Di., 13.03.2018

Arbeitsplatz für Flüchtlinge – Vorbereitungen für ein Museum Mühle soll Café werden

Im oberen Teil der Mühle stehen die Maschinen, die für das Museum saniert werden. Hinzu kommen digitale Erlebniswelten.

Im oberen Teil der Mühle stehen die Maschinen, die für das Museum saniert werden. Hinzu kommen digitale Erlebniswelten.

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Die Biohaus-Stiftung möchte die Stümpelsche Mühle noch in diesem Jahr zu einem Museum und Integrations-Treffpunkt umbauen. Es soll ein Café entstehen, in dem Flüchtlinge arbeiten und sich treffen können. In den oberen Etagen wird ein Mühlenmuseum realisiert. Für das Café hofft die Stiftung auf eine 50.000 Euro-Förderung durch die Stadt Paderborn. Ob die Politik das bewilligt, entscheidet sich am Donnerstag.

Schon in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses hatten sich die Fraktionen mit der Frage beschäftigt, ob dem beantragten Zuschuss der Biohaus-Stiftung zugestimmt werden kann. Der Beigeordnete Wolfgang Walter meldete Bedenken an. Ein »Zuschuss für einen Gewerbebetrieb wäre ein Novum«, meinte Walter. Schließlich stünde das Café in dem mehr als 200 Jahre alten Gebäude an der Pader im Wettbewerb mit anderen Gastronomieanbietern.

Das sieht Willi Ernst von der Biohaus-Stiftung anders. Das Café, das in den beiden unteren Etagen mit Blick auf die Pader eingerichtet werden soll, verfolge einen sozialen Zweck. Hier sollen Flüchtlinge die Möglichkeit bekommen, Praktika oder Ausbildungen zu absolvieren sowie Arbeitsplätze zu erhalten. Institutionen wie Kreishandwerkerschaft, Caritas, AWO, Invia und Mikado würden das Vorhaben begrüßen und unterstützen wollen, berichtet Willi Ernst. Es gehe um niederschwellige Angebote: Die Kreishandwerkerschaft habe signalisiert, in dem Café regelmäßige Beratungen anbieten zu wollen, berichtet der Initiator weiter. Es gehe darum, Flüchtlingen Perspektiven und Möglichkeiten aufzuzeigen.

Anders die Meinung bei der Verwaltung: Laut dem Beigeordneten Walter sei die Arbeitsagentur für die Arbeitsvermittlung von Flüchtlingen zuständig – und nicht die Stadt.

Doch die Intention von Willi Ernst geht weiter: Der Stiftung sei es wichtig, den erwachsenen Flüchtlingen eine Anlaufstelle zu bieten. Gleichzeitig soll das einzigartige Ambiente der Mühle die Paderborner und Gäste von außerhalb anlocken. Das Café werde eine Bereicherung für das »millionenschwer aufgewertete Paderquellgebiet«, meint Ernst.

Eine internationale Küche und Abendveranstaltungen hat der Initiator ebenfalls auf seinem Zettel – alles Beiträge zur Integration, meint er. Gleichzeitig will die Biohaus-Stiftung ihren Traum vom Mühlenmuseum in den oberen drei Etagen realisieren. Die NRW-Stiftung entscheide im April über den beantragten Zuschuss in Höhe von 125.000 Euro, sagt Ernst.

Ob sich die Politik davon überzeugen lässt? »Sollte es keinen Zuschuss geben, werden wir das Café trotzdem einrichten – allerdings ohne den Integrations-Aspekt«, sagt Ernst.

Kommentar von Ingo Schmitz:

Es ist ein ambitioniertes Vorhaben, das sich Willi Ernst vorgenommen hat – in mehrfacher Hinsicht. Allein die Investitionen für das Café werden auf 250.000 Euro geschätzt. Bausubstanz und Statik sind die Hauptprobleme. Auch die Integration ist eine große Herausforderung. Auch mit starken Partnern wird das kein Selbstläufer. Hinzu kommt das Museum, das zeitgleich fertig gestellt werden soll. Wohlgemerkt bis Herbst 2018! Die Stiftung hat sich viel vorgenommen. Die Ideen sind aber zu gut, als dass die Politik sie leichtfertig vom Tisch wischen sollte.   

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