Mi., 14.02.2018

Pfiffige Spendenaktion: Patenschaften sollen Orgel-Restaurierung möglich machen 550.000 Euro sind das Ziel

Hatten die Idee für die Pfeifen-Patenschaften (von links): Georg Heukamp, Vorsitzender des Fördervereins für Kirchenmusik und Orgelbau der Pfarrgemeinde St. Martin, Pfarrer Georg Kersting und Kantor Kirchenmusiker Reinhold Ix. Auftakt der Patenschaftaktion ist am Sonntag, 18, Februar, um 16 Uhr in der Martinskirche mit Konzert, Informationen und einer Orgeldemonstration.

Hatten die Idee für die Pfeifen-Patenschaften (von links): Georg Heukamp, Vorsitzender des Fördervereins für Kirchenmusik und Orgelbau der Pfarrgemeinde St. Martin, Pfarrer Georg Kersting und Kantor Kirchenmusiker Reinhold Ix. Auftakt der Patenschaftaktion ist am Sonntag, 18, Februar, um 16 Uhr in der Martinskirche mit Konzert, Informationen und einer Orgeldemonstration. Foto: Klaus Karenfeld

Von Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe (WB). Die Orgel der St.-Martinskirche ist in die Jahre gekommen. Eine umfassende Restaurierung, wie von Experten einhellig empfohlen, würde etwa 650.000 Euro kosten. Die stolze Summe soll mithilfe einer buchstäblich »pfiffigen« Spendenaktion aufgebracht werden.

Die Orgel der St.-Martinskirche in Bad Lippspringe entstand im Jahre 1913 und wurde von der renommierten Paderborner Orgelbaufirma Eggert-Feith gebaut. Das Kircheninstrument hatte insgesamt 38 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Pfeifen standen – typisch für Orgeln der damaligen Zeit – auf pneumatischen Kegelladen. Die Disposition (Registerzusammenstellung) war ganz dem romantisch-orchestralen Klangideal verpflichtet.

1975/76, also 60 Jahre später, entschied sich die Pfarrgemeinde St. Martin für einen grundlegenden Umbau der Orgel. Warum das so war, erläutert Kantor Reinhold Ix im Gespräch: »In den 1970er erlangte die barocke Orgelmusik wieder einen sehr hohen Stellenwert.« Der Umbau trug diesem damals vorherrschenden Zeitgeist Rechnung: Die Zahl der Register wurde auf insgesamt 42 erhöht. Die Original-Kegelladen hatten ausgedient und lagern heute in Teilen noch in der Turmkammer. Die insgesamt 2880 Pfeifen wurden stattdessen auf elektrisch gesteuerte Schleifladen gestellt. Das Schwellwerk rückte um etwa fünf Meter von der Turmkammer auf den Emporenboden hinab. Veränderungen gab es auch am Spieltisch, der seit 1978 fahrbar ist. Die originalen Klaviaturen und Registerschalter wurden durch damals moderne Bedienelemente ersetzt.

Verändertes Klangbild

Der tief greifende Umbau hat das Klangbild der Orgel tatsächlich nicht unerheblich verändert. »Und das möchten wir im Rahmen der geplanten Restaurierung wieder rückgängig machen«, betont der Kantor. Eine vollständige Übernahme der Pfeifen von 1913 sei erklärtes Ziel. »Die verloren gegangenen Register sollen, soweit es sinnvoll erscheint, durch neu anzufertigende ergänzt werden«, sagt Ix.

Zur Wiederherstellung des romantischen Klangs sollen auch die Rekonstruktion des Fernwerkes im Turmraum und der Bau neuer Windlagen und Bälge beitragen. Zudem setzen die Orgel-Experten auf eine moderne elektrische Spielanlage mit Computersteuerung. Die Gehäusevorderfront wie auch der Spieltisch mit seinen wertvollen Schnitzarbeiten bleiben dagegen von der Restaurierung ausgenommen.

»Auch wir sind inzwischen überzeugt davon, dass nur eine umfassende Restaurierung der Orgel sinnvoll ist«, macht Georg Heukamp deutlich. Die Kosten beziffert der Vorsitzende des Fördervereins für Kirchenmusik und Orgelbau von St. Martin mit immerhin 660.000 Euro. Eine Renovierung, wie noch 2015 angedacht, wäre mit 70.000 Euro deutlich günstiger gekommen, hätte Heukamp zufolge aber nicht die erhoffte Wirkung gehabt. Eine entsprechende Spendenaktion erbrachte damals tatsächlich die angestrebte Summe von 40.000 Euro.

Pfiffige Spendenaktion

Die nun ins Auge gefasste Restaurierung der Orgel macht eine wesentlich größere finanzielle Kraftanstrengung notwendig. Den Hauptteil, immerhin 550.000 Euro, möchte der Förderverein aufbringen, und zwar mithilfe einer pfiffigen Spendenaktion: Freunde der Bad Lippspringer Orgelmusik können ab sofort Pfeifenpatenschaften übernehmen.

Reinhold Ix zufolge soll die Disposition der neuen Orgel aus mindestens 36 Registern bestehen. Der Spender kann daraus sein Wunschregister und einen Ton auswählen und den entsprechenden Betrag auf das Konto des Fördervereins überweisen. Für die kleinste Pfeife im Manualregister beispielsweise ist ein Betrag von zehn Euro zu zahlen. Das ganze Register veranschlagen die Verantwortlichen mit immerhin 15.600 Euro. Die Namen der Spender werden auf Wunsch auf einer Stellwand in der Martinskirche zu finden sein.

Der Förderverein lädt für den kommenden Sonntag, 18. Februar, ab 16 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in die Martinskirche ein. Das Klangbild der Orgel soll an diesem Nachmittag vorgestellt werden. Zudem spielen Jens Soethe (Trompete) und Kantor Reinhold Ix Werke von Fauré, Brewer und Reger. Diese Informationsveranstaltung ist auch die Auftaktveranstaltung für die Pfeifenpatenschaft.

Die Orgel von St. Martin kommt auch aus einer besonderen Werkstatt: Die Werkstatt von Anton Feith war seit 1906 an der Detmolder Straße in Paderborn ansässig und zählte zu den größten Orgelbaufirmen Deutschlands. Hier wurden in den Jahren 1918 bis 1928 mehr als 100 Orgeln gebaut. Die größte war die Orgel für den Paderborner Dom, die im Jahr 1926 mit 109 Registern fertiggestellt wurde.

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