So., 12.08.2018

Ungewöhnliches Sicherheitskonzept bringt Paderborner Skate Night in Fahrt Vor dem Rollen steht das Falten

Viele, viele ehrenamtliche Helfer machen die Skate Night nach zwei Jahren Pause wieder zu einer runden Sache. Sie legen sich mächtig ins Zeug, damit Inlinefans in Paderborn sicher über autofreie Straßen rollen können.

Viele, viele ehrenamtliche Helfer machen die Skate Night nach zwei Jahren Pause wieder zu einer runden Sache. Sie legen sich mächtig ins Zeug, damit Inlinefans in Paderborn sicher über autofreie Straßen rollen können. Foto: Jörn Hannemann

Von Marion Neesen

Paderborn (WB). Die Szene erinnert ein wenig daran, wie früher Bettlaken gefaltet wurden: Zwei Frauen bewegen sich aufeinander zu und legen eine vier Meter lange Stoffbahn zusammen. Irritierend ist nur: Die beiden tragen gelbe Warnwesten haben Rollschuhe an den Füßen und stehen mitten auf einer Paderborner Hauptverkehrsstraße.

Dieses zigfach wiederholte Ritual ist Kernstück des neuen Sicherheitskonzeptes, das die beliebte Paderborner Skate Night wieder ins Rollen gebracht hat. Zwei Jahre lang standen die Räder still. Denn bis zu 1000 Teilnehmer waren bis dahin im Pulk unterwegs, so dass erhöhte Sicherheitsmaßnahmen notwendig wurden. Unter dem Dach des SC Grün Weiß Paderborn haben die Freunde der flotten Flitzer nun ein System ausgeklügelt, das nicht nur Sicherheit, sondern auch Schwung in die Skate Night bringt – besonders unter den Ordnern. Denn die haben einen rasanten Job.

An der Maspernhalle ist die große Vorfreude auf die freie Fahrt durch die Stadt deutlich spürbar. Man kennt sich, begrüßt sich herzlich und kurvt schon mal ein bisschen umher. Auch einige Neulinge sind dabei: auf etwas wackeligen Beinen eindeutig als solche zu identifizieren. Dass ihnen kein Auto in die Quere kommt, dafür sorgen die Polizei und eine rasende Bannertechnik.

Mehr als 20 Ordner sammeln sich um den Vereinsbulli

Mehr als 20 Ordner sammeln sich um den Vereinsbulli des SC Grün Weiß Paderborn, der in den nächsten Stunden wichtige Anrollstelle sein wird. Wigbert Altmiks von der Skateabteilung im SC Grün Weiß gibt letzte Infos und weist alle Ordner auf wichtige Details im Ablauf hin. Die Absicherung der Skater mit Bannern ist laut Altmiks in Deutschland einzigartig. »In Skaterkreisen sind wir schon die Bannerstadt«, scherzt er.

Im Bulli haben Sabine Heimhalt und Mechtild Schulte die Transparente bereitgelegt. »Eine vierstellige Summe hat die Anschaffung gekostet«, sagt Christian Lütkefedder vom SC GW.

DRK und Musikwagen bringen sich jetzt in Position. Die Bässe wummern: Es kann losgehen. Hunderte Inlineskater strömen auf den Heierswall, angeführt von einem Polizeifahrzeug, das an diesem Abend Polizeihauptkommissar Wegener lenkt. Er hat die kniffligste Aufgabe, bevor die Skater überhaupt auf den Straßen der Stadt rollen können: Er stoppt den fließenden Verkehr. »Es gibt immer Verkehrsteilnehmer, die mit solchen Situationen überfordert sind und nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen«, weiß Wegener. Doch der erfahrene Polizeihauptkommissar ist ganz entspannt und hat alles im Griff.

Mehr als 20 Banner sind im Umlauf

Jetzt kommen die Bannerträger ins Spiel. Vier Ordner halten den wartenden Autofahrern aus Richtung Westerntor und der Hathumarstraße kommend das Transparent entgegen. Ist der letzte Skater durch, beginnt das rekordverdächtige »Bettlakenfalten« auf Rollschuhen. In Windeseile klemmen sich die Ordner die Riesenlappen unter den Arm und spurten vorbei an den fröhlichen Rollern bis zur Spitze und zur nächsten Straßensperre. Wer es in der Kürze der Zeit nicht schafft, das Transparent ordentlich zusammenzulegen, gibt es bei Sabine und Mechtild im Bulli ab, die es für den nächsten Einsatz transportfähig aufrollen. Mehr als 20 Banner sind im Umlauf – alle Helfer hetzen sich ehrenamtlich ab, damit die Breitensportveranstaltung über die Bühne gehen kann. »Wichtig ist, dass die Teilnehmer rechts fahren und nicht in den Gegenverkehr geraten«, sagt Wigbert Altmiks, »außerdem brauchen die Ordner eine Gasse, um schnell an ihnen vorbeizukommen.« Jetzt kommt der Tross in Schwung, rollt auf der Detmolder Straße und durch die Stadtheide, ohne dass eine Vollsperrung notwendig ist.

Andreas Ulrich sorgt mit seiner rollenden Disko für gute Stimmung

Für gute Stimmung sorgt neben Andreas Ullrich von der Skate Schule NRW auch Reinhard Gemke (59). Der Bad Driburger fährt bei Skateveranstaltungen in sieben Städten mit – immer dabei seine rollende Disko. Die hat er aus einem Jockey-Kinderwagen zusammengebaut. »Die Anlage hat zweimal 100 Watt. Es gibt eine Lichtorgel und natürlich auch eine Bremse«, sagt Gemke.

Den Luxus einer komfortablen Bremse wünscht sich während der zweiten Runde auch mancher nicht ganz so geübte Inliner. Denn das abschüssige Gässchen vom Rathausplatz hinunter zur Marienstraße erweist sich als besonders tückisch. Auch die Ordner nehmen einen Gang raus. »Das Pflaster ist hier sehr uneben und schwer zu befahren. Aber bisher haben wir noch keine Alternative zu dieser Strecke«, sagt Wigbert Altmiks. Deshalb heißt es vor diesem Hindernis erst einmal durchatmen. Aus den Boxen dröhnt das aufmunternde »We will rock you« von Queen. Wem es doch zu gefährlich wird, der findet Rettung bei Sabine und Mechtild im Grün-Weiß-Bulli.

Spätestens auf der Bahnhofstraße sollte man dann aber wieder aussteigen. Denn auf der breiten Fahrbahn und dem glatten Asphalt zu rollen, ist ein riesiges Vergnügen. Bei zunehmender Dunkelheit, wird die Skate Night zum Lichterzug. Viele Teilnehmer fahren auf leuchtenden Rollen, einer hat sogar eine Diskokugel unterm Rucksack befestigt. »Läuft super heute«, ist Wigbert Altmiks begeistert. Nur zweimal geraten Radfahrer unter die Skater. Die bittet er, das Feld zu verlassen, weil sie die Roller gefährden.

»Es ist hervorragend und sehr vorbildlich gelaufen. Das Zusammenspiel zwischen uns und den Ordnern klappt sehr gut«, ist Polizeihauptkommissar Wegener im Ziel zufrieden. Einige Skater rollen an ihm vorbei und bedanken sich. So fröhlich wie die Skater gekommen sind, rollen sie auch wieder davon und träumen vielleicht – dann aber in eigenen Bettlaken – von der nächsten Skate Night am 7. September.

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