Mi., 14.02.2018

WESTFALEN-BLATT-Serie zum Abschied der Streitkräfte: Alan Patterson im Gespräch Bye-bye, Paderborn!

Überall auf der Welt, wo es Krisen gab, war Alan Patterson vor Ort. Dabei war er stets Zivilist. Seit 2014 ist er Verbindungsoffizier in Paderborn. Er lobt die Zusammenarbeit. Als Vorbereitung auf den Abschied gibt es am 29. Juni eine Parade.

Überall auf der Welt, wo es Krisen gab, war Alan Patterson vor Ort. Dabei war er stets Zivilist. Seit 2014 ist er Verbindungsoffizier in Paderborn. Er lobt die Zusammenarbeit. Als Vorbereitung auf den Abschied gibt es am 29. Juni eine Parade. Foto: Besim Mazhiqi

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Der Abschied naht. Im Sommer 2019 werden die letzten britischen Soldaten Paderborn verlassen. Welche Auswirkungen hat das auf die Briten und auf die zivilen Angestellten? Wer bleibt hier? Wer muss gehen? Wie sieht es mit den Jobs aus? Das WESTFALEN-BLATT wird in lockerer Folge über die Menschen berichten, die vom Abzug betroffen sind.

Bei fast keinem offiziellen Anlass darf Alan Patterson fehlen. Als Verbindungsoffizier ist der 59-Jährige im wahrsten Sinne des Wortes das Bindeglied zwischen den britischen Streitkräften in Paderborn und der Stadt. Das Überraschende dabei: Alan Patterson ist Zivilist. »Ich bin nie Berufssoldat gewesen«, verrät er. Und trotzdem hat er Einsätze in vielen Krisengebieten erlebt.

In seiner Wohnung in Paderborn ist wenig Militärisches zu sehen. Ein paar Fotos von seiner Familie, das war’s. Auch sein Büro in der Normandie-Kaserne in Sennelager ist schlicht gehalten. Nicht bei Tee, sondern bei Kaffee und Wasser erzählt er aus seinem bewegten Leben. In Nordirland aufgewachsen, zog es Alan Patterson zunächst zur Polizei, bevor er sich umorientierte: Er wurde Journalist und arbeitete für eine Lokalzeitung. Dann wechselte er ins Pressebüro der britischen Armee. »Ich gehörte einem mobilen Nachrichtenteam an und begleitete die Soldaten zu Übungen.«

Briten in Paderborn

Aktuell befinden sich in Paderborn noch rund 2500 Soldaten. Diese Anzahl ändert sich tagtäglich, weil ständig Soldaten aus Paderborn versetzt werden und neue ankommen. Die Standorte im Stadtgebiet weisen folgende Bestände auf: Die Athlone Kaserne hat etwa 500, die Dempsey Kaserne knapp 300. Die Barker Kaserne ist weiterhin der größte Standort mit 1600 Soldaten. In der Normandy Kaserne sind noch 210 untergebracht. Das Pionier-Regiment der Barker Barracks wird zum Sommer 2018 abgezogen. Die restlichen Soldaten folgen im Sommer 2019.

Dramatische Erlebnisse

Nach einigen beruflichen Reisen zog es ihn als Presseoffizier nach London ins Verteidigungsministerium und dann weiter nach Berlin. Dort erlebte er den Mauerfall hautnah mit. »Weil uns die ostdeutsche Polizei beim Grenzübergang nicht kontrollieren durfte, machten das russische Soldaten. Es herrschte Chaos. Ich habe erlebt, wie Straßen zwischen Ost und West geöffnet wurden. Das war aufregend. Wir Briten durften mit Hubschraubern über der Stadt fliegen. Wir haben dabei auch Journalisten mitgenommen. Das war ein großes Erlebnis.«

Dramatische Erlebnisse hatte er in Krisengebieten: Im ersten Golfkrieg leitete er die Pressestelle im britischen Hauptquartier in Kuwait. »Wir saßen in einem zerbombten Hotel«, berichtet er. Nach Kuwait kam Bosnien. Er verlor Kameraden im Einsatz und half der Bevölkerung in den zerstörten Dörfern, die so viel gelitten hatte.

»Ich war jung, ich fand es interessant, dabei zu sein. Und als es im Kosovo brannte, war ich wieder dabei«, erzählt Patterson. Unvergesslich sind für ihn die brennenden Ölfelder im Irak:. »Da war überall schwarzer Rauch, es war ein Bild der Hölle.«

Große Parade in Paderborn

Dass seine Ehe zerbrach, scheint angesichts der Vielzahl an Einsätzen nicht verwunderlich. Doch als er 2001 wieder nach Deutschland kam, wurde er Verbindungsoffizier und lernte eine deutsche Frau kennen – 2006 war er in Mönchengladbach, danach in Herford und seit 2014 in Paderborn tätig.

»Dass es nun dem Ende zugeht, bedauere ich sehr«, stellt Patterson fest. Es sei ein Privileg, dass die Briten hier in Paderborn so akzeptiert seien. »Wir sind immer willkommen, vor allem bei den Schützen. Wir kommen sehr gern«, sagt der gebürtige Nordire, der Vorstandsmitglied des Anglo-German-Clubs ist. Er habe sich immer in Deutschland wohl gefühlt, und auch die Arbeit habe ihm viel Freude bereitet. Dadurch habe er auch Mitglieder des britischen Königshauses kennen gelernt. Für ihn persönlich ist klar: Er möchte hier bleiben und am liebsten noch ein paar Jahre arbeiten. Doch mit 60 Jahren darf er auch in Pension gehen.

Bevor die Briten im Sommer 2019 endgültig »Bye-bye« sagen, werden sie sich schon in wenigen Monaten mit einer großen Parade in Paderborn zeigen. Am 29. Juni wird die Präsentation mit mehr als 1000 Soldaten und Musikern vor dem Dom stattfinden, kündigt Patterson an. Die Gespräche laufen, Gastgeber wird Bürgermeister Michael Dreier sein.

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