Di., 12.06.2018

»Blaulichter« bringt Gehörlose, Hilfs- und Rettungsdienste sowie die Polizei zusammen Alle mal herhören!

Stefanie Schmidt aus Borchen ist seit vielen Jahren Notfallhelferin bei den Maltesern in Borchen und war Initiatorin der ersten Veranstaltung »Blaulichter« in Hövelhof-Espeln.

Stefanie Schmidt aus Borchen ist seit vielen Jahren Notfallhelferin bei den Maltesern in Borchen und war Initiatorin der ersten Veranstaltung »Blaulichter« in Hövelhof-Espeln. Foto: Jürgen Spies

Von Jürgen Spies

Espeln (WB). Etwa 80.000 Menschen in Deutschland sind gehörlos. Sie meistern ihren Alltag so gut es geht, sind untereinander gut vernetzt, helfen sich gegenseitig. Doch zwischen Hörenden einerseits sowie Gehörlosen und Hörgeschädigten andererseits gibt es zwangsläufig Barrieren und erhebliche Verständigungsschwierigkeiten, die sogar dramatisch sein können, beispielsweise dann, wenn Gehörlose dringend Unterstützung durch Rettungsdienste brauchen.

Dieser Aspekt war nur einer von mehreren Gründen für den Kulturverein der Gehörlosen Paderborn und Umgebung (kurz: Kugepu), jetzt am Bürgerhaus in Hövelhof-Espeln die erste große Infoveranstaltung unter dem Titel »Blaulichter« zu veranstalten. Initiatorin Stefanie Schmidt aus Borchen ist von Geburt an gehörlos und engagiert sich buchstäblich schon ihr halbes Leben bei den Maltesern in Borchen.

Die ausgebildete Rettungsassistentin weiß also wie kaum jemand sonst, worauf es ankommt, wo Probleme auftauchen, wo es Informationsdefizite gibt. Und sie verfügt über gute Kontakte, die ihr halfen, mit dem Kugepu-Team die Veranstaltung in Espeln zu organisieren.

Gehörlose Berliner zählt zu engagiertesten Kämpfern für eine bessere Lobby

Sie fragte bei Hilfsorganisationen, Rettungsdienst sowie Polizei an, ob sie bereit sind, an »Blaulichter« teilzunehmen. Die 35-Jährige bekam sofort die Zusagen. »Ich bin richtig stolz auf sie«, bemerkte beim Blaulichter-Nachmittag in Espeln ihre hörende Freundin Roswitha Heinel.

Eingeladen war zudem Björn Blumeier. Der gehörlose Berliner zählt zu den engagiertesten Kämpfern für eine bessere Lobby, die Gehörlose oft vermissen, für die schnellere Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen, etwa mittels einer Smartphone-App, die Notrufsituation für Menschen mit Hörbehinderung signifikant verbessern kann – Stichwort: barrierefreier Notruf, 24-Stunden-App. Gebärdensprachdolmetscher machten den hörenden Besuchern beim »Blaulichter«-Treffen klar, was Blumeier zu sagen hat: »Das muss es für uns kostenfrei geben! Es geht um die Erfüllung der UN-Menschenrechtskonvention nach Inklusion.« Die Gehörlosenverbände wollen, dass Leistungen an Gehörlose dem Blindengesetz angeglichen werden.

Hörende können sich mit Stefanie Schmidt unterhalten

Hörbar sprechen, das ist für die meisten Gehörlosen aus verschiedenen Gründen kaum oder gar nicht möglich. Steffi Schmidt zählt allerdings zu denen, mit denen sich Hörende, die die Gebärdensprache nicht beherrschen, gut unterhalten können, weil sie besonders gut Lippenlesen kann.

Ihr Wissen und Können als Mitarbeiterin bei den Maltesern bringt sie bei Erste-Hilfe-Kursen für Gehörlose und Schwerhörige in deutscher Gebärdensprache ein, angeboten von den Maltesern in Borchen. Malteser-Ausbilderin Annika Reitz leistet dabei Koordinierungshilfe. »Es haben schon vier Kurse stattgefunden. Es kommen Gehörlose aus ganz Deutschland zu diesen Kursen«, erläutert Steffi Schmidt in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Alle sind sich einig: Die Veranstaltung sollte wiederholt werden

Ein Hintergrund: Gehörlose, die den Führerschein machen möchten, bekommen in üblichen Kursen wichtige Kursusinhalte nicht mit – und trauen sich oft nicht, dann entsprechend nachzufragen, auch aus Angst, auf Unverständnis zu stoßen. Und: Die Begleitung von professionellen Gebärdensprachdolmetschern »kann teuer werden«, kennt Stefanie Schmidt einen weiteren Grund für die große Kursus-Nachfrage unter Gehörlosen.

Beim »Blaulichter«-Treffen waren sich sowohl Gehörlose als auch Vertreter der Hilfsorganisationen sowie der Polizei einig, dass der Premiere weitere Veranstaltungen dieser Art folgen sollten.

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