So., 15.07.2018

Kabarettist Michael Greifenberg (»Stani«) im Alter von 65 Jahren gestorben Trauer um »Stani«

Stani in seiner Paraderolle als »Schütze Greitemeier«.

Stani in seiner Paraderolle als »Schütze Greitemeier«.

Von Manfred Stienecke

Paderborn (WB). Nur gut eine Woche nach dem Tod des Theaterschauspielers Willi Hagemeier muss die Paderborner Kulturszene einen weiteren schmerzlichen Verlust hinnehmen: Im Alter von 65 Jahren verstarb am Freitag überraschend auch der Kabarettist und Kleinkunstveranstalter Michael Greifenberg, den die meisten nur unter seinem Spitz- und Künstlernamen »Stani« kannten.

Die Paraderolle des gebürtigen Münsteraners war sicher der »Schütze Greitemeier«. Wenn Stani im grünen Rock mit unverfälschtem ostwestfälischen Zungenschlag das Schützenwesen treffend und bissig, ohne böse zu sein, auf die Schippe nahm, dann bleib kein Auge trocken. Insgesamt rund 20 Soloprogramme hat er in seiner gut 40-jährigen Bühnenkarriere aufgeführt.

Endlichkeit des Lebens

Seinem nunmehr letzten Programm hatte er den Titel »Ich bin dann mal tot« gegeben. Ihm war es ein Anliegen, sein Publikum auch an die Endlichkeit des Lebens und der ausgebeuteten Natur zu erinnern. Im Engels-Kostüm hielt Stani auf der Bühne eine Grabrede auf sein eigenes Dasein.

Die Vermutung, er habe sich dabei von einer inneren Ahnung leiten lassen, ist müßig. Immerhin aber haben Stani in den letzten Jahren einige schwere Erkrankungen zugesetzt. Nach einem Geweberiss in der Aorta konnte er dem Tod noch einmal von der Schippe springen. Jetzt ereilte ihn vermutlich ein plötzlicher Herztod.

2010 Kulturnadel erhalten

Eigentlich hatte Stani am Samstag bei der Bestattung seines langjährigen Freundes Willi Hagemeier die Abschiedsworte sprechen sollen. Die Beiden lernten sich 1977 an der Studiobühne der Universität kennen, an der sie in vielen Inszenierungen gemeinsam zu sehen waren. Stani versuchte sich danach zunächst als Szene-Kneipier, bevor er 1985 seine Brettlkunst-Karriere startete. Mit Partnern wie Gerhard »Gogo« Gemke und Michael Tumbrinck oder allein bestritt er seine Programme.

Kollegen eröffnete der Vater zweier Töchter Auftrittsmöglichkeiten in seinem kleinen Esszimmertheater in Scharmede und beim Wettbewerb um den von ihm initiierten ersten Paderborner Kabarettpreis »Einohrhase«. Die Stadt verlieh ihm 2010 in Anerkennung seiner Verdienste um die heimische Kleinkunstszene die »Kulturnadel«.

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