Mi., 09.05.2018

Windrad-Gutachten: Blockiersystem zu früh abgeschaltet »Menschliches Versagen«

Bei der Havarie in Borchen wurden zwei Flügel zerfetzt, Glasfasersplitter verteilten sich auf dem Boden.

Bei der Havarie in Borchen wurden zwei Flügel zerfetzt, Glasfasersplitter verteilten sich auf dem Boden. Foto: Jörn Hannemann

Von Bernhard Liedmann

Borchen (WB). Die Havarie des Windrades bei Borchen ist »aller Wahrscheinlichkeit nach auf menschliches Versagen zurückzuführen«. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das Hersteller Enercon und Betreiber Westfalenwind am Dienstag vorgelegt haben.

Der Unfall, bei dem zwei Flügel zerfetzt wurden und kleinste Glasfasersplitter ein mindestens 50 Hektar großes Gelände eindeckten , ist jetzt zwei Monate her. »Ein technischen Defekt ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen« heißt es weiter in dem Bericht, der im Auftrag der Unternehmen durch einen unabhängigen Sachverständigen angefertigt und dem Kreis Paderborn vorgelegt wurde.

Beim Aufbau der E-115-Anlage am 8. März gegen 18.15 Uhr soll laut Bericht das mechanische Blockiersystem beim Generator außer Funktion gesetzt worden sein, bevor die Flügel aus dem Wind gedreht waren. Deshalb hätten die drei 55,9 Meter langen Rotorblätter maximal im Wind gestanden. Daraufhin begann die Anlage zu rotieren, konnte nicht mehr gestoppt werden und geriet in Überdrehzahl. Aufgrund eines Sicherheitssystems könne ein solcher Vorfall bei einer in Betrieb befindlichen Windenergieanlage nicht auftreten, so die Unternehmen in einem Statement.

Große Teile der Anlage demontiert

Große Teile der Anlage sind bereits demontiert worden . Enercon und Westfalenwind wollen nach eigenem Bekunden die Anlage schnellstmöglich wieder in Betrieb nehmen. Das Gutachten zur Unfallursache hatte der Kreis Paderborn als Genehmigungsbehörde gefordert ebenso wie ein noch ausstehendes Gutachten zur Statik des Turms. Insgesamt hat Ener­con weltweit bislang etwa 820 Anlagen dieses Typs ausgeliefert. Den Aufbau in Borchen hat laut Enercon ein externer Dienstleister vorgenommen.

Die Sanierung der durch die Havarie betroffenen Weiden und Äcker wird noch etliche Monate dauern. Bei einer internen Versammlung der betroffenen Landwirte gab die Landwirtschaftskammer bekannt, dass die Versicherung von Enercon den Schaden der Landwirte anerkannt habe. Jetzt soll ein weiterer Gutachter Ausmaß und Schadenshöhe individuell für jeden Landwirt feststellen. Die Landwirtschaftskammer will die Ergebnisse dann der Versicherung melden.

Wie bereits durch den Gutachter Gerhard Dumbeck von der Landwirtschaftskammer vorgeschlagen, soll nach der ersten Ernte der Flächen eine weitere Begehung nebst Säuberung erfolgen. Ob der nächste Ernteschnitt dann unbedenklich verwendet werden kann, soll abschließend durch ein weiteres Gutachten festgestellt werden. Seitens der betroffenen Landwirte wurde auch eine Absicherung für mögliche Folgeschäden in den kommenden Jahren gefordert. Infrage gestellt wurden zudem Festlegungen wie der 800-Meter-Radius für die Verunreinigungen durch Kleinstsplitter.

Unterdessen hat die Landesregierung die Novelle des Windenergie-Erlasses beschlossen. Sie sieht einen »planerischen Mindestabstand« von 1.500 Metern zu reinen Wohngebieten vor.

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