Do., 09.08.2018

Beigeordnete begrüßt externe Begutachtung der Bahnhofspläne in Paderborn Vorbereitungen für Großprojekte laufen

Die Paderborner Politiker haben vor der Sommerpause ein großes Bauprojekt angestoßen: den Bau des neuen Paderborner Hauptbahnhofs. Es ist gleichzeitig der Startschuss für die Entwicklung eines ganz neuen Quartieres dort.

Die Paderborner Politiker haben vor der Sommerpause ein großes Bauprojekt angestoßen: den Bau des neuen Paderborner Hauptbahnhofs. Es ist gleichzeitig der Startschuss für die Entwicklung eines ganz neuen Quartieres dort. Foto: Jörn Hannemann

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Paderborn bleibt eine Großbaustelle. Noch vor der Sommerpause ist mit dem Bahnhofsneubau ein weiteres Großprojekt angeschoben worden, das gleichzeitig den Startschuss für die weitere Entwicklung des Quartiers gibt. Doch es gibt auch kritische Stimmen zum Bahnhof.

Das Gebäude sei zu funktional und würde architektonisch dem Platz nicht gerecht, der Vorplatz darf nicht verschwinden, Radfahrer und Fußgänger haben zu wenig Platz: Das sind einige der Kritikpunkte, die in den vergangenen Wochen öffentlich geworden sind. Im Gespräch mit dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT (das vollständige Interview gibt es hier) gab die Technische Beigeordnete der Stadt Paderborn, Claudia Warnecke, allerdings zu bedenken, dass die Planung im Gesamtkontext gesehen werden müsse. Außerdem habe sie sich vor allem im Bereich der Fassade bereits architektonisch deutlich positiv weiterentwickelt und werde dies womöglich auch weiterhin tun.

»Die Bremer AG hat von sich aus angeboten, eine externe Begutachtung einzubinden«, kündigt Warnecke an. »Die gab es in der Vergangenheit auch schon für städtische Projekte – entweder über einen Wettbewerb oder einen projektbezogenen Beirat wie für die Umgestaltung des mittleren Paderquellgebiets.«

Wenn es um Baustellen in Paderborn geht, ist die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke die erste Ansprechpartnerin. Foto: Jörn Hannemann

So ein Beirat sei, weil es in Paderborn keinen Gestaltungsbeirat gibt, auch in Vorbereitung für den Verwaltungsneubau am Abdinghof. Dabei begleiten externe Fachplaner die beauftragten Architekten.

Das Gebäude selbst, für das die Bremer AG als Investor verantwortlich zeichnet, könne sich also durchaus entwickeln. »Und man darf auch nicht vergessen, dass in der Bewertung des Einzelgebäudes im Moment vielfach ausgeblendet wird, dass sich in Zukunft nach Westen hin mit dem städtischen Parkhaus ein Baukörper anschließt, der eine Länge von rund 150 Metern haben wird und eine Gebäudehöhe, die vier bis fünf Parketagen abdecken muss«, gibt die Technische Beigeordnete zu bedenken. »Dann stellt sich die Gesamtsituation anders dar, denn das Parkhaus wird direkt am Gehweg stehen. Man sollte den Neubau des Bahnhofs in diesem Gesamtkontext betrachten.«

Bauzeit etwa drei Jahre

Dazu gehört auch die Perspektive, die der Bahnhofsneubau eröffnet. Durch das neue Parkhaus, das in der Regie der Stadt errichtet und vom ASP bewirtschaftet werden soll, werden die städtischen Parkplätze an der Florianstraße, in der Rathenaustraße und vor der Kulturwerkstatt frei und können anderweitig entwickelt werden.

Bezüglich der zweiten in der Bahnhofstraße bevorstehenden Großbaustelle, der neuen Brücke, habe die Verwaltung erst einmal die notwendigen Planungsbüros gesucht. »In der ersten Bauausschusssitzung nach der Sommerpause soll über den Auftrag für die Planungsleistungen entschieden werden«, kündigt Warnecke an. Sie wünsche sich, dass sich in der konkreten Planung noch Möglichkeiten ergeben, die Bauzeit, die die Verwaltung bisher mit etwa drei Jahren beziffert hat, verkürzen zu können. »Eine neue Brücke neben der bestehenden zu bauen, funktioniert wegen der bahntechnischen Anlagen und der räumlichen Situation leider nicht«, stellt sie klar, dass die vermeintlich einfachste Lösung ausscheide.

Erhebliche Beeinträchtigungen für Verkehr

Stattdessen könne im besten Fall bei der Brückenkonstruktion Zeit eingespart werden. »Die Planer sollen prüfen, inwiefern Fertigbauteile einsetzbar sind. Erst dann kann man etwas Konkretes dazu sagen.«

Klar sei, dass es während der Bauzeit zu erheblichen Beeinträchtigungen für den Verkehr kommen werde. Schließlich nutzen täglich etwa 21.000 Fahrzeuge die Bahnhofstraße als eine der Hauptverkehrsadern zwischen Umland und Innenstadt. »Wir nutzen die Zeit, um zu prüfen, wie wir das im Kontext lösen können«, sagt die Beigeordnete. Begleitende Maßnahmen, wie das Umstellen der Ampelanlagen, die Ausschilderung von Umleitungen und die mögliche Einführung eines Park&Ride-Angebots in Zusammenarbeit mit dem Padersprinter, würden bereits jetzt vorbereitet.

Kommentar

Das Gesicht von Paderborn wird sich in den kommenden Jahren weiter erheblich verändern, das deuten die vielen absehbaren Großbaustellen allein im Zentrum bereits an. Königsplätze II, neue Stadtverwaltung am Marienplatz, neuer Bahnhof mit Parkhaus für Autos und Fahrräder, die Entwicklung des Alanbrooke-geländes und des Quartiers rund um Lucky Bike an der Detmolder Straße – an allen Ecken und Enden wird gebaut. Weitere Projekte im Bahnhofsumfeld sind schon absehbar, wenn die derzeit noch dringend benötigten Parkflächen an der Florianstraße, der Rathenaustraße und vor der Kulturwerkstatt frei werden.

Das ist für die Bauverwaltung der Stadt eine Herkulesaufgabe, die aber zugleich Chancen direkt im Herzen der weiter wachsenden Domstadt ermöglicht, von denen vergleichbare Kommunen nur träumen können. Zu stemmen ist dieses dicke Paket nur, wenn möglichst alle an einem Strang ziehen. Die Beteiligungsformen, die die Stadt für größere Projekte etabliert hat, ermöglichen es jedem Interessierten, seine Meinung so einzubringen, dass sie gehört wird.

Diese Chance sollten die Paderborner nutzen. Denn das ist konstruktiver und zielführender, als einfach nur zu motzen. Das hat nicht zuletzt die Entwicklung des Bebauungsplans für den Padersteinweg gezeigt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5964437?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F