Do., 14.06.2018

Figuren aus dem Paradiesportal des Paderborner Doms im Computertomografen - mit Video Heiligen aus Holz ins Herz geschaut

Dompropst Joachim Göbel (links) und Professor Wolfgang Krings beobachten, die die hölzernen Figur des Heiligen Liborius aus dem Paradiesportal durch den Computertomografen des St.-Vincenz-Krankenhauses geschoben wird.

Dompropst Joachim Göbel (links) und Professor Wolfgang Krings beobachten, die die hölzernen Figur des Heiligen Liborius aus dem Paradiesportal durch den Computertomografen des St.-Vincenz-Krankenhauses geschoben wird. Foto: Jörn Hannemann

Von Jürgen Vahle

Paderborn (WB). Solche Patienten haben die Radiologen des Paderborner St.-Vincenz-Krankenhauses selten: Mittwochnachmittag sind zwei Holzstatuen durch die Röhre des Computertomografen (CT) geschoben worden. Es waren nicht irgendwelche Figuren, sondern die hölzernen Darstellungen des Heiligen Liborius und des Heiligen Kilian aus dem Paradiesportal des Doms.

Holzskulpturen des Heiligen Liborius und Kilian

Im Zuge der Domrenovierung wird momentan auch das mittelalterliche Paradiesportal von Restauratoren untersucht. Es wird überprüft, ob das Ensemble die Jahrhunderte gut überstanden hat oder ob es stärker konserviert werden muss. Auch die hohlen Holzskulpturen des Hochstift-Heiligen Liborius und des Heiligen Kilian, die normalerweise die Türen des Doms zieren und gestern ins CT geschoben wurden, gehören dazu.

Streit der Wissenschaft beenden

Im Vorfeld der Ausstellung »Gotik – Der Paderborner Dom und die Baukultur des 13. Jahrhunderts in Europa« (Eröffnung am 21. September) waren die beiden Figuren im April 2017 von den Dom-Türen abgenommen und in die Restauratorenwerkstatt »ars colendi« gebracht worden. Dort werden sie derzeit nicht nur für die Ausstellung fit gemacht – es wird auch versucht, ihnen einige Geheimnisse zu entlocken. Die Experten suchen nach Spuren alter Bemalung und es soll herausgefunden werden, ob sie ähnlich alt sind wie ihre steinernen Kollegen im Paradiesportal. Damit könnte ein langer Streit zwischen Wissenschaftlern beigelegt werden. Experten debattieren schon seit Jahren darüber, ob die recht archaisch anmutenden Holzfiguren nicht deutlich älter als das Paradiesportal sind, das zwischen 1235 und 1240 gebaut wurde.

Universität Bamberg soll das Rätsel lösen

Die Restauratoren der Firma »ars colendi« und Dr. Thomas Eißing, Leiter des Labors für Dendrochronologie der Universität Bamberg, sollen das Rätsel lösen. Eißing ist übrigens führenden Experten auf dem Gebiet der Erforschung mittelalterlicher Holzskulpturen in Deutschland.

Museum spendet im Gegenzug fürs Hospiz

Im Mai war der Wissenschaftler aus Bamberg schon einmal vor Ort, um die Figuren zu untersuchen. An ihren ausgehöhlten Rückseiten waren die Jahresringe des Eichenstammes, aus dem sie geschnitzt waren, gut erkennbar. Um bei der Datierung ganz sicher zu gehen, hatten die beiden Bischöfe aus Holz gestern einen Arzttermin: Professor Wolfgang Krings, Chef der Radiologie des St.-Vincenz-Krankenhauses, hat sie gemeinsam mit Kollegen in den Computertomografen geschoben. Mit solchen Untersuchungen haben die Ärzte in St. Vincenz Erfahrung. Sie helfen dem Diözesanmuseum in ausgewählten Fällen bei der Untersuchung seiner Skulpturen. Als Gegenleistung spendet das Museum dann fürs Hospiz. Auch der Liborius-Schrein ist schon auf diese Weise untersucht worden.

Verschlossene Hohlräume

»Gelegentlich werden in solchen Figuren verschlossene Hohlräume, in denen beispielsweise Reliquien eingelassen sind, gefunden«, berichtet Professor Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums, der die Untersuchung gespannt verfolgte. Gestern wurden aber keine versteckten Kammern in den Figuren entdeckt. Darum ging es diesmal auch nicht.

Auswertung dauert einige Wochen

Im CT von Professor Wolfgang Krings sollten die bislang durch Dr. Eißing nur geschätzten Jahresringe in der Außenhülle der Bischofs-Skulpturen erfasst werden, um so jahrgenau das Fälldatum jenes Eichenbaumstammes zu ermitteln, aus dem die Heiligen geschnitzt worden sind. Ein Ergebnis gab es gestern noch nicht: Die Auswertung der CT-Bilder in Bamberg kann einige Wochen dauern.

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