Mo., 14.05.2018

Dienste und Einrichtungen demonstrierten am Samstag Pflege sucht Anerkennung

Sie warben für mehr gesellschaftliche Anerkennung der Pflegearbeit: (von links) Landrat Manfred Müller, Altenpflegerin Michaela Lindner, Krankenpflegeschülerin Kim Pechalla, Altenpfleger Christian Duczek, Tagespflege-Gast Josefine Ernstberger, Krankenpfleger Oliver Schneider, Altenpflegeschülerin Janine Klöpping, stellv. Bürgermeister Dietrich Honervogt, Moderatorin Antje Huißmann und Rapper Ferdi Cebi auf der Bühne am Rathaus. Dort hatte am Samstagmittag eine Kundgebung stattgefunden.

Sie warben für mehr gesellschaftliche Anerkennung der Pflegearbeit: (von links) Landrat Manfred Müller, Altenpflegerin Michaela Lindner, Krankenpflegeschülerin Kim Pechalla, Altenpfleger Christian Duczek, Tagespflege-Gast Josefine Ernstberger, Krankenpfleger Oliver Schneider, Altenpflegeschülerin Janine Klöpping, stellv. Bürgermeister Dietrich Honervogt, Moderatorin Antje Huißmann und Rapper Ferdi Cebi auf der Bühne am Rathaus. Dort hatte am Samstagmittag eine Kundgebung stattgefunden. Foto: Andrea Pistorius

Von Andrea Pistorius

Paderborn (WB). Pflegekräfte aus Krankenhäusern und Altenheimen haben am Samstag in Paderborn für mehr gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit demonstriert. Die Polizei zählte 200 Teilnehmer bei der Kundgebung vorm Rathaus. An einem Autokorso waren 53 Fahrzeuge von Pflegediensten beteiligt.

»Ich verstehe mich nicht als Handlanger der Ärzte, sondern als deren Partner in der Krankenhausarbeit«, sagte Oliver Schneider, einer der Redner aus der Berufspraxis. Im St. Johannisstift, in dem der 41-Jährige als Krankenpfleger beschäftigt ist, habe er nur diese Kollegialität kennengelernt. Doch die Vorstellung der Gesellschaft von seiner Berufstätigkeit sei oft eine andere, und das sei wohl mit einer der Gründe, weshalb es zu wenig Personal in den Krankenhäusern gebe. »Dabei ist mein Beruf abwechslungsreich, ich bekomme Anerkennung und die Chance, Verantwortung zu übernehmen«, sagte Schneider.

Ähnlich äußerte sich Christian Duczek, stellvertretender Pflegedienstleiter im von-Galen-Haus in Delbrück, einem Altenzentrum der Caritas. »Als ich die Ausbildung zum Altenpfleger gemacht habe, musste ich mir von Freunden anhören: Ach, du willst also den ganzen Tag lang nur Hintern abwischen«, sagte der 31-Jährige bei der Kundgebung. »Mich erschreckt heute noch diese völlig falsche Einschätzung meiner Berufstätigkeit.« Auch Duczek beschrieb seine Aufgaben als vielseitig, verantwortungsvoll und befriedigend.

Bei ihrer öffentlichen Veranstaltung ging es den Organisatoren in erster Linie um die allgemeine Anerkennung der Pflegearbeit und erst danach um andere aktuell diskutierte Themen wie fehlende Pflegeplätze und Personalmangel. Zur Demonstration am Internationalen Tag der Pflege hatten die Caritas Paderborn und Büren, die Diakonie St. Johannisstift und die Arbeiterwohlfahrt aufgerufen.

Angemessenes Gehalt

Landrat Manfred Müller und der stellvertretende Paderborner Bürgermeister Dietrich Honervogt bekundeten ihre Sympathie für die Anliegen der Pflegekräfte. »Wir sind auf Ihrer Seite«, versicherte Honervogt. Seiner Ansicht nach habe Wertschätzung auch etwas mit dem Preis für eine Dienstleistung zu tun. Deshalb forderte er, Pflegekräften ein ihren Aufgaben angemessenes, also besseres Gehalt zu zahlen. Müller sagte einfach danke »für die ständige Einsatzbereitschaft«.

Die Kabarettistin Antje Huißmann moderierte die Kundgebung. Rapper Ferdi Cebi, der außerhalb der Bühne als Altenpfleger im St. Johannisstift arbeitet, würdigte in einem Song das Engagement seiner Kollegen: »Wenn Du’s mit dem Herzen tust, dann liebst Du Deinen Beruf.«

Heimlicher Star der Veranstaltung war die 96-jährige Josefine Ernstberger, die vier Mal in der Woche das St. Kilian-Tagespflegehaus der Caritas besucht. »Die Pflege ist erstklassig«, lobte sie die Einrichtung und ihre Betreuer. »Wir spielen Doppelkopf, auch mal Theater und machen jeden Tag Sport.«

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