Di., 13.03.2018

Anordnung des Kreises – Betreiber vermutet »menschlichen Fehler« Aufbau erst nach Prüfbericht

Das havarierte Windrad im Windpark Etteln. Die Ursachenforschung ist im Gang.

Das havarierte Windrad im Windpark Etteln. Die Ursachenforschung ist im Gang. Foto: Besim Mazhiqi

Borchen (WB). Die am Donnerstag in Etteln beschädigte Windkraftanlage darf vorerst nicht aufgebaut werden. Das hat die Kreisverwaltung Paderborn verfügt. Zunächst müssen der Betreiber Westfalen-Wind Etteln und die Herstellerfirma Enercon einen Prüfbericht bei der Kreisverwaltung vorlegen, aus dem der Unfallhergang und die -ursache hervorgehen.

Aus Sicherheitsgründen bleibt der Bereich um die Unglücksstelle bis auf Weiteres gesperrt. Das gelte nach Angaben des Kreises auch für angrenzende Zuwege. Der Betreiber kann die offensichtlich beschädigten Teile der Anlage abbauen. Der Kreis hat den Betreiber aufgefordert, Turm und Fundament sowie nicht abgebaute Teile des Windrads von einem unabhängigen, zertifizierten Gutachter überprüfen zu lassen. Rotorblätter und Gondel seien spätestens, je nach Witterung, bis zum 6. April abzubauen. Bis dahin bleibe die Anlage stillgelegt und dürfe nicht wiederaufgebaut werden.

Am Donnerstagabend waren auf einem Feld zwei Rotorblätter des Windrads in der Phase des Einrichtens der Anlage beschädigt und zerstört worden (das WV berichtete). »Die Bruchstücke werden unter Aufsicht von Fachleuten der Landwirtschaftskammer aufgesammelt und fachgerecht entsorgt. Der Kreis Paderborn wird zudem Bodenproben ziehen lassen, um eventuell verbliebene Rückstände aufzuspüren«, teilte die Kreisverwaltung gestern mit.

Das Windrad habe sich zum Unglückszeitpunkt im Aufbau gefunden, sei noch nicht in Betrieb und auch nicht vom Kreisbauamt abgenommen gewesen. Im Kreisgebiet stehen nach Angaben des Kreises 44 Anlagen dieses Typs, »die alle bau- und immissionsschutzrechtlichen Voraussetzungen erfüllen und somit genehmigt und auch abgenommen wurden«. Das erste Windrad ging im August 2014 ans Netz. Alle Anlagen liefen problemlos. Nach Angaben der Herstellerfirma stünden weltweit 820 Anlagen desselben Bautyps, bei denen vergleichbare Schäden nicht aufgetreten seien.

Ursachenforschung geht weiter

Unterdessen geht die Ursachenforschung für die Havarie weiter. Spezialisten des Herstellers haben mit der Schadens- und Ursachenermittlung begonnen. Die Herstellerfirma lasse den Vorfall zudem von unabhängigen Sachverständigen untersuchen. »Sobald diese Experten ihren Bericht vorlegen, wird die Öffentlichkeit darüber informiert«, teilte Westfalen-Wind mit.

Zum jetzigen Zeitpunkt liege die Vermutung nahe, dass Sicherheitsvorschriften nicht beachtet worden seien. »Es könnte sich um einen menschlichen Fehler gehandelt haben. Westfalen-Wind Etteln geht davon aus, dass das von Enercon beauftragte Aufbauteam entgegen der eindeutigen Arbeitsanweisungen die Arretierung der Maschine gelöst hat, obwohl die Rotorblätter voll im Wind standen«, heißt es in der Westfalen-Wind-Mitteilung weiter. Vorschrift sei es, diese Arretierung nur zu lösen, wenn zuvor die Rotorblätter einzeln so gedreht worden seien, dass der Wind an ihnen vorbeistreichen könne, ohne die Maschine in Gang zu setzen.

Kein Grund, Sicherheit anderer Anlagen in Frage zu stellen

Im regulären Betrieb verhinderten drei unabhängig voneinander arbeitende Blatt-Verstellmechanismen eine Überdrehzahl wie beim Vorfall in Etteln. Diese Sicherheitsmechanismen seien bei der im Bau befindlichen Maschine noch nicht installiert gewesen und hätten zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht installiert sein müssen. Deshalb gebe es laut Westfalen-Wind keinen Grund, nach diesem Vorfall die Sicherheit fertig installierter und in Betrieb befindlicher Anlagen des Typs E-115 infrage zu stellen.

Da sich nach dem Vorfall Schaulustige nicht an die Absperrungen rund um die beschädigte Anlage gehalten hatten, haben Betreiber und Hersteller das Sicherheitspersonal dort verstärkt. Akut gefährdet sei außerhalb des Sicherheitsbereiches nach Westfalen-Wind-Angaben niemand – auch die heruntergefallenen Rotorblattteile aus GFK-Material würden keine Gefahr darstellen.

2016 gab es zwei Havarien bei Windrädern: In Neuenbeken war am 26. Januar eine 19 Jahre alte Gondel samt Rotorblätter abgestürzt, im Mai ein Windrad bei Dörenhagen nach einem Blitzeinschlag havariert.

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