens-Rädern für Altenbeken und Borchen werden neue Höhenrekorde erreicht. Mit maximal 236 Metern für die Gesamtanlage fehlen nur noch ein paar Stockwerke, um die höchste Skyline Deutschlands in Frankfurt zu erreichen.

Mit den jetzt beantragten sechs Siemens-Rädern für Altenbeken und Borchen werden neue Höhenrekorde erreicht. Mit maximal 236 Metern für die Gesamtanlage fehlen nur noch ein paar Stockwerke, um die höchste Skyline Deutschlands in Frankfurt zu erreichen.

Von Bernhard Liedmann

Altenbeken/Borchen (WB). Der Kreis Paderborn kratzt jetzt am Höhenrekord der Frankfurter Banken-Skyline. Bei Altenbeken sollen die beiden ersten Siemens SWT-DD-142 Windräder gebaut werden. Sie haben eine Gesamthöhe von 236 Metern und sind damit nur etwa 20 Meter niedriger als der Messeturm in Frankfurt. Beantragt wurden ebenfalls zwei weitere Siemens 142er-Räder auf Kirchborchener Gebiet bei Schloß Hamborn.

Die neuen geplanten Windräder sind damit bereits 30 Meter höher als die jüngste Generation wie beispielsweise die E 115-Anlagen des Kreises auf der Deponie Alte Schanze mit einer Gesamthöhe von 207 Metern. Zum Vergleich: Das derzeit höchste Windrad Deutschlands steht nach Herstellerangaben bei Stuttgart mit 246 Metern. Diese neuen Siemens-Anlagen erreichen diese Gesamthöhe vor allem durch ihren Rotordurchmesser von 142 Metern. Damit bestreicht die Anlage eine Fläche eine Fläche von knapp 16.000 Quadratmetern. Die Siemens SWT-DD-142 ist, so der Hersteller, ein Windrad speziell für »Niedrigwindstandorte« und »kann Schwachwindstandorte in erfolgreiche Energiequellen verwandeln«. Für die Onshore-Anlage werden »sichere Investitionen und höhere Erträge« versprochen.

Zwei Anlagen stehen direkt an B64

Der Rat der Gemeinde Altenbeken wurde in seiner jüngsten Sitzung von den entsprechenden Vorhaben durch Bürgermeister Hans Jürgen Wessels in Kenntnis gesetzt. Beantragt werden die beiden Räder durch die »Bürgerwind an der B64 GbR« und die »Planungsgemeinschaft Windenergie an der B64«. Während die eine Anlage nur eine Nabenhöhe von 129 Metern hat, soll die zweite bereits die maximale Nabenhöhe von 165 Metern erreichen.

In der Ratssitzung führte Bürgermeister Wessels aus, dass beide Anlagen sich in der Konzentrationszone 2 des Altenbekener Flächennutzungsplanes befinden und er deshalb das Einvernehmen erteilen will. Dem stimmte auch der Rat zu. Die beiden Räder würden somit direkt an der B64 zwischen der Abfahrt Schwaney und dem Parkplatz bei Buke in Richtung Bad Lippspringe stehen.

Ebenfalls auf den Weg gebracht wurden jetzt vier Anträge von Windkraftanlagen des gleichen Typs 142 von Siemens bei Etteln und Kirchborchen. Antragsteller ist die Bürgerwind Borchen GmbH. Bei den vier Anlagen kommen ebenfalls die Nabenhöhenvarianten von 129 und 165 Meter zum Einsatz. Die Standorte liegen teilweise auch in den Bereichen, die in den bisherigen Vorplanungen der Gemeinde Borchen für die Ausweisung von Windvorranggebieten vorgesehen sind. Die Antragsunterlagen sind noch bis zum 13. August bei der Kreisverwaltung einzusehen. Während zwei der Räder im Bereich des bestehenden Windparks östlich von Etteln in Nähe der havarierten Anlage stehen, sind zwei Räder auf Kirchborchener Flur südlich der Straße zwischen Kirchborchen und Dörenhagen in Höhe Schloß Hamborn geplant.

Havarierte Anlage wird wieder aufgebaut

Im Aufbau befindlich ist jetzt auch die havarierte Anlage von Westfalen-Wind. Sie kann wieder aufgebaut werden, da für sie eine Baugenehmigung erteilt worden war, so der Kreis Paderborn auf Anfrage. Die Anlage E 115 von Enercon war am 8. März massiv beschädigt worden und musste bis auf den unteren Teil des Turms abgebaut werden.

Die Anlage hat beispielsweise im Vergleich zu den beantragten Siemens-Analgen »nur« eine maximale Nabenhöhe von 149 Metern und einen Rotordurchmesser von 116 Metern. Auch sie ist für Gebiete mit schwächeren Windgeschwindigkeiten konzipiert.

Sie nimmt bei Windgeschwindigkeiten von zwei Metern in der Sekunde den Betrieb auf und schaltet bei 25 Metern in der Sekunde ab. Nach Herstellerangaben im Vergleich: 1,6 bis 3,3 Meter pro Sekunde Windgeschwindigkeit entsprechen sechs bis elf Stundenkilometern.

Kommentar

Während sich die Politik im Zuge der Änderungen des Landesentwicklungsplanes noch über die mögliche Festschreibung von Abständen zur Wohnbebauung von 1500 Metern streitet, überrollt die technische Entwicklung solche Überlegungen. Mit diesen 236 Metern Gesamthöhe einer Anlage ist das Ende nicht erreicht. Nach Herstellerberechnungen soll mit jedem Meter Nabenhöhe der jährliche Stromertrag um 0,5 bis 1 Prozent steigen. Wie Spielzeuge muten da heute die alten Driller-Gittermast-Anlagen bei Altenbeken an. Irgendwelche Abstandsregelungen sind schon heute fast Schnee von gestern. Nachdem die wahrscheinlich letzte Höhenbegrenzung eines Flächennutzungsplanes in Borchen juristisch gekippt wurde, sind nach oben hin die Grenzen nur durch die Luftfahrt gesetzt.

Und die Technik überrollt auch bei einem anderen Punkt Räte und Gerichte. Die neue Onshore-Generation der Windräder ist insbesondere für Schwachwind-Regionen ausgelegt. Das frühere Kriterium der Windhöffigkeit spielt damit keine Rolle mehr und so rücken auch bislang scheinbar unwirtschaftliche Standorte immer mehr in den F0kus. Ländliche Flächengemeinden werden damit nicht außen vor bleiben. Es ist nur eine Frage der Zeit und Technik. Bernhard Liedmann

 

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