Do., 14.06.2018

OWL-Wirtschaft ab sofort im Handel: Fahrsicherheitstraining des ADAC in Paderborn als Gruppenerlebnis - mit Video Die Belegschaft tritt die Bremse

Beim Fahrsicherheitstraining vom ADAC verbessern die Teilnehmer ihr Können im Straßenverkehr.

Beim Fahrsicherheitstraining vom ADAC verbessern die Teilnehmer ihr Können im Straßenverkehr. Foto: Jörn Hannemann

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Weihnachtsfeier, Betriebsausflug, Live Escape-Game oder Action-Painting-Workshop – es gibt viele Möglichkeiten, Mitarbeiter zu belohnen oder auf unkonventionelle Art und Weise zu motivieren. Auch der ADAC tummelt sich im Bereich der Teambuildingmaßnahmen. Er bietet Firmen Fahrsicherheitstrainings als Gemeinschaftserlebnis an.

Der Wind pfeift über die Fläche, der Regen peitscht ins Gesicht. Doch den Teilnehmern des Kurses auf der ADAC-Trainingsanlage in Paderborn-Mönkeloh macht das nichts aus. Aufmerksam lauschen die überwiegend männlichen Fahrer den Erläuterungen des Trainers Guido Schmidt, von Haus aus Fahrlehrer. Er beschreibt die nächste Aufgabe.

Vollbremsung auf einer Gleitfläche

Gleich geht es mit dem Auto in die Vollen. Oder besser gesagt: mit 50 Stundenkilometer in die Vollbremsung. Der Haken: Das Ganze geschieht auf einer Gleitfläche.

Leichte Nervosität macht sich breit. Wie wird der Firmenbulli darauf reagieren?

OWL-Wirtschaft im Handel

Die 14. Ausgabe der OWL-Wirtschaft ist ab sofort für zwei Euro in allen Westfalen-Blatt-Geschäftsstellen sowie gut sortierten Zeitschriftenhandlungen erhältlich.

Schmiert er völlig ab? »Ich habe einen sehr kostbaren Aufbau«, bekommt Steve Nossek aus Bielefeld leichte Zweifel, ob die Aktion eine gute Idee ist. Er gehört zu einer Gruppe des Landesbetriebs Mess- und Eichwesen in Bielefeld, die an diesem Tag den Platz und einen Trainer gebucht hat.

Doch der Trainer nimmt die Sorgen: Er erklärt genau, wie gebremst, ausgewichen und das Fahrzeug aus der instabilen Situation abgefangen wird. Steve Nossek nickt, aber das unangenehme Gefühl bleibt ihm. Doch bei der Übung läuft alles wie aus dem Lehrbuch: Der Wagen steht sicher!

Und auch der Aufbau hat nichts abbekommen. Nossek ist zufrieden. Anders ein anderer Teilnehmer, der alles ganz lässig mit einer Hand regeln will. Bei der Vollbremsung gerät er ins Schwitzen. Der Trainer schmunzelt, ganz nach dem Motto: »Habe ich dir doch gleich gesagt...«

Autotür immer mit rechts öffnen – auf gutem Grund

3 Uhr – 9 Uhr: Auf diesen Positionen sollte das Lenkrad in den Händen liegen. Und: Beide Hände führen das Lenkrad. Den Tellerwäscher, der lässig mit einer Hand über das Steuerrad wischt, mag der Trainer nicht. Und noch einen Tipp hat dieser parat: Wer als Fahrer aus dem Wagen steigen will, sollte immer mit der rechten Hand den Türgriff öffnen. Warum? »Weil man dann automatisch über die Schulter schaut!« Wieder etwas gelernt.

Ladungssicherung hat in diesem Seminar oberste Priorität. »Ein Teilnehmer hatte mal einen Schiffsanker im Kofferraum, den er zum Verzinken bringen wollte. Was wäre wohl beim Unfall passiert?«, will der Trainer wissen. Im Kopfkino der Teilnehmer entstehen sofort Bilder von schlimmen Schäden und bösen Verletzungen...

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»45 Prozent unserer Kunden sind Betriebe, die ihre Mitarbeiter zur Schulung schicken.«

Michael Bartz

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»45 Prozent unserer Kunden sind Betriebe, die ihre Mitarbeiter zur Schulung schicken«, berichtet Michael Bartz, der die Fahrtrainingsanlage leitet. Ein Fahrsicherheitstraining habe mehrere positive Effekte. Zum einen gehe es darum, die Sicherheit der Mitarbeiter im Straßenverkehr zu erhöhen. Zum anderen könne man

Auf dem Rundparcours verbessern die Teilnehmer das Kurvenfahren. Foto: Jörn Hannemann

auf diese Weise Geld bei der Autoversicherung sparen. Nicht selten stärke ein solcher Lehrgang auch das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Das Schwierigste für die Teilnehmer ist erfahrungsgemäß das richtige Bremsen. Die wenigsten seien es gewohnt, mit voller Kraft aufs Bremspedal zu treten. Wer zaghaft bremst, verlängert den Weg. Das kann gefährlich enden. »Mehr Druck aufbauen!«, ruft Guido Schmidt den Teilnehmern zu. Beim dritten und vierten Versuch wird es immer besser. »Prima!«, ist der Fahrlehrer jetzt zufrieden.

Hindernisse simuliert durch eine Wasserwand

Nun geht es aufs Kreismodul. Hier müssen die Autofahrer einem imaginären Hindernis ausweichen – simuliert wird das durch eine Wasserwand. Die Übung fordert volle Konzentration.

Nach vier Stunden geht es wieder in den Schulungsraum. »Das Seminar war anstrengend, hat aber viel Spaß gemacht«, stellt Steve Nossek fest. 45.000 Kilometer fährt er jährlich – dienstlich und privat.

Auch sein Kollege Thomas Schmidt aus Bielefeld ist überzeugt: »Es ist interessant, an die Grenzen des Transporters zu gehen. Ich habe alleine 500 Kilo Prüfgewichte an Bord.« Das Ausweichen auf »Eis«, also der glatten Fläche, habe ihm gezeigt, wie un­terschiedlich Sommer- und Allwetterreifen bei den verschiedenen Bullis reagieren. »Das zeigt mal wieder, wie wichtig die Bereifung ist«, stellt er fest.

Auch die anderen Teilnehmer bestätigen: »Das hat mir viel gebracht.« Oder: »Jetzt weiß ich, dass ich trotz aller Elektronik im Auto vorsichtig sein sollte.« Oder auch: »Das ist Wahnsinn, wie lang der Bremsweg aus Tempo 50 ist.«

Für Trainer Guido Schmidt bleibt nur noch eins: Er verteilt die Urkunden und wünscht allen eine sorgenfreie Rückfahrt. Vielleicht sieht man sich ja in ein paar Jahren wieder. Empfehlenswert wäre dies zumindest, meint der Trainer.

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