>

Di., 20.12.2016

Interview mit Bad Lippspringes Bürgermeister über die Landesgartenschau »Wenn wir Erfolg haben, sind wir sexy«

Andreas Bee ist seit 2009 Bürgermeister der Stadt Bad Lippspringe und Aufsichtsratschef der Landesgartenschau.

Andreas Bee ist seit 2009 Bürgermeister der Stadt Bad Lippspringe und Aufsichtsratschef der Landesgartenschau. Foto: Jörn Hannemann

Bad Lippspringe (WB/per). In dieser Woche wurde bekannt,  dass Weltstar Anastacia für ein Konzert nach Bad Lippspringe kommt - die Landesgartenschau im nächsten Jahr macht’s möglich. Welche Vorbereitungen für die Großveranstaltung (12. April - 15. Oktober) sonst  noch hinter den Kulissen laufen und welche Erwartungen an das Ereignis geknüpft sind, darüber sprach WV-Redakteur Per Lütje mit Bad Lippspringes Bürgermeister Andreas Bee.

Am 1. Juni 2011 erhielt Bad Lippspringe den Zuschlag für die Landesgartenschau 2017. Was hat das seitdem in der Stadt bewirkt?
Andreas Bee : Seit 2014 geht es wieder bergauf in Bad Lippspringe. Der Generalimpuls kam aus dem großen Ziel Landesgartenschau. Wir haben das gebraucht, um den Staub einer in die Jahre gekommenen Kurstadt final abklopfen zu können. Wir haben gleichzeitig festgestellt, dass die Kernkompetenz unserer Stadt das Sich-Wohl-Fühlen und Wieder-Gesund-Werden sind und auch bewiesen, dass unsere Kliniken in der Lage sind, Geld zu verdienen. Es werden gerade zehn Millionen Euro in die Karl-Hansen-Klinik investiert. Der Mut hat sich gelohnt. Wir wollen die Landesgartenschau  als Vehikel nutzen, um uns frischen Wind unter den Flügeln zu verleihen.

Wird die Landesgartenschau ein Erfolg werden?
Andreas Bee:  Wir werden das erst im nächsten Jahr deutlich merken. Aber allein, dass wir mehr Sponsoren gewinnen konnten, als erhofft, ist ein großartiges Zeichen. Wir liegen bei über 500.000 Euro. Zudem haben wir mehr als 7000 Dauerkarten verkauft. Wir haben so kalkuliert, dass wir bei 480.000 Besuchern kostendeckend sind, also 6,5 Millionen Euro auf der Habenseite verbuchen können. Ich bin fest überzeugt, dass wir dieses Ziel erreichen.

Wieviel Gelder sind aufgrund der Landesgartenschau nach  Bad Lippspringe geflossen?
Andreas Bee: Es sind rund 20 Millionen Euro in Bad Lippspringe investiert worden in Bad Lippspringe, davon 8,5 Millionen Euro in das LGS-Gelände. Bei der Gartenschau geht es dem Land mit seinen Fördermitteln nicht darum, nur eine Blümchenschau zu ermöglichen. Sie ist auch ein wichtiges Instrument der Strukturförderung. Bad Lippspringe wird aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Ohne die Landesgartenschau hätten wir mehr als zehn Jahre  gebraucht, Fördermittel in dieser Höhe für den Städtebau zu erhalten. Aber wir hätten ohne die Landesgartenschau auch nicht den Mut und die Möglichkeit gehabt, zum Beispiel den Kaiser-Karls-Park vom Charme der 60er Jahre zu befreien und zu sagen: Wir bauen jetzt moderne Einrichtungen.

»Neue Kraft entwickeln«

Das hört sich an, als gehe die Tragweite dieser Entscheidung, Bad Lippspringe den Zuschlag zu erteilen, weit über die eigentliche  Veranstaltung hinaus?
Andreas Bee: Es gab eine Zeit bis Mitte der 90er, als alles von alleine kam, weil Bad Lippspringe eine erfolgreiche Kurstadt war. Dann brach vieles weg, aber seit einigen Jahren nehmen wir wieder Kurs auf. Durch die Gartenschau werden wir eine neue Kraft entwickeln, die Bad Lippspringe für die Zukunft fit macht. Wir setzen auf nachhaltige Effekte: tolle Gartenschau, nette Stadt, gute Gesundheitseinrichtungen. So wollen wir das Profil der »Marke Bad Lippspringe« schärfen.

