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Do., 28.01.2016

Gefeuerter LGS-Geschäftsführer will sich juristisch wehren – Bürgermeister rechtfertigt Vorgehen Rausschmiss dauerte 15 Minuten

Damals war die Welt scheinbar noch in Ordnung. Anfang April 2014 stellte Bürgermeister Andreas Bee (rechts) Herbert Gruber als offiziellen Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaft vor. Knapp zwei Jahre später ist das Tischtuch zerschnitten.

Damals war die Welt scheinbar noch in Ordnung. Anfang April 2014 stellte Bürgermeister Andreas Bee (rechts) Herbert Gruber als offiziellen Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaft vor. Knapp zwei Jahre später ist das Tischtuch zerschnitten. Foto: Jörn Hannemann (Archiv)

Von Per Lütje

Bad Lippspringe (WB). Einen  Tag nach der überraschenden Kündigung des Geschäftsführers der Landesgartenschau-Gesellschaft  kommen weitere Details über die Hintergründe ans Licht. Nach Aussagen des geschassten Herbert Gruber habe ihn Bürgermeister Andreas Bee bereits vor Weihnachten gebeten, den Posten niederzulegen.

Gruber legte am Mittwoch kräftig nach. So sei während des 15-minütigen Gesprächs, in dem ihm der Bürgermeister die Kündigung ausgesprochen habe, der Computer aus seinem Büro entfernt worden. »Zudem bin ich aufgefordert worden, meine restlichen Sachen zu räumen. Das werde ich morgen tun«, sagt ein hörbar gefrusteter Herbert Gruber gegenüber dieser Zeitung.

Dieser  Darstellung widerspricht Andreas Bee nicht, bezeichnet diesen Vorgang aber als »normal«: »Mit der Auflösung des Angestelltenverhältnisses ist das ein übliches Vorgehen.«

Nach Darstellung Grubers, der 2011 vom Stadtrat zum LGS-Geschäftsführer bestellt worden war, sei ihm schon vor Weihnachten angetragen worden, das Amt niederzulegen. »Stattdessen sollte ich als Repräsentant auf Honorarvertragsbasis agieren. Aber wie soll ich das guten Gewissens tun, wenn ich gestalterisch und operativ  nicht mehr in die Großveranstaltung eingebunden bin? Ich habe es abgelehnt, einen Grußonkelposten zu übernehmen.«  

Kontakt mit Arbeitsrechtler aufgenommen

Herbert Gruber habe noch am Dienstag Kontakt mit einem Arbeitsrechtler aufgenommen. »Ich habe ihm alle notwendigen Unterlagen gegeben, damit er sich ein Bild von der Angelegenheit machen kann.« Es geht wohl nur noch um die Höhe der Abfindung, denn eines schließt der diplomierte und studierte  Forstwirt kategorisch aus: »Unter einem Andreas Bee werde ich nicht mehr auf den  Geschäftsführerposten  der Landesgartenschau zurückkehren.«

Den Vorwurf Grubers, ihm erst nach vier Jahren seiner Tätigkeit den Vorwurf der »Inkompetenz« zu machen, widerspricht Bee. So sei  Gruber erst im April 2014 als  LGS-Geschäftsführer angestellt worden. »Und gerade in einer Zeit, in der die Baustellen laufen und Businesskompetenz gefragt ist, ist dies etwas, was zuallererst im Rathaus von Fachleuten geleitet wird.«

Diese Vernetzung innerhalb der Verwaltung sei für den Erfolg der Großveranstaltung eminent wichtig, sagt Bee, der  betont, dass man mit allem im Zeitplan liege. Der geschasste LGS-Geschäftsführer kontert: »Ich bin erstaunt, dass Herr Bee meine Kompetenz beurteilen kann. Ich musste jedenfalls bei meiner Einstellung keine Zeugnisse vorlegen. Als studierter Diplom-Forstwirt bin ich sogar dazu befähigt, eine öffentliche Verwaltung zu führen.«

Nur auf Beschluss des Staadtrates

In einer ersten Reaktion hatte CDU-Fraktionschef Walter Strop argumentiert, dass nur auf Beschluss des Stadtrates der LGS-Geschäftsführer von seinen Aufgaben entbunden werden könne. Diese Auffassung teilt Andreas Bee nicht: »Der Rat hat seinerzeit den Gesellschaftervertrag beschlossen und damit einhergehend die Personalaufgaben der Gesellschafterversammlung übertragen.«

Insofern sei die Entscheidung korrekt bei der Gesellschafterversammlung angesiedelt. »Wir haben dies einer rechtlichen Betrachtung unterziehen lassen«, sagt der Bürgermeister, der auf Nachfrage  mitteilt, dass das Votum in dem Gremium  einstimmig ausgefallen sei.

Was  zum Bruch zwischen Aufsichtsrat und Teilen der Geschäftsführung geführt hat, dazu wollte sich Bee gestern nicht äußern: »Herr Gruber hat ja angekündigt, juristisch gegen seine Kündigung vorzugehen. Insofern stehen wir vor einer rechtlichen Auseinandersetzung. Ich möchte mit Rücksicht auf den Datenschutz und auch aus Schutzbedürfnis der Beteiligten nicht näher darauf eingehen.«

Kritik am Vorgehen

Für Gruber, dessen Vertrag  mit drei Monaten Frist gekündigt wurde, waren am Dienstag Stadtkämmerin Erika Josephs (Finanzen und Marketing) und Bauamtsleiter Ferdinand Hüpping (Bauen und Gestalten) in die Geschäftsführung der Gartenschaugesellschaft aufgerückt. Die Bestellung eines weiteren Geschäftsführers neben Heinrich Sperling, der die Geschicke der Großveranstaltung bislang gemeinsam mit Gruber leitete, sei nach Angaben Bees nicht vorgesehen.

CDU-Fraktionschef Strop kritisierte Bürgermeister Bee in der Sitzung des Stadtrates scharf für das Vorgehen und sprach von einem »immensen Imageschaden«. Er forderte, eine Sondersitzung anzuberaumen und dort den Vorgang zu thematisieren. Auch die SPD  plädierte in der Sitzung dafür, das plötzliche Aus des LGS-Geschäftsführers auf einer Sondersitzung zu besprechen und offene Fragen zu klären.

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