Sa., 03.02.2018

Flughafen Paderborn hat mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen Geschäftsführer: »Wir locken Airlines nicht mit Geld«

Rund 740.000 Fluggäste haben im vergangenen Jahr die Terminals des Airports Paderborn-Lippstadt betreten. Geschäftsführer Marc Cezanne ist überzeugt, dass es 100.000 Passagiere mehr hätten sein können – ohne Türkeikrise und Air-Berlin-Pleite.

Rund 740.000 Fluggäste haben im vergangenen Jahr die Terminals des Airports Paderborn-Lippstadt betreten. Geschäftsführer Marc Cezanne ist überzeugt, dass es 100.000 Passagiere mehr hätten sein können – ohne Türkeikrise und Air-Berlin-Pleite. Foto: Jörn Hannemann

Von Per Lütje

Paderborn (WB). Der Flughafen Paderborn-Lippstadt könnte sich jährlich auf 1,2 Millionen Passagiere steigern. »Locker sogar«, sagt Airport-Geschäftsführer Dr. Marc Cezanne. Die Sache hätte allerdings einen Haken. Um wieder in diese Dimensionen vorzustoßen, müssten die Gesellschafter zehn Millionen Euro in die Hand nehmen.

Cezanne sprach vor den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses des Kreises Paderborn, der Donnerstagabend im Airportforum tagte, Tacheles. Zwar hatte der Flughafen im abgelaufenen Jahr mit 740.000 Fluggästen erstmals wieder zugelegt (+5,1 Prozent), doch hätten äußere Umstände ein deutlich besseres Ergebnis verhindert. Als die gravierendsten Faktoren nannte Cezanne das immer noch schleppende Türkeigeschäft und die Air-Berlin-Pleite, wodurch vor allem zahlreiche Mallorcaflüge weggefallen seien. »Ohne diese Einflüsse hätten wir 100.000 Fluggäste mehr gehabt«, sagte der Airport-Geschäftsführer.

Air-Berlin-Pleite auch in Paderborn schmerzlich zu spüren

Flüge von Paderborn nach Palma de Mallorca seien für den Flughafen die wirtschaftlich wichtigste Verbindung, betonte Marc Cezanne. Durch die Pleite von Air Berlin seien die wöchentlichen Abflüge auf die Baleareninsel auf 15 gesunken. »Dabei bräuchten wir 25 bis 30«, sagte Cezanne, der seit vier Jahren die Geschicke am Airport Paderborn-Lippstadt leitet. Durch den Zuschlag von Teilen der Air Berlin an Niki hoffe er nun, dass die Airline zum Sommer 2018 auch von Büren-Ahden aus Mallorca anfliegen wird.

Auf die kritische Frage eines Ausschussmitgliedes, warum der Flughafen Münster-Osnabrück mit zweistelligen Zuwachsraten aufwarten könne, Paderborn-Lippstadt aber nur mit fünf Prozent, antwortete Cezanne: »Weil die Germania dort eine zusätzliche Maschine stationiert hat. Und das bedeutet rund 200.000 Passagiere mehr«. Solche so genannten »Low Cost Carrier« – im allgemeinen Sprachgebrauch auch Billigflieger genannt – gingen dorthin, wo sie entweder keine Konkurrenz zu fürchten hätten oder Geld bekämen. »Und beides findet diese Fluggesellschaft bei uns nicht vor«, sagte Cezanne.

Ungleicher Wettbewerb

Zwar könne man sich auch in Paderborn nicht dem Wettbewerb verschließen und führe auch mit Germania Gespräche, doch halte man auch weiterhin am Credo fest, Airlines nicht über Geld nach Paderborn zu locken. »Lassen Sie uns zehn Millionen Euro Verlust machen, und wir hätten im Jahr wieder locker 1,2 Millionen Passagiere«, führte Cezanne den Ausschussmitgliedern vor Augen, dass man sich einen solchen Aufschwung teuer erkaufen müsste.

In diesem Zusammenhang geißelte der Airport-Geschäftsführer einmal mehr den ungleichen Wettbewerb, da etwa Flughäfen wie Dortmund oder auch Kassel-Calden subventioniert würden und auf diese Weise hohe Millionendefizite ausgeglichen würden. So schreibe Calden bei gerade einmal 60.000 Fluggästen im Jahr ein bereinigtes Defizit von etwa 20 Millionen Euro. »Da könnte man auch jedem Passagier 200 Euro in die Hand drücken, verbunden mit der Bitte: Flieg nicht von hier«, verdeutlichte Marc Cezanne die Situation im benachbarten Hessen. Zwar habe die EU beschlossen, dass Quersubventionierungen von Flughäfen von 2024 an auslaufen müssen, doch glaubt Cezanne nicht daran, dass dies tatsächlich umgesetzt wird: »Denn dann müssten fast alle Flughäfen in Italien dicht machen.«

Immer mehr Herausforderungen

Zwar schrieb auch der Airport Paderborn-Lippstadt zuletzt einen jährlichen Verlust von rund zwei Millionen Euro, doch arbeite dieser im operativen Geschäft ohne Abschreibungen als einer der wenigen Airports in Deutschland profitabel.

Der Geschäftsführer des Airport Paderborn-Lippstadt gab keine konkrete Prognose für das Jahr 2018. »Die Herausforderungen werden nicht weniger. Sie werden eigentlich immer mehr, weil viele Faktoren nicht vorhersehbar sind«, sagte Cezanne und nannte als Beispiel die Entwicklung in der Türkei. Eine große Unbekannte sei zudem die Destination Mallorca. »Wichtig ist für uns, dass Flugzeuge zur Verfügung stehen. Und durch den Verkauf zahlreicher Air-Berlin-Maschinen an Lufthansa sind viele dieser Flugzeuge dem touristischen Markt entzogen worden«, sagte er.

Kommentar zur Situation am Flughafen Paderborn-Lippstadt

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