Mi., 07.03.2018

Südtürme sollen nach Sanierung nicht mehr steinsichtig sein Wewelsburg verändert sich

Die berühmte Dreiecksburg im Kreis Paderborn wird saniert. Derzeit arbeiten Spezialisten an dem eingerüsteten Südwesttum.

Die berühmte Dreiecksburg im Kreis Paderborn wird saniert. Derzeit arbeiten Spezialisten an dem eingerüsteten Südwesttum. Foto: Jörn Hannemann

Wewelsburg (WB/han). Die Winterpause ist zu Ende, die Sanierung des Südwest-Turms der Wewelsburg geht weiter. Die beiden Südtürme werden verputzt und sollen künftig nicht mehr steinsichtig sein.

»Das Erscheinungsbild wird verändert«, sagt Kirsten John-Stucke, Leiterin des Kreismuseums. Betroffen davon seien allerdings lediglich zwei der drei Türme der Dreiecksburg. An den Flügeln und am Nordturm sollen auch künftig die Steine sichtbar bleiben.

Für die kommenden Jahre hat der Kreis Paderborn, der seit 1975 Eigentümer ist, jeweils 70.000 Euro jährlich in den Haushalt eingestellt, um die Burg nach und nach zu restaurieren. Für die Arbeiten am Südwestturm hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz außerdem einen Zuschuss in Höhe von 70.000 Euro gewährt.

Das Sanierungskonzept, das Kreis und LWL-Denkmalpflege gemeinsam mit Unterstützung der Paderborner Firma Ars Colendi erarbeitet haben, wolle der historischen Bedeutung der Burg gerecht werden und sie zugleich so sichern, dass sie auch künftigen Generationen erhalten bleibt, erläutert Dr.-Ing. Barbara Seifen, Referatsleiterin LWL-Denkmalpflege und Baukultur.

Alte Ansichten des Barockschlosses, das Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg von 1603 bis 1609 errichten ließ, zeigen, dass es ursprünglich komplett hell verputzt war.

In der Zeit des Nationalsozialismus ließ SS-Führer Heinrich Himmler den Putz abschlagen und setzte dazu ab 1939 auch KZ-Häftlinge ein. Seine Idee war, aus dem ursprünglich eleganten Barockschloss eine mittelalterlich anmutende Trutzburg zu machen, die zur zentralen Versammlungs- und Schulungsstätte der SS werden sollte.

Die Voruntersuchungen zur Sanierung des Südwestturms zeigten, dass vom 400 Jahre alten Putz der Entstehungszeit noch mehr vorhanden war als zunächst erwartet. Dieser Putz sollte so gut wie möglich erhalten werden. Zugleich sollten aber auch die Spuren der mühevollen Arbeit der KZ-Gefangenen ebenso sichtbar bleiben wie ein Tarnanstrich, der als Schutz vor Luftangriffen der Alliierten noch an einigen wettergeschützten Stellen des Turms sichtbar ist.

Um auch die teilweise stark geschädigten Kalksteine vor Wind und Wetter zu schützen, erarbeiteten die Restauratoren und Denkmalpfleger eine Lösung, die eine weitgehende Erhaltung der historischen Steine möglich macht: Die Südtürme werden mit einem Rapputz versehen.

Der, so beschreibt Dipl.-Ing. Birgit Breloh von der LWL-Denkmalpflege, lasse zwar die Steine nicht mehr sehen, dafür aber die historischen Putzreste und unterscheide sich durch seine unregelmäßige Oberfläche nicht zu sehr von den restlichen Fassaden, die weiterhin steinsichtig bleiben.

Viele Menschen meinten, höchste Aufgabe der Denkmalpflege sei es, den historischen Zustand für immer möglichst unverändert zu erhalten, räumt Barbara Seifen mit einem Missverständnis auf: »Dabei ist es ganz normal, dass ein Denkmal im Laufe der Jahrhunderte sein Aussehen auch verändert.«

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