Di., 27.02.2018

In Lichtenau entsteht erstmals ein Datenspeicher im Turm einer Windkraftanlage Rechnen mit neuer Energie

Fiete Dubberke und Johannes Lackmann (Westfalen Wind IT) sowie Prof. Gregor Engels (Vorstand SICP/Uni Paderborn) und Prof. Gudrun Oevel (Leiterin des Zentrums für Informationstechnologien der Uni Paderborn, von links) vor einem der vier IT-Sicherheitsschränke im Windrad-Turm in Asseln.

Fiete Dubberke und Johannes Lackmann (Westfalen Wind IT) sowie Prof. Gregor Engels (Vorstand SICP/Uni Paderborn) und Prof. Gudrun Oevel (Leiterin des Zentrums für Informationstechnologien der Uni Paderborn, von links) vor einem der vier IT-Sicherheitsschränke im Windrad-Turm in Asseln. Foto: Besim Mazhiqi

Von Meike Oblau

Lichtenau (WB). Windkraftanlagen können nicht nur Strom erzeugen. Im Windpark Asseln haben die Westfalen Wind IT GmbH und Software Innovation Campus Paderborn (SICP) jetzt ein Pilotprojekt gestartet: Sie betreiben Deutschlands ersten Rechenknoten und Datenspeicher in einer Windenergieanlage.

Gestern hat die Uni Paderborn als erster »Mieter« den Rechenknoten in Betrieb genommen. Mit im Boot sind bei diesem Projekt, das auf den Namen »Windcores« hört, auch Innozent OWL, Innofactory und die DTM Group.

Patentierungsverfahren läuft

Dass längst das Patentierungsverfahren läuft und Johannes Lackmann, Geschäftsführer der Westfalen Wind IT, über einen »Know-How-Vorsprung, von dem wir hoffentlich noch lange profitieren werden« jubiliert, sieht man den vier roten, feuerbeständigen IT-Sicherheitsschränken nicht an, die im Fuß des 150 Meter hohen Betonturms des von Enercon erbauten Windrades stehen. Bildlich gesprochen »passt« in jeden dieser Schränke aber die Rechenleistung von bis zu zwölf mittelständischen Unternehmen. »Mit diesem Serverzentrum könnte man ein mittelgroßes Gewerbegebiet versorgen«, fasst SICP-Vorstand Prof. Gregor Engels zusammen.

Johannes Lackmann erinnerte daran, dass schon zu Beginn der Industrialisierung Firmenansiedlungen zumeist dort passierten, wo Energie vorhanden war: »Man hat sich immer an Energiequellen orientiert, und zu dieser Idee kehren wir jetzt zurück.« Man nutzt den Strom, der für die Server nötig ist, einfach direkt da, wo er entsteht: in der Windkraftanlage. »Wir mussten nur die Serverschränke aufstellen, die nötige Infrastruktur ist im Windpark längst vorhanden«, ergänzt er. Dadurch biete sich in Lichtenau zudem die Chance, Wirtschaftskraft in den ländlichen Raum zurückzubringen. Für Bereiche wie Datensicherheit würden enorme Energieleistungen gebraucht, erläutert Prof. Engels und schätzt, dass künftig ein Fünftel des Energiebedarfs in den Bereich »Business 4.0« fließen wird.

Firmen profitieren von geringen Stromkosten

Für die Firmen, die sich im neuen Rechenknoten einmieten, böten sich mehrere Vorteile, erklärt Fiete Dubberke (Geschäftsführer Westfalen Wind IT): »Die Firmen wissen genau, wo ihre Daten liegen und wo ihre Rechenvorgänge stattfinden, nämlich in Deutschland und nicht auf ausländischen Servern. Zudem sind die Betriebskosten geringer: Die Stromkosten können um bis zu 50 Prozent auf 15 Cent pro Kilowattstunde gesenkt werden.«

Prof. Dr. Gudrun Oevel (Leiterin des Zentrums für Informationstechnologien der Uni Paderborn) wird mit ihrem Team jetzt als erster Kunde unter dem Motto »Rechnen mit neuer Energie« einen Testbetrieb durchführen. So werden zum Beispiel Teile des Backup-Systems des Uni-Servers in den Turm des Windrades »einziehen«: »Man muss sich das vorstellen wie in einem Hotel: Firmen mieten Teile des IT-Schrankes an und bekommen dafür Strom, Datenanbindung, Sicherheit und Kühlung«, sagt Oevel. Zu den Kosten des Pilotprojekts machten die Betreiber keine Angaben. Anfragen von interessierten Firmen liegen bereits vor, zum Beispiel von einem großen Hamburger Medienunternehmen.

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