Sa., 03.03.2018

Mieterin soll nach einem halben Jahr aus Pfarrhaus in Büren-Weiberg ausziehen Kirche schickt Kündigung

Bettina Henneke hat das Pfarrhaus in Weiberg von der Kirche gemietet. Im Januar 2017 bekam sie die Kündigung – Vikar Tobias Schulte soll in das Haus einziehen. Doch die alleinerziehende Mutter will das nicht hinnehmen.

Bettina Henneke hat das Pfarrhaus in Weiberg von der Kirche gemietet. Im Januar 2017 bekam sie die Kündigung – Vikar Tobias Schulte soll in das Haus einziehen. Doch die alleinerziehende Mutter will das nicht hinnehmen. Foto: Hanne Hagelgans

Von Hanne Hagelgans

Büren (WB). Bettina Henneke soll umziehen. Das fordert die katholische Kirche. Doch die alleinerziehende Mutter hat das Weiberger Pfarrhaus erst vor eineinhalb Jahren für sich und ihre Tochter gemietet – und sie möchte gern bleiben.

Pfarrer Peter Gede, Leiter des Pastoralverbundes Büren, hat der 52-Jährigen bereits im Januar 2017 die Wohnung gekündigt, wegen Eigenbedarfs. Gerade vor einem halben Jahr, im Frühsommer 2016, war sie damals dort eingezogen und eben mit Renovierungsarbeiten fertig geworden. Die Begründung für den Eigenbedarf der Gemeinde: Vikar Tobias Schulte soll im Pfarrhaus in Weiberg einziehen. »Das ist aus seelsorgerischen Gründen sinnvoll«, betont Pfarrer Gede.

Vikar will in das Haus ziehen und dort seine Habilitation schreiben

Schließlich sei der Vikar mit einer halben Stelle als Seelsorger für die Orte Weiberg, Siddinghausen und Harth zuständig. Die andere Hälfte seiner Arbeitszeit investiert er laut einer Vereinbarung mit dem Erzbistum Paderborn in seine Habilitation als Theologe im Fachgebiet Dogmatik. Und auch für das Schreiben der Habilitationsarbeit, das mehrere Jahre in Anspruch nehme, sei das ruhig gelegene Weiberger Pfarrhaus genau der richtige Ort.

Es gehe schließlich um ein Pfarrhaus, das nun auch seiner Bestimmung gemäß von einem Priester genutzt werden solle, begründet Pfarrer Gede die Kündigung. »Wir sind ja froh, dass wir überhaupt noch einen Geistlichen für diesen Bereich bekommen haben«, ergänzt er.

Als Schulte, der zurzeit in der Vikarie in der Bürener Kernstadt wohnt, im Jahr 2015 sein Amt angetreten habe, sei die jetzige Entwicklung noch nicht absehbar gewesen. Er habe der Mieterin beim Einzug mitgeteilt, dass sie wieder ausziehen müsse, falls das Pfarrhaus einmal von einem Priester benötigt werde, betont Gede.

Mieterin hatte sich im Februar 2016 zu einem Umzug entschlossen

Genau das bestreitet Bettina Henneke allerdings. »Unter diesen Umständen hätte ich das Pfarrhaus ja nie gemietet«, sagt die gelernte Köchin, die mit ihrem »Pulled-Pork«-Wagen auf vielen Festen und Veranstaltungen im Bürener Land unterwegs ist. Denn nur weil in ihrer bisherigen Wohnung im Birkenweg mittelfristig eine Kündigung wegen Eigenbedarfs absehbar gewesen sei, habe sie sich im Frühsommer 2016 für den Umzug ins Pfarrhaus entschieden. Sie müsse in Weiberg wohnen, erzählt die Alleinerziehende. Denn sie unterstützt ihre inzwischen 81-jährige Mutter. Die alte Dame betreibt das in Weiberg ansässige Transportunternehmen der Familie und setzt dabei auch auf die Hilfe ihrer Tochter.

Mittlerweile beschäftigt das umstrittene Mietverhältnis auf beiden Seiten Anwälte und das Amtsgericht. Ein Termin hat bereits stattgefunden, ein weiterer ist für Mitte März geplant. Dann soll es vor allem darum gehen, ob Bettina Henneke vor ihrem Einzug darauf hingewiesen worden ist, dass Eigenbedarf angemeldet werden kann.

»Ich brauche diesen Streit nicht«, betont die Mieterin. Für die Zuspitzung macht sie allerdings Pfarrer Gede verantwortlich, der sofort ein Anwaltsschreiben geschickt habe, statt das persönliche Gespräch zu suchen. Auch per Pfarrbrief und sogar mit einem Aushang sei der Konflikt in die Öffentlichkeit getragen worden. »Viele im Dorf grüßen mich schon gar nicht mehr«, bedauert Bettina Henneke.

Bettina Henneke wäre durchaus kompromissbereit gewesen

Dabei sei sie durchaus kompromissbereit gewesen. »Hätte er gesagt: Tut mir leid, das ist dumm gelaufen – lassen Sie uns zusammen nach einer Lösung suchen, dann wären wir uns bestimmt irgendwie einig geworden«, ist die Weibergerin überzeugt. Zumal die Kirchengemeinde mit ihren vielen Kontakten ja vielleicht auch die Möglichkeit gehabt hätte, bei der Suche nach einer neuen Wohnung behilflich zu sein.

Ein Kommentar von Hanne Hagelgans

Benötigt ein Vermieter seine Immobilie selbst, kann er den Mietvertrag wegen Eigenbedarfs unter Einhaltung einer bestimmten Frist kündigen. Mit diesem Risiko muss jeder Mieter leben. Ist der allerdings erst vor wenigen Monaten überhaupt eingezogen, ist die Sache schon besonders ärgerlich und zeugt nicht gerade von weitsichtiger Planung seitens des Vermieters. Unabhängig vom juristischen Ausgang des Streits hätte Pfarrer Gede als Vermieter nach derzeitigem Kenntnisstand womöglich etwas mehr Fingerspitzengefühl zeigen können. Anwälte vorzuschicken und vor allem den Streit per Pfarrbrief und Aushang im ganzen Dorf öffentlich zu machen, ist bei der Suche nach einer einvernehmlichen Lösung natürlich nicht gerade hilfreich.Vielleicht ist es dafür aber trotzdem noch nicht zu spät. Die Chance, den Konflikt doch noch in einem konstruktiven Gespräch zu lösen, sollten jedenfalls beide Parteien nutzen.

 

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