Mi., 02.08.2017

Bis zu sechs Anlagen im Gespräch: Örtliche Initiatoren erwägen Genossenschaftsmodell Bürgerwindpark für Borchen geplant

Martin Lüthen (rechts) und Marcel Welsing treiben als Geschäftsführer der Bürgerwind Borchen GbR die Planungen voran. Im Hintergrund befindet sich das Gebiet, in dem die Windkraftanlagen gebaut werden sollen.

Martin Lüthen (rechts) und Marcel Welsing treiben als Geschäftsführer der Bürgerwind Borchen GbR die Planungen voran. Im Hintergrund befindet sich das Gebiet, in dem die Windkraftanlagen gebaut werden sollen. Foto: Per Lütje

Borchen (WB/per). Ein Zusammenschluss von 14 Landwirten und Bürgern plant in Borchen die Errichtung eines Bürgerwindparks mit insgesamt sechs Anlagen. Mehr als 90 Flächeneigentümern wurden bereits Pachtverträge angeboten. Das Investitionsvolumen liegt nach vorsichtigen Schätzungen bei 40 Millionen Euro.

»Wenn schon Windkraft in unserer Gemeinde, dann sollen auch die Menschen vor Ort davon profitieren«, sagt Marcel Welsing. Er ist neben Martin Lüthen und Tobias Roeren-Wiemers Geschäftsführer der Bürgerwind Borchen GbR. Diese plant zwischen Kirchborchen, Schloß Hamborn, Dörenhagen und Etteln einen Bürgerwindpark mit sechs Windkraftanlagen, an dessen Realisierung sich möglichst viele Borchener beteiligen sollen.

Als Fläche hat das Unternehmen ein mehr als 400 Hektar großes Areal links und rechts entlang der Dörenhagener Straße gewählt. »Als Planungs-Eckpfeiler haben wir uns selbst Abstände von 1000 Metern zur Wohnbebauung, 500 Meter zum Außenbereichswohnen und 1000 Meter zur Rehaklinik in Schloß Hamborn auferlegt«, sagt Martin Lüthen, der betont, dass man damit größere Abstände gewählt habe als andere Kommunen, die ihren Flächennutzungsplan neu überarbeitet hätten. Dort seien 800 Meter und weniger ausgewiesen. »Aktuell können wir auf diesem Gebiet etwa sechs moderne Windkraftanlagen realisieren.«

Marcel Welsing, der für die FDP im Borchener Gemeinderat sitzt, sagt, dass die Vorgaben der Luftsicherheit bereits behördlich geprüft seien und dem Vorhaben nicht im Wege stünden. »Der Zwischenstand der artenschutzrechtlichen Prüfung zeigt kein Konfliktpotenzial in unserem Vorhabengebiet. Die Flächen sind damit bestens für die Windkraft geeignet«, finden Welsing und seine Mitstreiter.

Tobias Roeren-Wiemers erklärt, dass man für das Projekt ein so genanntes Flächenpachtmodell gewählt habe, bei dem wesentlich mehr Flächen einbezogen würden als für die Realisierung benötigt werden. »Wir bieten mehr als 90 Eigentümern einen Nutzungsvertrag an«, erläutert er. Auch Bürger sollen beteiligt werden – entweder in Form von Kommanditanteilen an einer Betreibergesellschaft oder in Form von Genossenschaftsanteilen.

Die drei Geschäftsführer machen auch deutlich, was aus ihrer Sicht passieren könnte, wenn die Borchener Bürgerwind GbR ihr Projekt nicht umsetzen sollte: »Wenn unsere Flächen nicht ausgewiesen werden, kommen nur fremde Planer zum Zuge, und es wird in Borchen keinen Bürgerwindpark und somit keine breite Beteiligung der Borchener geben. Die vernünftige Festlegung von Abständen zur Wohnbebauung ist hierfür ein Baustein – und für unseren Bürgerwindpark von großer Bedeutung. Eine vorschnelle und über das Maß hinausgehende, unausgewogene Festlegung der Abstände würde nicht nur unser Projekt, sondern auch die Rechtssicherheit des neuen Flächennutzungsplans im hohen Maße gefährden.«

Ob, wann und in welcher Rechtsform der Bürgerwindpark umgesetzt wird, hängt nach Ansicht Welsings in erster Linie von der Beteiligung der Bürger und der Flächeneigentümer ab. Denn aus diesem Interesse wird letztlich auch die Finanzierung der Anlagen gespeist. Voraussetzung sei zudem die politische Rückendeckung aus dem Gemeinderat.

 

Kommentar

Dass in Borchen weitere Windkraftanlagen gebaut werden, dürfte so sicher sein wie das Amen in der Kirche. Vor diesem Hintergrund und auch im Wissen um die tiefen Gräben, die das Thema Windkraft bereits in den Dörfern der Gemeinde gerissen hat, ist es ein guter und gangbarer Weg, den die Bürgerwindpark-Initiatoren eingeschlagen haben. Sie wollen nicht nur die von den Windkraftriesen betroffenen Bürger finanziell beteiligen, sondern sich mit ihren Anlagen auch so breit machen, dass dort »gemeindefremde« Investoren keinen Platz mehr finden – obgleich die Flächen mehr Anlagen Raum böten als die Borchener Bürgerwind GbR selbst plant. Auch das ist ein gutes Signal, das die Projektverantwortlichen aussenden.

Dass Bürgerwindparks mit Genossenschaftsmodellen ein geeignetes Mittel sind, die Akzeptanz für Anlagen vor der eigenen Haustür zu steigern, zeigen die Beispiele in Lichtenau und Bad Wünnenberg. Dort zahlt sich die Beteiligung an den Windriesen in barer Münze aus – sei es in Form von Dividenden, die ein Vielfaches über dem liegen, was Banken heutzutage an Zinsen auszahlen, oder auch in Form von Zuschüssen an Vereine aus den Stromerträgen. Und nicht zuletzt profitiert auch die Gemeinde selbst durch Gewerbesteuereinnahmen. Auf diese Art und Weise gewinnen jedenfalls nicht nur die Investoren.

 

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