Do., 28.12.2017

NABU hat während der Landesgartenschau in Bad Lippspringe Besucher befragt Welche Zukunft hat die Senne?

Dirk Tornede (hier in der Dauerausstellung zur Senne) ist wissenschaftlicher Leiter beim NABU.

Dirk Tornede (hier in der Dauerausstellung zur Senne) ist wissenschaftlicher Leiter beim NABU. Foto: Bernhard Liedmann

Bad Lippspringe (WB). Wie kann der Truppenübungsplatz genutzt werden, wenn die britischen Streitkräfte abgezogen sind? Diese Frage hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Besuchern während der Landesgartenschau 2017 gestellt – und teils erstaunliche Antworten erhalten.

Das Prinzenpalais im Arminiu­park, in dem der Kreisverband der Naturschutzorganisation seinen Sitz hat, lag von April bis Oktober inmitten des Landesgartenschaugeländes. Das machte sich der wissenschaftliche Leiter des NABU-Informationszentrums Senne, Dirk Tornede, zunutze und befragte zahlreiche LGS-Besucher zur Zukunft der Senne. Knapp 550 Rückmeldungen konnte der Naturschutzbund verwerten, und für Tornede sei es besonders aufschlussreich gewesen, »auch die leiseren Töne aus der Bevölkerung wahrzunehmen«.

Insgesamt 151 Teilnehmer äußerten sich in den Fragebögen zu einer zukünftigen Nutzung des Truppenübungsplatzes. So wünschten sich 26 Personen eine Fortsetzung der militärischen Nutzung, da die damit einhergehende Abschirmung der beste Schutz für Tiere und Pflanzen sei.

Ebenso viele Fragebogenausfüller können sich auf dem 116 Quadratkilometer großen Gelände Freizeitangebote vorstellen, wie zum Beispiel Freizeitpark, Tierpark, Motocrosspark, Reitwege oder sogar ein Fußballstadion.

Verlust der Heidelandschaft

Zwölf Teilnehmer sprechen sich für eine wirtschaftliche Nutzung durch Windräder, Landwirtschaft, Massentourismus oder Bebauung aus. 35 LGS-Besucher meinten, dass die Senne bleiben solle, wie sie ist und wünschen sich den Erhalt und die Pflege der Landschaft, ohne eine bestimmte Schutzkategorie zu benennen. 17 Teilnehmer wollen sogar mehr Wildnis als bisher, also eine Natur, die sich frei entfalten kann und in die der Mensch nicht eingreift beziehungsweise der Zutritt des Menschen verboten ist.

Deutlich mehr Besucher im Prinzenpalais, nämlich 387, äußerten sich zu einer möglichen Schutzkategorie der Senne. 33 von ihnen lehnen eine Umwandlung in einen Nationalpark ab, da sie entweder Einschränkungen beim Betreten oder den Verlust der Heidelandschaft befürchten. Eine deutliche Mehrheit – 231 Teilnehmer – will hingegen einen Nationalpark.

Dadurch könne der beste Schutz für die Natur erreicht werden. Zudem könne die Senne dann als Erholungsraum für die Menschen fungieren. 84 Personen reicht die Einstufung der Senne als Naturschutzgebiet. Viele sehen gegenüber einem Nationalpark hier den Vorteil des besseren Naturerlebnisses auf Wanderwegen.

»Nicht für parteitaktische Spielchen missbrauchen«

Für Dirk Tornede war die Auswertung der Befragung aufschlussreich: »Auch wenn immer noch unklar ist, ob und wann der Truppenübungsplatz Senne aufgegeben wird, so haben die Bürger ein hohes Interesse, dass die Tiere und Pflanzen in der Senne geschützt, Biotope gepflegt werden, sich die Natur entfalten kann und wir Menschen diese Landschaft erleben und für unsere Erholung nutzen können.«

Sein Appell lautet: »Wenn zukünftig Entscheidungen anstehen, sollte die Politik das Thema Senne nicht für parteitaktische Spielchen missbrauchen. Es gibt einen breiten politischen Konsens, die öffentlichen Flächen als nationales Naturerbe zu sichern. «

  • Vom 15. Januar an ist die Ausstellung »Faszination Senne« wieder jeden Sonntag von 13 bis 17 Uhr im Prinzenpalais geöffnet. Gruppenführungen können auch zu anderen Terminen gebucht werden.

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