Mi., 11.07.2018

Bad Lippspringer Kantor Ulrich Schneider geht mit Konzert in den Ruhestand Abschied in h-Moll

Kantor Ulrich Schneider stellt ausgewählte Sätze aus der Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach in den Mittelpunkt seines Abschiedskonzerts im Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Bad Lippspringe.

Kantor Ulrich Schneider stellt ausgewählte Sätze aus der Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach in den Mittelpunkt seines Abschiedskonzerts im Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Bad Lippspringe.

Bad Lippspringe (WB). 34 Jahre war er als Kirchenmusiker in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe und als Kulturschaffender im Paderborner Land tätig: Kantor Ulrich Schneider, der ausgewählte Sätze aus der Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach in den Mittelpunkt seines Abschiedskonzerts im Gottesdienst in der evangelischen Kirche stellte.

Die h-Moll-Messe ist das letzte große Vokalwerk von Johann Sebastian Bach und gehört heute weltweit zu seinen meist aufgeführten Ensemble-Werken. Viele Einspielungen der Messe in den vergangenen Jahren machen deutlich, dass es eine »werkgetreue« Interpretation der umfangreichen Partitur nicht geben kann, wohl aber eine jeweils eigene Annäherung: Mit lebendigen Tempi stellte Kantor Ulrich Schneider die ganze chorisch-vokale Pracht des »Mont Blanc der Kirchenmusik« (Franz Liszt) in den Vordergrund, entfaltete aber ebenso ganz wesentliche besinnliche und innige Momente.

Kantor Ulrich Schneider. Foto: Jörn Hannemann

Auf der Grundlage einer bis ins Detail sorgfältigen Einstudierung bestach die Kantorei Bad Lippspringe durch äußerste Konzen­tration, singtechnisches Vermögen, ausgeglichene Intensität und große Aufmerksamkeit in Phrasierung und Artikulation. Immer wieder gaben die Soprane den Chorpartien im »Kyrie« wie im »Gloria« das klangliche Gepräge, das die Altstimmen in dunkleren Farben glanzvoll abtönten. Intonationssicher bildeten die Tenöre und Bässe das Fundament, so dass die Wiedergabe von einer hervorzuhebenden Klarheit und Ausgewogenheit des vollen Chorklanges bestimmt wurde.

Vokalsolistisch hörte man ebenfalls Ausgezeichnetes: Die vier Gesangssolisten konnten durchweg in hohem Maße überzeugen und passten sich durch stimmlichen Ausdrucksreichtum nahtlos in den Gesamtklang ein. Im ausgewogenen »Domine Deus, Rex coelestis« für Sopran und Tenor sang Goetz Phillip Körner mit makelloser Strahlkraft und bestechender Eindringlichkeit.

Eingebettet in die ausgewählten Sätze der h-moll-Messe erklang zudem die Kantate »Gelobet sei der Herr, mein Gott« von Johann Sebastian Bach. Mit einem um drei Trompeten und Pauken erweiterten Orchester ist sie ausgesprochen festlich ausgestattet. Dem Eingangschor folgen drei Arien. Durch kraftvolle Bassfülle und souveräne Stimmführung verlieh Christoph Liebold dem »Gelobet sei der Herr« große Überzeugungskraft. Der Sopranpart bekam in der folgenden Arie mit schlanker und müheloser Leichtigkeit in allen Lagen eine innige Gestaltungsqualität und im »Gelobet sei der Herr, mein Gott, der ewig lebet«, wie auch bereits in der h-moll-Messe, kam das weiche und eher opernhafte Timbre der Altstimme von Dagmar Linde in der ganzen Fülle des Ausdrucks voll zum Tragen. Das Orchester »La Réjouissance« musizierte mit vielen klangschönen Soli homogen und farbenreich und trug mit seinem Spiel entscheidend zur Einheitlichkeit der musikalischen Gestaltung bei. In großer Klangfülle bot der Schlusschor »Dona nobis pacem« den prachtvollen Ausklang einer Aufführung, die den Dank mit dem Wunsch nach Frieden verband.

Auch im späteren evangelischen Gottesdienst zur Verabschiedung von Ulrich Schneider bewies dieser, nun zum letzten Mal, die Ergebnisse seiner hervorragenden Chorarbeit: Die Sätze von Max Reger, Jan P. Sweelinck, Claude Goudimel, G. Ph. Telemann und J. S. Bach wurden von der Kantorei durchsichtig und lebendig gestaltet. Mit unterhaltsamen Klängen des Posaunenchores wurde die Gemeinde zum Empfang ins Gemeindehaus geleitet, wo das außergewöhnliche Engagement des langjährigen Kantors in einem ausführlichen und abwechslungsreichen Programm gewürdigt und Ulrich Schneider unter großem Beifall in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5898737?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851061%2F