Mi., 14.02.2018

Fusionierter Konzern setzt Sparprogramm auch in Paderborn fort Diebold Nixdorf schreibt tiefrote Zahlen

Blick in die Geldautomatenfertigung von Diebold Nixdorf in Paderborn. Das Werk ist das wichtigste im Konzernverbund. Die weltweite Produktionskapazität wurde deutlich reduziert.

Blick in die Geldautomatenfertigung von Diebold Nixdorf in Paderborn. Das Werk ist das wichtigste im Konzernverbund. Die weltweite Produktionskapazität wurde deutlich reduziert. Foto: dpa

Von Oliver Horst

Paderborn (WB). Weniger Umsatz, höherer Verlust: Für den amerikanisch-deutschen Zahlungssystemhersteller Diebold Nixdorf mit Europa-Zentrale in Paderborn ist das Jahr 2017 schlecht gelaufen. Unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von 233 Millionen Dollar (188,7 Millionen Euro), teilte der Konzern am Dienstag mit. Die US-Steuerreform schlug mit 95 Millionen Dollar zu Buche.

Während die Diebold Nixdorf AG (früher Wincor Nixdorf) als deutscher Arm des Mitte 2016 fusionierten Konzerns trotz Rückgängen weiter satte Gewinne schreibt, schwächelt die US-Mutter. Sie ist besonders stark vom kriselnden Geschäft mit Geldautomaten betroffen. Viele Banken stehen unter Sparzwang, befinden sich im digitalen Wandel.

Vor diesem Hintergrund ist der Umsatzrückgang zum Vorjahr um rund 350 Millionen oder acht Prozent auf 4,61 Milliarden Dollar (3,73 Milliarden Euro) zu sehen. Ursprünglich hatte der Konzern fünf Milliarden Dollar (4,05 Milliarden Euro) erlösen wollen. Der Nettoverlust sollte sich auf 40 bis 60 nach zuvor 33 Millionen belaufen. Die Prognose wurde im Jahresverlauf zwei Mal revidiert.

Wegen der schwachen Entwicklung musste Vorstandschef Andy W. Mattes Mitte Dezember gehen. Seither führen der US-Finanzchef Christopher Chapman und Jürgen Wunram, Vorstandschef der Diebold Nixdorf AG, den Konzern interimistisch gemeinsam. Die Suche nach einem Nachfolger läuft mit Hilfe eines Personalberaters auf Hochtouren.

Schwierige Lage im Bankensektor

Der Konzern hat auf die schwierige Lage im Bankensektor reagiert: Die weltweite Fertigungskapazität wurde laut Wunram von 180.000 auf 100.000 Geldautomaten pro Jahr reduziert. Dies geschah unter anderem durch Schließung des Werks in Ungarn. Um flexibel auf die schwankende Nachfrage reagieren zu können, setze der Konzern insbesondere auch am wichtigsten Produktionsstandort Paderborn auf Zeitarbeit.

Das Integrations- und Sparprogramm »DN 2020« solle weiter beschleunigt werden. Es sieht auch durch den Abbau weiterer 1000 der weltweit 23.000 Jobs Einsparungen von jährlich 250 Millionen Dollar gegenüber der Zeit vor der Fusion vor. 2017 seien davon rund 100 Millionen realisiert worden, im laufenden Jahr sollen mindestens weitere 50 Millionen hinzukommen. Dazu seien auch mit fast allen Zulieferern die Verträge neu ausgehandelt worden. In Deutschland sollen 400 der 3550 Stellen bis 2020 wegfallen, darunter 200 von 1700 Jobs in Paderborn.

Zuwächse bei Service und Software

Positiv entwickelte sich indes das von der AG verantwortete Geschäft mit Zahlungssystemen für den Einzelhandel. Im vierten Quartal sei der Umsatz um sechs Prozent, der Auftragseingang um 20 Prozent gestiegen. Zuwächse gab es von Oktober bis Dezember auch in den Sparten Service und Software. Vor allem die neue Plattform »Vynamic« als Lösung für Kundenservice auf mobilen, stationären und Onlinegeräten gilt als Hoffnungsträger.

Für das laufende Jahr erwartet Diebold Nixdorf einen Umsatz von 4,5 bis 4,7 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust soll auf 32 bis 53 Millionen Dollar sinken. Die Aktie des US-Konzerns verlor am Dienstag in der Spitze zehn Prozent an Wert und fiel auf ein 15-Jahres-Tief.

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