So., 12.08.2018

Paderborner Klostermauer erstrahlt in farbenfrohem Anstrich Künstler zeigen sich barmherzig

Künstlerin »Kira« beteiligt sich gerne an dem Projekt, das Schwester Katharina Mock angeregt hat. Zusammen mit 23 anderen gestaltet sie die Klostermauer neu. Ihr Graffito zeigt den Namen ihrer Schwester und damit den Inbegriff von Familie.

Künstlerin »Kira« beteiligt sich gerne an dem Projekt, das Schwester Katharina Mock angeregt hat. Zusammen mit 23 anderen gestaltet sie die Klostermauer neu. Ihr Graffito zeigt den Namen ihrer Schwester und damit den Inbegriff von Familie. Foto: Isabella Wünnerke

Von Isabella Wünnerke

Paderborn (WB). Mausgrauer Beton, hier und dort eine Schmiererei und so manche Hassbotschaft – das triste Gemäuer, das das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern bislang umgab, gehört der Vergangenheit an. 24 Graffitikünstler haben die Klostermauer jetzt in ein bedeutungsträchtiges Meer aus Farben getaucht.

Die Hungernden speisen, die Fremden aufnehmen und die Toten begraben – Handlungen wie diese sind dem christlichen Verständnis nach Werke der Barmherzigkeit. Die biblischen Ausdrücke der Nächstenliebe finden sich seit Samstag auf der Klostermauer des Mutterhauses der Barmherzigen Schwestern wieder.

24 Künstler, darunter Paderborner wie Edwin Bormann und Herman Reichold, sind dem Ruf von Schwester Katharina Mock gefolgt, die dem verkommenen Charakter des Klostergemäuers endgültig Abhilfe schaffen wollte: »Vulgäre Kritzeleien haben die Klostermauer in der Vergangenheit zu einem Schandfleck gemacht. Es war mir daher ein Anliegen, die Fläche sinnvoll zu nutzen.« Kunst, erklärt Schwester Katharina, sei eine Möglichkeit, essentielle Botschaften auszudrücken. »Ich habe mich daher entschieden, Künstler zu versammeln, die die 120 Meter lange Mauer durch ihre Graffitikunst zum Strahlen bringen«, beschreibt die Schwester.

Maler Edwin Bormann sieht in dem Projekt eine gute Möglichkeit, Künstlern eine Plattform zu bieten: »Als ich von der Idee hörte, war ich direkt angetan und habe mich gleich an die Koordination unserer Künstler gemacht. Ein ähnliches Projekt wurde zuvor von Jugendlichen an der Michaelsschule realisiert und war auch dort schon ein Erfolg.«

Themenwahl war nicht nur dem Namen des Schwesternordens geschuldet

»Leider«, fügt Schwester Katharina hinzu, »ist dieses durch eine Neuvermietung nicht mehr möglich. Deshalb haben wir bei der Gestaltung der Klostermauer auch an unsere kreative Jugend gedacht.« Ein Teil der Mauer, beschreibt sie, werde für die städtische Jugendarbeit freigehalten: »Auf diese Weise erhalten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, ihre Talente zu entdecken und auszubauen«, erklärt sie weiter.

Die Themenwahl sei nicht nur dem Namen des Schwesternordens geschuldet: »Wir haben uns am Konzept Barmherzigkeit orientiert, weil es in unserem Alltag präsent wie kaum ein zweites ist.« So halte der Hunger in der Welt auch oftmals unerwartet Einzug in unserer Wohlstandsgesellschaft: »Projekte wie die Tafel wirken jenen Missständen entgegen, die sich direkt vor unserer Tür abspielen.« Fremden und Heimatlosen eine Zuflucht zu bieten, sei angesichts zahlreicher Menschen, die vor Krieg und Armut flüchten, ebenso allgegenwärtig.

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5971114?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F