Mo., 14.05.2018

Unternehmer aus Altenbeken muss für mehr als fünf Jahre in Haft Stiefsohn jahrelang missbraucht

Landgericht Paderborn.

Landgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Von Ulrich Pfaff

Altenbeken/Paderborn (WB). Es muss ein Martyrium gewesen sein, was ein heute 18-Jähriger seit seiner Kindheit erlebte: Sein Stiefvater missbrauchte ihn zehn Jahre lang. Für die massiven Übergriffe wurde der 53-Jährige aus Altenbeken am Montag vom Landgericht Paderborn zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

566 Fälle seit 2006

Der sexuelle Missbrauch summierte sich schlussendlich auf 566 Fälle, wie die große Jugendkammer des Landgerichts urteilte. Der 53-Jährige werde sich in der Gefängnis-Hierarchie am untersten Platz befinden, sagte sein Verteidiger Dieter Cramer.

In der Familien-Hierarchie ganz unten befand sind der jetzt 18-Jährige: Der Angeklagte hatte den leiblichen Sohn seiner Frau nach der Eheschließung adoptiert. 2006 begann er, diesen zur Befriedigung seiner sexuellen Gelüste zu benutzen. Zehn Jahre musste der Junge die Taten über sich ergehen lassen. Er leidet heute an einer Posttraumatischen Belastungsstörung mit etlichen Begleiterscheinungen. Eine Aussage vor Gericht ersparte ihm der Stiefvater durch ein Geständnis.

Viel mehr als die Taten laut Anklage zugeben mochte der 53-Jährige nicht. Dafür entschuldigte er sich bei dem jungen Mann, der als Nebenkläger im Saal saß. Er habe ihn als seinen Sohn in eine Situation gebracht, wie es ein Vater nie tun sollte. Einen vom Gericht festzustellenden Anspruch auf Schmerzensgeld werde er anerkennen.

Stiefvater soll Taten als Hobby begangen haben

Pädophil veranlagt zu sein, stritt er ab: Ihn reizten lediglich bestimmte äußere Merkmale junger Männer. Ein psychiatrischer Gutachter hingegen stellte eine »Teilpädophilie mit heterosexuellen Anteilen« fest: Der 53-Jährige habe homopädophile Taten quasi als Hobby begangen.

Auch kinderpornografisches Material im Besitz

Nach Überzeugung des Gerichts, das sich auf das Geständnis stützte, hatte der 53-Jährige das Kind ein bis zwei Mal pro Woche missbraucht, im eigenen Haus oder auf dem Firmengelände des Angeklagten. In das Strafmaß floss zudem der Besitz kinderpornografischen Materials ein. Das war nach einer Hausdurchsuchung im Winter 2017 auf dem PC des Angeklagten sichergestellt worden.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte wohl ein Familienstreit im Jahr zuvor, der hochgekocht war und in einer Anzeige gipfelte. Wie die Frau des Angeklagten schilderte, hatte sie lange zuvor von ihrem Sohn erfahren, dass er missbraucht worden sei: Ihr Mann habe versichert, es werde nicht wieder vorkommen, und sie sei so naiv gewesen, es zu glauben.

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