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Do., 18.05.2017

Nur fünf Stimmen dafür: Paderborner Politik sollte Fußballdrittligist finanziell unterstützen Rat lehnt Stundungen ab – SCP-Fans demonstrieren vor dem Rathaus

Die SCP-Fans machen sich vor dem Rathaus lautstark bemerkbar.

Die SCP-Fans machen sich vor dem Rathaus lautstark bemerkbar. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB/itz/jhan/LaRo). Im Paderborner Rathaus ist die Debatte über Fußballdrittligist SC Paderborn zu Ende gegangen: Mit großer Mehrheit werden zwei Stundungen abgelehnt. 100 Fans des SCP demonstrierten lautstark vor dem Rathaus.

Sie forderten die Ratspolitiker auf, den verschuldeten Verein finanziell zu unterstützen.

Von etwa 17 Uhr an fanden sich die ersten Fans vor dem Rathaus ein. Gegen 18 Uhr waren etwa 50 Fußball-Anhänger dort, während im Rathaus die Tagesordnung abgearbeitet wird.

Hornberger: »Jetzt ist die Politik am Zug«

Mitten unter den Fans war auch SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger. Er verzichtetedarauf, ins Rathaus zu gehen. »Ich bleibe bei den Fans. Wir haben unsere Arbeit im Vorfeld erledigt. Jetzt ist die Politik am Zug.« An der Debatte werde ich nicht beiwohnen. Das habe ich auch beim Stadionbau so gehalten.«

SCP-Fans und ein Polizeiaufgebot vor dem Paderborner Rathaus. Foto: Jörn Hannemann

Die Polizei war mit einer Einsatzhundertschaft und knapp einem Dutzend Fahrzeugen vor Ort.

Die Debatte

Bürgermeister Michael Dreier erläutert, dass dem Verein nur dann die Stundungen gewährt werden können, wenn der SCP seine Lizenz für die dritte Liga behält.

»Sponsoring ist keine Sache der öffentlichen Haushalte«, betont Dr. Schröder von den Grünen. Es gehe es um Stundungen, trotzdem dürfe es kein Sponsoring werden. Es müsse deutlich werden, wie es finanziell wieder bergauf gehen soll. Das gäben die Erläuterungen des Vereins nicht her. »Auf der Basis dieser Zahlen kann es keine Stundung geben«, betont Schröder.

Franz-Josef Henze (SPD) bedauert, dass diese Debatte vor dem entscheidenden Spieltag am Samstag stattfindet. Die Stadt habe weder die sportliche noch wirtschaftliche Misere zu verantworten. Einer finanziellen Beteiligung am Profifußball seien enge Grenzen gesetzt, sagt Henze.

Laute Fans

Die Redebeiträge und Beifall der Kundgebung vor dem Rathaus sind im Gebäude zu hören. Sprechchöre der Fans: Henze ist kaum noch zu verstehen. Der Fraktionschef der SPD wirft dem Präsidium vor, nicht rechtzeitig gegengesteuert zu haben.

Reinhard Borgmeier (DIP) teilt die Kritik, sieht aber die Stundung anders als die Vorredner. Das Geld werde den Verein nicht retten. »Wir reden heute über relatives Kleingeld.« Wenn der Rat die Stundung nicht übernehme, wäre es ein schlechtes Signal für den Verein. Eine Stundung sei schließlich auch kein kompletter Verzicht, sondern ein Aufschieben.«

Vom Rathaus auf die Fans geblickt. Foto: Ingo Schmitz

Die Fans skandieren: »Aufmachen! Aufmachen!«

Markus Mertens von der CDU hat das Wort. Er kritisiert die Kommunikation mit dem SCP. Es gehe heute aber nicht darum, einen Schuldigen zu finden. Die CDU betont, dass das Defizit im Theater nicht mit dem Fußball zu vergleichen sei. Die CDU werde eine Stundung nicht mitmachen, betonte Mertens.

Damit steht schon vor der Abstimmung fest: Der SCP bekommt von der Stadt keinen Cent.

Bürgermeister erläutert, nun Sitzungsunterbrechung

Und draußen pfeifen die Fans. Inzwischen sind es etwa 100. Im Rathaus spricht Bürgermeister Dreier. Er erläutert, dass die Stadt lediglich die Stundungen in Höhe von 180.000 Euro für maximal ein Jahr für möglich hält. Gekoppelt aber an den Liga-Erhalt. Darüber soll der Rat nun abstimmen. Eine Sitzungsunterbrechung von fünf Minuten steht nun an. Die SPD-Fraktion hatte darum gebeten.

Rat lehnt Stundungen ab

Die Beratungspause ist vorbei. Dreier spricht. Er erinnert daran, wie massiv die Stadt dem Verein in der Vergangenheit unter die Arme gegriffen hat. Millionenbeträge werden genannt. »Ich darf daran erinnern, dass wir seit Monaten darüber gesprochen haben, wie dem Verein geholfen werden kann. Nach allen Abwägungen empfehle ich Ihnen, die beiden Stundungen abzulehnen.«

Die Abstimmung ist gelaufen: Es sind nur fünf Stimmen aus dem Rat, die zu der Stundung bereit gewesen wären. Dies waren die Vertreter der DIP sowie der Ex-CDU-Ratsherr Stephan Hoppe.

CDU-Fraktionschef Mertens erläuterte dann vor dem Rathaus Hornberger inmitten der Fans die Entscheidung.

Kurz vor 20 Uhr endete der öffentliche Teil der Ratssitzung. Die Versammlung der SCP-Anhäger hatte sich vorher allmählich aufgelöst.

