Do., 28.12.2017

Heimische Landwirte blicken auf 2017 zurück Aufregendes Jahr auf Höfen und Äckern

Nicht immer war die Ernte so romantisch wie es dieses Foto vermittelt. Reichlich Regen stellte die Bauern im Sommer bei der Getreide- und Rapsernte und im Herbst bei der Mais-, Kartoffel und Zuckerrübenernte vor große Herausforderungen.

Nicht immer war die Ernte so romantisch wie es dieses Foto vermittelt. Reichlich Regen stellte die Bauern im Sommer bei der Getreide- und Rapsernte und im Herbst bei der Mais-, Kartoffel und Zuckerrübenernte vor große Herausforderungen.

Paderborn (WB). Für die heimischen Landwirte neigt sich ein aufregendes Jahr dem Ende entgegen. Ein wenig mehr Sicherheit hatten die Milch- und Schweinebetriebe aufgrund gestiegener Erzeugerpreise. Tatkräftig eingebracht haben sich die Landwirte bei der Landesgartenschau in Bad Lippspringe.

»Ein Großereignis für die heimische Landwirtschaft war die Landesgartenschau«, sagt Kreisverbandsvorsitzender Hubertus Beringmeier. Mehr als 600 ehrenamtliche Bauern hätten tatkräftig geholfen und dem Besucher den grünen Berufszweig präsentiert.

Ungewöhnliche Witterungsbedingungen prägten das Jahr: Der wärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, dann Frost im April, der besonders die Obstbaumblüte mit Nachtfrösten traf. Im Juni Hitze und Trockenheit. Danach bis zum Jahresende immer wieder feuchte Witterung. Der Regen stellte die Bauern im Sommer bei der Getreide- und Rapsernte und im Herbst bei der Mais-, Kartoffel und Zuckerrübenernte vor große Herausforderungen.

Weizenaussaat schwierig

Auch die Herbstbestellung war aufgrund der Nässe schwierig. Teilweise konnte die Wintergerste erst spät, Mitte Oktober, ausgesät werden. Ebenso gestaltete sich die Weizenaussaat bis in den Dezember hinein schwierig. Beide Getreidearten konnten auf nassen Standorten zum Teil gar nicht in den Boden gebracht werden. Beringmeier: »Der Regen ist, ganz im Gegensatz zum Vorjahr, vor allem in der zweiten Jahreshälfte mehr als überreichlich gewesen. Hinzu kamen Herbststürme, die beim Mais regional erhebliche Sturmschäden verursachten.«

»Im Großen und Ganzen konnten wir trotzdem beim Mais eine gut durchschnittliche Ernte und bei den Kartoffeln eine gute Ernte bei durchschnittlichen Qualitäten verbuchen«, sagt der Vorsitzende. Die Zuckerrüben zeigten sehr gute Erträge mit guten Zuckergehalten.

Die Preise der pflanzlichen Erzeugnisse liegen dagegen unter dem langjährigen Mittel. Der Milchpreis habe sich zum Glück in diesem Jahr erholt. Die wirtschaftliche Lage habe sich für die Milchbauern deutlich entspannt. Das sei aufgrund der hohen Verluste der Krisenjahre 2015 und 2016 dringend notwendig gewesen. »Die Milchbauern brauchen noch eine längere Phase, da sie in der Zeit der Preiskrise erhebliche Verbindlichkeiten aufgebaut haben«, erläutert Beringmeier. Doch derzeit zögen zunehmend dunkle Wolken am Milchmarkt auf, die die Aussichten für 2018 stark eintrüben würden.

Stalleinbrüche einiger Tierrechtsorganisationen

»Bei den Schweinen hatten wir ebenfalls ein gutes Jahr, allerdings ist der Preis in den vergangenen Monaten stark gefallen. Das ist aber für die Schweinehalter nichts Ungewöhnliches zu dieser Jahreszeit«, so Beringmeier.

Ein Thema, das die heimischen Landwirte besonders bewegt, sind die Stalleinbrüche einiger Tierrechtsorganisationen. »Einbrüche sind Straftaten und keine Heldentaten«, unterstreicht der Vorsitzende. Wer sich ohne Erlaubnis Zutritt zu Ställen verschafft, handele kriminell und gefährde bewusst die Tiere.

Positiv hingegen sei das nach wie vor sehr große Interesse der Schweinehalter an der Initiative Tierwohl. 2018 gehe sie in die zweite Runde, mehr als 4000 Schweinebetriebe nähmen dann teil. »Dies verdeutlicht, wie wichtig den Landwirten das Wohl ihrer Tiere ist«, bekräftigt der Vorsitzende. Es gäbe keinen zusätzlichen Gewinn, aber der Mehraufwand werde bezahlt.

Mit großer Sorge sehen die Bauern das Vorrücken der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Osteuropa. Vor allem über ein Verschleppen durch den Menschen könne die Tierseuche sprunghaft große Entfernungen in kurzer Zeit überbrücken und so rasch Deutschland treffen. Da die Gefährdung ebenso von der hohen Wildschweinpopulation ausgehe, appelliert der Vorsitzende an die Verantwortung der Landwirte und Jäger. Das ASP-Virus, das für den Menschen ungefährlich sei, habe aber für die Schweine, Bauern und für die gesamte Wertschöpfungskette verheerende Folgen.

Komplexer werdende Marktsituation

Sorgen bereiten den Landwirten ebenso stetig wachsende Auflagen, Verordnungen und Gesetze. Die neue, verschärfte Düngeverordnung etwa enthalte sehr komplexe Vorgaben. Die Zeiträume, in denen Dünger aufgebracht werden dürfe, seien verkürzt worden. »Die organische Düngung wird vom Herbst stärker in das Frühjahr verlagert«, schildert Beringmeier. Das führe neben einem arbeitstechnischen Druck im Frühjahr möglicherweise dazu, dass die Gülledüngung von der Bevölkerung noch stärker wahrgenommen werde, weil sie dann zeitlich sehr eng erfolgen müsse. Zudem bringe diese Verordnung erheblich mehr Bürokratie und deutliche höhere Kosten mit sich, da zusätzlicher Lagerraum geschaffen werden müsse und die zukünftig notwendige Ausbringungstechnik teurer sei.

Große Aufgaben der Zukunft, so Beringmeier, seien für die Landwirte eine komplexer werdende Marktsituation, der Strukturwandel und die wachsenden Forderungen der Gesellschaft an eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft. »Für die Bauernfamilien bleibt es eine Daueraufgabe und ein Spagat, die heutige Landwirtschaft zu vermitteln, die steigenden Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen und dabei wirtschaftlich zu überleben«, betont der Vorsitzende. Dazu gehöre für die Bauern natürlich auch die Bereitschaft, sich zu verändern und ständig neue Wege zu gehen.

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