Do., 14.06.2018

Gleich zwei Häuser in Schloß Neuhaus würdigen den ostwestfälischen Maler Böckstiegel und seine Sammlung

In vielen Gemälden hielt Peter August Böckstiegel das bäuerliche Leben seiner ostwestfälischen Heimat fest. Dieses Bild zeigt »Meine Eltern bei der Kornernte vorm Haus«.

In vielen Gemälden hielt Peter August Böckstiegel das bäuerliche Leben seiner ostwestfälischen Heimat fest. Dieses Bild zeigt »Meine Eltern bei der Kornernte vorm Haus«. Foto: Stienecke

Von Manfred Stienecke

Paderborn (WB). Um sich Bilder des ostwestfälischen »Bauernmalers« anzuschauen, braucht man in den nächsten Monaten nicht nach Werther zu fahren. In zwei benachbarten Häusern in Schloß Neuhaus öffnet sich von Samstag an ein ganzer »Kosmos Böckstiegel«.

Peter August Böckstiegel (1889-1951) ist der vielleicht bekannteste und bedeutendste ostwestfälische Künstler der klassischen Moderne. Der aus dem Dorf Arrode bei Werther stammende gelernte Malergeselle beginnt 1913 ein Studium an der in Bielefeld neu gegründeten Handwerker- und Kunstgewerbeschule und wechselt wenig später an die Akademie der Bildenden Künste in Dresden. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird sein Atelier in Dresden bei Bombenangriffen mitsamt einem Großteil seines bisherigen Werks vernichtet. Böckstiegel zieht mit seiner Frau und den beiden Kindern wieder zurück nach Arrode.

Während in seinem Heimatort derzeit ein neues Böckstiegel-Museum entsteht, das im Sommer eröffnet werden soll, richtet sich in Schloß Neuhaus der Blick auf den »Kosmos Böckstiegel«. Die Leiterin der Städtischen Museen und Galerien, Dr. Andrea Wandschneider, hat für die Doppelausstellung in der Reithalle und im Kunstmuseum im Schlosspark nicht nur rund 70 Originale des »Bauernmalers« versammelt. Sie zeigt daneben etwa 90 Arbeiten befreundeter und von Böckstiegel geschätzter Künstler, die er im Tausch oder käuflich erworben hat oder auch geschenkt bekam.

Die Böckstiegel-Bilder in der Reithalle stammen aus zahlreichen deutschen Museen, viele auch aus Privatbesitz. Immer wieder zeigt sich deutlich die Verehrung für seinen großen Künstlerkollegen van Gogh – seinen Sohn nennt er Vincent –, dessen gestischen, pastosen Farbauftrag er in vielen Werken übernimmt. Auch die Farbkomposition mit tiefblauem Himmel, leuchtend gelben Feldern und flirrend changierendem Baumgeäst verweist auf den Malstil des Niederländers. Als »Expressionisten« mag Andrea Wandschneider den Künstler aus Arrode trotzdem nicht verstanden wissen. Seine Bilder wirkten eher spontan und narrativ als intellektuell durchkomponiert.

Immer wieder malt Böckstiegel Motive seiner ländlichen Heimat: Die Eltern oder den Bruder bei der Korn- oder Kartoffelernte, eine Dorfstraße, Kopfweiden in der freien Landschaft. Er porträtiert seinen Vater, Bauernkinder und einen Dorfbewohner aus Arrode. Für seine Stillleben wählt der Künstler gern Blütenmotive aus dem Bauerngarten: Klatschmohn und Sonnenblumen sorgen für regelrechte Farbräusche – letztere auch schon mal mit Kartoffeln garniert.

Allein 18 Werke der Ausstellung stammen aus der Kunstsammlung des Paderborner Kulturamtes. Dabei handelt es sich durchweg um Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafik. Auch hier erweist sich Böckstiegel als Mann der Moderne, dessen Porträts auf sympathische Weise karikiert wirken – hier lassen Otto Dix und Emil Nolde grüßen.

Vom Letzteren finden sich auch Originale in der rund 400 Arbeiten umfassenden Böckstiegel-Sammlung, die heute von P.A. Böckstiegel-Freundeskreis verwaltet wird und die in dieser Breite noch nie gezeigt und publiziert wurde. Etwa 90 der von dem Ostwestfalen zusammengetragenen Arbeiten befreundeter Künstler hat Andrea Wandschneider für den Ausstellungsteil im Kunstmuseum ausgewählt.

Gleich am Eingang grüßt eine Bronzebüste des jungen Böckstiegel, die sein Kollege Erich Lossie 1913 schuf. In dem Konvolut der Zeichnungen, und Druckgrafiken fehlt kaum ein bekannter Name der damaligen Zeit. Zu sehen sind Blätter von Max Pechstein und Otto Mueller, Oskar Kokoschka und Max Beckmann, Erich Heckel und Edvard Munch. Ein großes Konvolut verdankt sich der Freundschaft zu Conrad Felixmüller, und mehrere Arbeiten von Ernst Barlach und Käthe Kollwitz belegen, dass Böckstiegel auch gesellschaftlichen und sozialen Themen zugeneigt war. Zu den erlesenen Exponaten zählen Skulpturen von Barlach (»Russische Bettlerin mit Schale«), Wilhelm Lehmbruck (»Büste dem emporsteigenden Jünglings«) und Felixmüller (»Stehender Akt«).

Die Ausstellung »Kosmos Böckstiegel – Künstler und Sammler« wird morgen um 19 Uhr in der Reithalle eröffnet. Sie dauert bis zum 7. Oktober. Zu der Paderborner Werkschau ist ein Katalog (304 Seiten, 24 Euro) mit Abbildungen aller Werke erhältlich.

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