Sind Einzelhandel  und Gastronomie aus Ihrer Sicht auf den zu erwartenden Besucherabsturm vorbereitet?
Andreas Bee: Der Einzelhandel hatte viele Lasten zu tragen und tut es immer noch. Aber er wird davon im nächsten Jahr profitieren. Es gibt allerdings auch einige Geschäftsleute, die das Potenzial noch nicht erkannt haben. Ich denke dabei an das Beispiel an das Beispiel einer Pizzeria in Zülpich , die plötzlich festgestellt hat: Wir werden hier überrannt. Und dann ist es möglicherweise zu spät, um angemessen zu reagieren. Es wird Tage geben, an denen unsere Fußgängerzone so voll sein wird, wie noch nie zuvor, und das können sich einige noch nicht vorstellen. Mein Appell geht an die Geschäftswelt, sich darauf vorzubereiten, was da im nächsten Jahr kommt und auch an die Bad Lippspringer – gerade in der Weihnachtszeit – den Euro, den sie ausgeben wollen, in der Stadt zu lassen.

Welche Stimmung nehmen Sie in der Stadt wahr?
Andreas Bee: Es ist wieder ein Wir-Gefühl da. Ich habe immer gesagt, dass wir die Braut schön machen müssen. Wenn sie es ist, dann hat man Verehrer, dann kommen die Menschen. Wir haben die Braut schön gemacht und wir tun es noch immer. Was hier entstanden ist, ist grandios, und das wollen wir den Besuchern zeigen. Dafür brauchen wir viele ehrenamtliche Helfer, die diese Gastfreundschaft mit ihrer Präsenz auf die Besucher der Landesgartenschau übertragen. Die Landesgartenschau braucht auch die Bad Lippspringer, die sagen: Jawoll, wir stehen hinter dieser Großveranstaltung. Jeder einzelne, der sich einbringt, kann hinterher auch sagen, am Erfolg beteiligt gewesen zu sein.

»Strahlkraft deutlich zu spüren«

Wie hat sich  sich die Aussicht  auf die Landesgartenschau bislang auf die Entwicklung der Stadt ausgewirkt?
Andreas Bee: Die Strahlkraft der Landesgartenschau ist ganz deutlich zu spüren. Wir haben in den vergangenen anderthalb Jahren 1500 Einwohner dazu gewonnen und 500 neue Arbeitsplätze, die Hälfte davon in unseren Kliniken. Das Gewerbesteueraufkommen hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt. Bad Lippspringe ist als Wohnort sehr nachgefragt, nicht nur bei älteren Menschen, sondern auch bei jungen Familien. Aktuell haben wir 160 Geburten in diesem Jahr – ein Rekord für Bad Lippspringe.

Seit ein paar Tagen ist bekannt, dass Anastacia ein Konzert auf der Landesgartenschau gibt. Kommen weitere prominente Künstler dieses Kalibers nach Bad Lippspringe?
Andreas Bee: Einen solchen Weltstar in eine Kleinstadt zu holen, können wir sicherlich kaum toppen. Aber es werden noch weitere bekannte Namen während der Landesgartenschau kommen.

Wird die Landesgartenschau wirtschaftlich ein Selbstläufer werden?
Andreas Bee: Wir brauchen auch Glück. Es gibt Dinge, die wir nicht beeinflussen können, wie das Wetter. Was wir hier machen, ist eine Mischung aus Betriebswirtschaft und Herzensangelegenheit. Wer das Herz am rechten Fleck und seine Zukunft mutig in die eigene Hand nimmt, wird am Ende auch das notwendige Glück haben. Wir kalkulieren mit 480.000 Besuchern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es weniger werden. Allein in Ostwestfalen-Lippe leben zwei Millionen Menschen. Ich glaube fest an den Erfolg der Landesgartenschau, auch wirtschaftlich.

Was wird von der Landesgartenschau bleiben?
Andreas Bee: Wir bauen ja hier eine Großveranstaltung auf nicht nur für 2017, sondern gerade auch für die Zeit danach. Wenn es dann im Oktober 2017 heißt »und erfolgreich war das kleine Bad Lippspringe auch«, sind wir sexy. Und ich möchte, dass die Bad Lippspringer das Gefühl haben: Wir sind daran beteiligt. Dann wird der Erfolg auch nachhaltig sein. Je mehr wir strahlen, umso mehr werden wir auch positiv wahrgenommen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4512926?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198401%2F4568258%2F