Fr., 08.12.2017

Borchener Verwaltung wehrt sich gegen »Dilettantismus«-Vorwürfe Mächtig Wirbel um einen Aufzug

Der nachträglich installierte Außenaufzug erschließt das Hochparterre mit der »Genusswerkstatt« und das erste Stockwerk.

Der nachträglich installierte Außenaufzug erschließt das Hochparterre mit der »Genusswerkstatt« und das erste Stockwerk. Foto: Per Lütje

Borchen (WB/per). Der neue Außenaufzug am Mallinckrodt­hof hat für eine hitzige Debatte in der Politik gesorgt. Der Verwaltung wurde in der jüngsten Bauausschusssitzung sogar Dilettantismus und Rechtswidrigkeit im Umgang mit dem denkmalgeschützten Gebäude vorgehalten – Vorwürfe, die Bürgermeister Reiner Allerdissen auf Schärfste zurückwies.

An dem Fahrstuhl, der auch Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit geben soll, das Standesamt im ersten Stockwerk zu erreichen, scheiden sich seit Wochen die Geister. Der Vorwurf aus Reihen der Grünen, die mit einem Fragenkatalog zu dem Aufzug an die Verwaltung herangetreten war, und der CDU lautet, dass die Bürger und Kommunalpolitiker vor vollendete Tatsache gestellt worden sein. »Ich bin davon ausgegangen, dass dort ein Glasaufzug entstehen soll«, sagte zum Beispiel Hubertus Franke (CDU). Diesen Einwand konnte Karin Schmidt aus dem Bauamt entkräften, indem Sie jene Zeichnung noch einmal hervorholte, die seinerzeit im Herbst vergangenen Jahres im Haupausschuss vorgestellt worden war – und dort ist jene »Betonröhre« abgebildet, wie sie jetzt auch umgesetzt worden ist.

Vorgehen zwischen Gemeinde und Denkmalbehörde abgestimmt

Karin Striewe legte den Kommunalpolitikern noch einmal alle erfolgten Abstimmungen zwischen der Gemeinde Borchen und der Denkmalbehörde in Münster vor. Peter Völse, sachkundiger Bürger und von Beruf Architekt, stellte das jedoch nicht zufrieden. Er hielt der Verwaltung vor, erst dann die Abstimmung mit Münster gesucht zu haben, als der Druck aus der Bevölkerung zu groß wurde. »Da war das Kind aber schon in den Brunnen gefallen. Hätten wir diese Diskussion vor einem dreiviertel Jahr geführt, dann hätten wir jetzt nicht dieses Ergebnis und würden wahrscheinlich auch nicht darüber streiten«, sagte Völse, der – sehr zur Empörung von Bürgermeister und der SPD-Fraktion – offen von Dilettantismus und Rechtswidrigkeit sprach. »Paderborn geht sehr viel sensibler mit seinen Denkmälern um und erfüllt damit auch eine Vorbildfunktion für Privatleute, die Umbauten in denkmalgeschützten Gebäuden planen«, sagte der Borchener Architekt. Karin Striewe ihrerseits verurteilte, dass das Thema über soziale Medien wie Facebook polemisiert worden sei, ohne ein einziges Mal die Verwaltung nach den Fakten zu fragen. Vor seine Mitarbeiterin stellte sich Verwaltungschef Allerdissen: »Die Gemeinde hat eindeutig rechtskonform gehandelt, da sie den Forderungen der Denkmalbehörde voll umfänglich nachgekommen ist.«

Kirchborchens Ortsheimatpfleger Konrad Lüke kritisierte, dass er in seiner Funktion als sachkundiger Bürger nicht von der Verwaltung um eine Einschätzung gebeten worden sei. »Es hätte ohne Probleme auch ein Glasaufzug umgesetzt werden können.« Er zweifelte denn auch das Gutachten der Gemeinde Borchen an, wonach ein Glasaufzug aus statischen Gründen nicht infrage gekommen wäre.

CDU hätte mehr Geld für eine »vernünftige Lösung« in die Hand genommen

Karin Striewe verwies darauf, dass eine Glas-Stahl-Konstruktion etwa 30 Prozent teurer als die jetzt etwa 260.000 Euro teure Lösung gekommen wäre. »Zudem wäre ein solcher Aufzug auch in den Unterhaltungskosten deutlich höher«, ergänzte Allerdissen, der darauf verwies, dass es seinerzeit gerade die CDU gewesen sei, die die Notwendigkeit und Kosten für das Projekt generell in Frage gestellt habe. Das ließ Markus Reinstädler (CDU) nicht gelten: »Man hätte sicherlich überein kommen können, zehn, 20 oder sogar 30 Prozent mehr auszugeben, um eine anständige Lösung zu erreichen.«

Einig waren sich die Fraktionen, dass man nun das Beste aus der Situation machen müsse. Entsprechend appellierten Grüne und CDU, zumindest bei der Art und Farbgebung der Fassadengestaltung des Aufzuges ein Mitspracherecht zu haben. Bürgermeister Reiner Allerdissen wollte dies nicht zusagen, da hierüber die Denkmalbehörde entscheide. Dieser habe man zur Vorauswahl Farb- und Materialmuster – darunter schwarze Schiefertafeln, Zinkverblendungen und weinrote Beschichtungsplatten – zukommen lassen. Die Installation des Lifts ist für die erste Januarwoche vorgesehen.

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