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Mi., 11.01.2017

Paderborner Tafel sortiert wöchentlich 30 Tonnen Lebensmittel Von wegen Resterampe

Knackig frisch sind diese Paprika und Auberginen, die Jennifer Biermann und Marvin Sinnreich aus den Gemüsekisten aussortieren.

Knackig frisch sind diese Paprika und Auberginen, die Jennifer Biermann und Marvin Sinnreich aus den Gemüsekisten aussortieren. Foto: Besim Mazhiqi

Von Andrea Pistorius

Paderborn (WB). 30 Tonnen Lebensmittel werden Woche für Woche bei der Paderborner Tafel angeliefert und sofort sortiert, gelagert und schließlich verteilt. 150 überwiegend ehrenamtliche Helfer sind dabei im Einsatz. Besonders viel zu tun ist vormittags, wenn die Ware reinkommt, damit sie rechtzeitig bereit liegt, wenn nachmittags die Kunden ihre Wochenration abholen.

Neben dem Tisch, an dem Sophie Schwarz (66) und Feride Kara (51) Brot und Brötchen sortieren, steht ein Turm aus Kunststoffkörben, alle sind bis oben gefüllt mit Backwaren . »Das ist jeden Montag so«, sagt Feride Kara, denn vom Wochenende bleibe in Supermärkten und Bäckereien eben viel übrig. Hart gewordene Brötchen wirft sie in eine Kiste am Boden, die bekommt ein Bauer, der die Reste an sein Vieh verfüttert. Die noch duftenden Rosinenbrötchen packt sie in Kunststoffbeutel, immer sechs Stück. Sophie Schwarz schneidet Baguettes in zwei Hälften, »dann lassen sie sich besser verpacken«, und kontrolliert das Haltbarkeitsdatum auf den Toastbrottüten. Die beiden Frauen arbeiten schnell und routiniert. Seit Jahren helfen sie schon ehrenamtlich bei der Tafel, und meistens stehen sie am Brottisch. »Als Rentnerin habe ich hier eine sinnvolle Beschäftigung gefunden«, sagt Sophie Schwarz.

Helfer müssen für Unvorhersehbares gewappnet sein

Martin Gasse packt Kisten für die zehn Tafel-Außenstellen. Foto: Besim Mazhiqi

Nebenan nimmt Marvin Sinnreich (31) Schalen mit Feldsalat und Kohlköpfe in die Hand und guckt, »ob das Grünzeug noch tiptop ist.« Was noch appetitlich aussieht, legt er nach Sorten getrennt in Gemüsekisten. Er packt jeden Vormittag mit an, auch neulich an seinem Geburtstag: »Das ist doch selbstverständlich.« Auch auf Vera Jennebach (63) ist Verlass. Sie arbeitet sich zweimal wöchentlich durch Berge von Obst und findet es gut, »den armen Leuten helfen zu können.« Wenn sie beobachtet, »dass sich mancher Kunde nach dem Einkauf noch was aus der Restekiste holt«, dann bedrückt sie das. Währenddessen schneidet sie Netze mit Mandarinen auf und fischt die zerdrückten Früchte heraus.

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Die Kekse bleiben im Lager für schlechte Zeiten, wenn mal wenig Ware reinkommt.

Wolfgang Hildesheim, Mitarbeiter

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Wolfgang Hildesheim ist der einzige fest angestellte Mitarbeiter der Tafel. Der 62-Jährige koordiniert die Dienste der Fahrer und Lagerarbeiter. In den Regalen und Kühlräumen herrscht Ordnung, darauf legt er Wert. »Hier haben wir drei Paletten Kekse, eine Spende von Lidl«, Hildesheim zeigt auf die Kartons. »Die sind bis Ende 2017 haltbar und bleiben im Lager für schlechte Zeiten, wenn mal wenig Ware reinkommt.« In seinem Job muss er immer wieder auf Unvorhersehbares rasch reagieren. Welche Lebensmittel bringen die Fahrer mit und wieviele? Stehen genug Mitarbeiter zur Verfügung? Doch so leicht ist Hildesheim nicht aus der Ruhe zu bringen. »Ich lebe für die Tafel«, sagt er.

Paderborner Tafel versorgt wöchentlich 3000 Menschen

Die Fahrer der vier Tafel-Transporter kommen von ihrer zweiten Tour zurück, schieben neue Lebensmittelspenden in die Lagerhalle und packen die sortierten Kisten, die für die zehn Außenstellen bestimmt sind, auf die Ladeflächen. 3000 Kunden hat die Paderborner Tafel, darunter 1200 Kinder. Uwe Hoffmann (61) empfängt neue Kunden im winzigen Büro, lässt sich amtliche Bescheinigungen vorlegen, die eine Bedürftigkeit dokumentieren, und stellt Abholausweise aus. Einmal in der Woche dürfen die Menschen ein Lebensmittelpaket für sich und ihre Familien zusammenstellen. Erwachsene zahlen dafür zwei Euro, Kinder erhalten es gratis. »Die meisten sind sehr dankbar und freuen sich«, sagt der Tafel-Vorsitzende. Dafür lohne sich der Stress und die Arbeit, für die er 2016 mit dem Paderborner Bürgerpreis ausgezeichnet wurde.

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