Fr., 13.07.2018

Umfrage: 85 Prozent Zustimmung in NRW Nationalpark Senne? Pinkwart: »OWL entscheidet«

Soll die Senne ein Nationalpark werden? Die Frage beschäftigt die Region seit Jahren.

Soll die Senne ein Nationalpark werden? Die Frage beschäftigt die Region seit Jahren. Foto: Carsten Borgmeier

Von Bernd Bexte

Bad Lippspringe (WB). Wollen die Menschen in OWL tatsächlich keinen Nationalpark in der Senne, wie die Landesregierung behauptet? Eine Umfrage kommt jetzt zu einem deutlich anderen Ergebnis. Streit ist programmiert.

85 Prozent der Befragten in NRW befürworten die Einrichtung eines Nationalparks. In OWL sind es immerhin noch 76 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid (Bielefeld) im Auftrag heimischer Naturschutzverbände. Vom 12. bis zum 28. Juni waren NRW-weit 1020 Personen ab 16 Jahren befragt worden.

Hintergrund ist die anstehende Änderung des Landesentwicklungsplans (LEP), der für die nächsten 15 Jahre die Ziele für NRW vorgibt. Im Entwurf der abgewählten rot-grünen Landesregierung war die Schaffung eines zweiten Nationalparks für NRW in der Senne vorgesehen.

Akzeptanz in der Bevölkerung fehlt?

Die neue CDU/FDP-Regierung will die Passage streichen. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: »Für die Ausweisung eines Nationalparks Senne fehlt die erforderliche breite Akzeptanz in der Bevölkerung der Region.« Die aktuelle Umfrage – es ist seit 2009 bereits die dritte zu einem Nationalpark in OWL mit ähnlichem Ergebnis – widerlege diese These aufs deutlichste, sagt Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL.

»Selbst unter CDU-Wählern hat die Umfrage eine Zustimmung von 80 Prozent ergeben, bei SPD-Sympathisanten waren es 91 Prozent«, sagt der Obstbauer aus Hiddenhausen. Er verweist auf die jüngste Stellungnahme des Detmolder Regionalrats zum LEP: Wie exklusiv berichtet, erklären darin CDU, SPD und FDP, weiterhin die Möglichkeit für die Schaffung eines Nationalpark erhalten zu wollen. »Er würde viele Besucher anlocken«, sagt Erdmute von Voitenberg, Vorsitzende des Fördervereins für einen Nationalpark. Den jährlichen Kosten (2,8 Millionen Euro) stünden Mehreinnahmen durch den Tourismus in Höhe von 4,5 Millionen Euro gegenüber.

Wirtschaftliche Impulse

Laut Umfrage erwarten 59 Prozent der Befragten, dass ein Nationalpark positive wirtschaftliche Impulse setze. Genau das bezweifeln allerdings die Kritiker, allen voran die Senne-Gemeinde Augustdorf, die Einschränkungen in ihrer Entwicklung befürchtet, sollte nach Abzug der Briten 2020 in der Senne ein streng geschütztes Naturareal entstehen.

Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) in NRW, hingegen hält die Senne für den »bedeutendsten Naturraum in NRW«. Es gelte, viele Begehrlichkeiten zu verhindern, etwa die Nutzung der Senne als Fläche für Photovoltaikanlagen, wie jüngst in die Diskussion gebracht.

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Ob das Gebiet ein Nationalpark wird, ist eine Entscheidung, die die Region treffen muss.

NRW-Wirtschaftsminister An­dreas Pinkwart

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Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, übergaben die Verbände in Düsseldorf NRW-Wirtschaftsminister An­dreas Pinkwart (FDP) 15.000 Unterschriften von Unterstützern. Pinkwart versteht die Aufregung nicht: »Wir haben die Schutzwürdigkeit der Senne im Landesentwicklungsplan genauso vorgesehen, wie das bisher auch der Fall war«, erklärt er dem WESTFALEN-BLATT.

Überwiegende Teile des Truppenübungsplatzes seien bereits naturschutzfachlich gesichert. »Ob das Gebiet ein Nationalpark wird, ist eine Entscheidung, die die Region treffen muss. Dort liegt aber noch keine einheitliche Haltung vor, und deswegen wollen wir als Land dem nicht vorgreifen.«

Man wolle erst sehen, wie sich Kommunen und Kreise in das laufende Beteiligungsverfahren am LEP einbringen. »Das Engagement in der Region für den Nationalpark nehmen wir dabei sehr ernst.« Das Beispiel Nationalpark Eifel zeige aber auch, dass für eine Ausweisung eine Erwähnung im LEP nicht erforderlich sei.

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