Dreiers Vorschlag

Bürgermeister Michael Dreier hatte für die Ratssitzung am Donnerstag, 18. Mai, eine Stundung von insgesamt jährlich 188.000 Euro für ein Stadionbau-Darlehn und Pachtzins für zwei Profifußballfelder im neuen Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum ins Gespräch gebracht. Diese Stunden sollten allerdings erstmals nur gewährt werden, wenn der SC Paderborn den Abstieg aus der dritten Liga verhindert. Das entscheidet sich am Samstag, 20. Mai, am letzten Spieltag dieser Saison.

Kommentare

Jammer

Sehr geehrte Christine,
es ist ein Jammer, dass Sie nach weiteren Steuergeldern betteln. Es ist eine Schande, für die Ablehnung die Personen hier zu diskreditieren, die im Sinne der Stadt Paderborn und deren Bürger handeln müssen. Mehr als 10 Mio Euro hat die Stadt aus Steuergeldern ihrer Bürger in den SCP gepumpt. Wo ist denn all das Geld geblieben? Die von Ihnen genannten Steuermillionen sind eine ziemliche Luftnummer. Der Hauptanteil am Steueraufkommen eines Fußballclubs besteht sicherlich aus Lohnsteuerbeträgen für die exorbitanten Gehälter der Profisportler. Diese Steuersummen fließen aber nicht an die Stadt. Hier kann lediglich Gewerbesteuer eingerechnet werden und da sind wir mit Sicherheit nur im 6-stelligen Bereich. Erst denken und informieren lohnt sich immer.

@Undertaker

Vielleicht waren auch unter anderem deshalb nur so wenige da, weil die Mehrzahl wohl genau weiß, daß ein solcher Protest an anderer Stelle gegen andere Leute zu richten gewesen wäre.
Die uneinsichtigen Leute nämlich, die teilweise durch Mißwirtschaft, durch dumme Entlassungen oder Suspendierungen und noch dümmeren Ersatz für die Verjagten den Verein Stück für Stück ruiniert haben.
Oder zum Beispiel einen Aufsichtsrat, der seine Aufgabe entweder nicht verstanden oder aus anderen Gründen zu keinem Zeitpunkt in den letzten Jahren ernst- oder gar wahrgenommen hat.
Es hilft zwar nicht, diese Vorgänge immer wieder vorzutragen, aber sie zu vergessen und so zu tun, als sei der Verein wegen äußerer Umstände in diese Not geraten und Almosen von außerhalb einzufordern wäre nun angemessen - während offensichtlich intern die bisherige Professionalität weiterhin ihr Unwesen treiben darf - ist eine ungeheuerliche Dreistigkeit vor allem seitens dieses Hornbergers.
Unabhängig davon, ob die geforderte Stundung beispielsweise sinnvoll gewesen wäre, in der Pflicht, die Suppe auszulöffeln, sind eindeutig andere...

Nur ca.100 Fans

Da sieht man wieder das dass Interesse an dem Verein nicht so groß ist,wenn nur ca.100 Fans zur Demo kommen. Dann waren ja nur im Schnitt 2,5 Fans pro Fanclub da. Als damals Duisburg ne Demo machte,gegen den Lizens Entzug,waren 20000 auf den Beinen. Kein Wunder das die Sponsoren nicht soviel springen lassen

Die Stadt handelt richtig - obwohl schmerzhaft!

Die Stadt handelt richtig! Die Misswirtschaft, die sich leider auch in der sportlichen Verfassung niederschlägt, kann und darf nicht auf Steuerzahlerkosten aufgefangen werden. Jedenfalls nicht noch weiter! Millionen sind schon in den Verein geflossen. In einen Verein, der aus diesen wirklich nicht geringen Zuwendungen, keinen Wertentwicklung herstellen konnte.
Und, liebe Christine, die Bilanz sieht nicht so aus, wie Sie das darstellen. Die angeblichen Millioneneinnahmen auf Steuerseite sind wohl kaum nachvollziehbar. Jedenfalls hat der Stadtsäckel keine andere Füllhöhe erreicht. Die Stadt hat ihre finanzielle Mühe und Not. Die abgeflossenen Millionen für den SCP hingegen sind verbürgt. Sie stehen auch immer noch in keinem Verhältnis zu den Zuwendungen.

Wie kann die Zukunft bei einem Klassenerhalt eigentlich aussehen?
Die Fans und Mitglieder sind gefordert! Wenn jedes Mitglied verpflichtet wird eine Dauerkarte für sich und ein Familienmitglied, Freund sagen wir für durchschnittlich 300 € zu kaufen verpflichtet werden würde, wäre das nötige Geld sofort im Kasten und das Stadtion für das nächste Jahr voll. Das würde wohl auch die Sponsoren und neue, nötige und gute, alte Spieler beeindrucken... Für mich der einzige Ausweg...

Hätte man das Geld, was Herr Effenberg gekostet hat noch auf dem Konto, wäre dieses Thema überfällig!

Eine Schande!

Das ist eine Schande, die unter einem Bürgermeister Paus so nie stattgefunden hätte, angefangen bei der Ansetzung der Sitzung. Herr Dreier redet von Millionenzuwendungen durch die Stadt, vergisst dabei aber die Millionen Steuereinnahmen durch den Verein.
Dieser Bürgermeister ist für mich als CDU-Anhängerin unwählbar geworden.
Ich hoffe sehr, dass der Verein sich sportlich und finanziell rettet. Bei einem in näherer Zukunft stattfinden Aufstieg in die nächsthöhere Liga plädiere ich für eine Aufstiegsfeier vor dem Stadion oder auf der Paderkampfbahn, aber bitte nie mehr vor dem Rathaus!

Nur der SCP!

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