Fr., 10.08.2018

Bund der Steuerzahler befasst sich mit dem heißem Sitzelement auf dem Paderborner Königsplatz »Ein Fall für uns«

Der neue kulinarische Höhepunkt in Paderborn: die Kochinsel »Sun­shine-Bräter« für 178.000 Euro auf dem Königsplatz. Unser Karikaturist Heinrich Schwarze-Blanke hat mal die Phantasie spielen lassen, wie man die heißen Messingplatten sinnvoll nutzen könnte.

Der neue kulinarische Höhepunkt in Paderborn: die Kochinsel »Sun­shine-Bräter« für 178.000 Euro auf dem Königsplatz. Unser Karikaturist Heinrich Schwarze-Blanke hat mal die Phantasie spielen lassen, wie man die heißen Messingplatten sinnvoll nutzen könnte.

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). Eigentlich sollte das neue Sitzelement mit Hochbeet dem Königsplatz die Krone aufsetzen. Doch diese Krone mutiert zur Narrenkappe: Die 178.000-Euro-Investition ist inzwischen auch ein Thema für Satiresendungen und den Bund der Steuerzahler.

Der Stein des Anstoßes ist ein Metall, das hier verarbeitet worden ist: Die edel wirkende Messing-Verkleidung des Sitzelements heizt sich in der Sonne dermaßen auf, dass für Erwachsene wie Kinder die Gefahr besteht, sich bei einer Berührung die Finger oder auch andere Körperteile verbrennen zu können. Die Stadt hatte sofort reagiert und Warnschilder aufgestellt.

Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT hatte schon bei der Präsentation des neu gestalteten Platzes hingewiesen, dass nicht nur der Preis für die Sitzelemente »ziemlich heiß« sei. Die nahe liegende Vermutung, dass hier offenbar bei der Planung Murks passiert ist, wies die Stadt damals auf WV-Nachfrage von sich. Sie betonte, dass die Messingplatten im Laufe der nächsten Wochen eine Patina entwickeln würden, so dass sich das Problem mit dem Aufheizen von alleine erledigen würde.

Die Messingabdeckung heizt sich so stark auf, dass Verbrennungsgefahr besteht. Nun gibt es Warnschilder. Foto: Jörn Hannemann

So lange will aber der Bund der Steuerzahler nicht warten. Wie gestern NRW-Pressesprecherin Bärbel Hildebrand auf WV-Anfrage bestätigte, sei man bereits mitten in der Recherche: »Das ist ein Fall für uns!«, erklärte sie. Ihrer Meinung nach sollten Experten wissen, dass der Einsatz von Messing in einem solchen Bereich ungeeignet sei. Die Stadtverwaltung Paderborn sei bereits aufgefordert worden, Stellung zu beziehen und den Sachverhalt zu erläutern. Auf die Erklärung warte man nun, bevor man zu einem abschließenden Urteil kommen werde, hieß es aus Düsseldorf.

Mittlerweile ist das Thema auch bundesweit bekannt. Als »realen Irrsinn« bezeichnete gestern die NDR-Satiresendung »Extra 3« in einem Beitrag die heiße Bank. Zu sehen war der Kurzfilm in der ARD sowie im Internet in der Mediathek. Das Team hatte sich vor Ort umgeschaut, gefilmt und Passanten befragt. Auch hier lautete die einhellige Meinung der Befragten: »Das lernt man doch in der Schule, dass Metall Wärme leitet. Dafür braucht man kein Abitur.«

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Da werden wir noch mal nachbessern

Margit Hoischen

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Margit Hoischen, Leiterin des Stadtplanungsamtes, gab gegenüber dem Filmteam Auskunft und kam in dem Beitrag zu dem Ergebnis: »Da werden wir noch mal nachbessern.« Stadtpressesprecher Jens Reinhardt sagte gestern auf WV-Anfrage, dass sich die Verwaltung möglicherweise in diesem Fall zu sehr auf die Meinung von Experten verlassen habe.

In einer Stellungnahme heißt es weiter: »Ein etwa 30 Zentimeter breiter Streifen aus Holz soll das Hitzeproblem lösen. Das Holz soll den äußeren oberen Rand des Elements abdecken und somit das unbewusste Berühren der erhitzten oberen Messingumrandung verhindern.« So viel zur Nachbesserung.

Verschwendung von Steuergeldern?

Die Stadt Paderborn habe, so die Leiterin des Stadtplanungsamts, bei diesem Gestaltungselement auf die Expertise eines renommierten Planungsbüros gesetzt, das ein ähnliches Element in Hamburg bereits installiert habe. Dort gebe es nach Angaben des Büros solche Hitzeprobleme nicht.

Die Idee zu diesem Hochbeet war in einem Wettbewerb entstanden. »Das mit Messingplatten verkleidete Element prägt den kleinen Königsplatz und trägt durch seine Holzbänke zur Aufenthaltsqualität des Platzes bei«, teilt die Stadt mit. Offenbar scheint man weiterhin sicher zu sein, hier die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Der Bund der Steuerzähler könnte unter Umständen zu einem anderen Ergebnis kommen. Dieser hat im Hochstift schon einige Projekte im so genannten »Schwarzbuch« angeprangert, die in die Kategorie »Verschwendung von Steuergeldern« passen.

Kommentar

Der SC Paderborn, der heilige Liborius, der Hohe Dom, Heinz Nixdorf und viele andere haben dazu beigetragen, die Paderstadt über OWL hinaus bekannt zu machen. Der aktuelle Fall allerdings entwickelt sich zur Lachnummer, über die ganz Deutschland sich köstlich amüsieren könnte. Es ist denkbar, dass noch weitere Comedy- und Satiresendungen das Thema aufgreifen.

Das von der Verwaltung so getaufte »Hochbeet-Sitzelement« ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn die Meinung von Experten über alles gesetzt wird. Das scheint hier der Fall zu sein. Für die Steuerzahler ist es bitter, dass so viel Geld ausgegeben worden ist – für letztendlich »Murks«.

Auch bei der Küche des Schützenhofs, deren Sanierung auf sich warten lässt, drängt sich der Verdacht auf, dass die Meinung von Experten höher bewertet wird, als der hier vor Ort vorhandene Sachverstand. Es hat sich schon immer bewährt, mit Augenmaß an solche Projekte zu gehen.   

Kommentare

Neues Freizeit Grillen auf dem Königsplatz

Das ist das Beste was unseren Stadtplanern eingefallen ist . Sie gönnen den Einwohnern und Obdachlosen einen Freien Grill für 178.000€ auf den Königsplatz der wird auch sehr gerne als neue Freizeitaktivität angenommen die Herrn sollten aber dann auch das nötige Reinigungsmittel und das Fett zu Verfügung stellen.

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