>

Fr., 04.12.2015

Bündnis »Salzkotten steht auf!« mobilisiert die Bürger – AfD-Teilnehmerzahl bleibt weit hinter Erwartungen zurück 1200 Menschen protestieren gegen AfD-Demo

Hunderte Menschen bei der Veranstaltung des Bündnisses »Salzkotten steht auf!«

Hunderte Menschen bei der Veranstaltung des Bündnisses »Salzkotten steht auf!« Foto: Jörn Hannemann

Von Karl Pickhardt und Sebastian Schwake

Salzkotten (WB). In Salzkotten haben am Freitagabend 1200 Menschen gegen eine Demonstration der Partei »Alternative für Deutschland« (AfD) protestiert. Gegen die Veranstaltung des AfD-Kreisverbandes Paderborn unter dem Thema »Asylchaos beenden – jetzt« hatte sich in der 25.000-Einwohner-Stadt ein breites Bündnis gebildet: »Salzkotten steht auf!«. Etwa 250 AfD-Anhänger waren vor Ort – weit weniger als die Partei erwartete. Sie hatte 1500 gemeldet.

Die Polizei war mit einem großen Aufgebot vor Ort. Absperrungen wurden aufgebaut, die die beiden Gruppen voneinander trennten. Die Demonstrationen verliefen friedlich und endeten gegen 21 Uhr.

Foto: Jörn Hannemann

Der Verlauf des Abends

Ein Plakat der Partei »Bündnis 90/Die Grünen«, dass auf der Bühne der Gegendemonstration hing, ist vor dem Beginn um 18.30 Uhr abgenommen worden. Die Veranstalter hatten sich darauf geeinigt, dass keine Partei für sich werben soll. Es soll eine überparteiliche Veranstaltung sein und bleiben.

Die Teilnehmerzahl der AfD blieb weit hinter den Erwartungen zurück. AfD-Kreisvorsitzender Günter Koch (56) aus Salzkotten kündigte dennoch weitere Kundgebungen in der zweiten Januarwoche in Lippstadt und danach im Vier- oder fünf-Wochen-Rhythmus in Warstein, Kreis Gütersloh und Kreis Herford an. Die Mitgliederzahlen im AfD-Kreisverband Paderborn hätten sich binnen weniger Wochen auf aktuell 89 mehr als verdoppelt.

Die Stimmung unter den Gegendemonstranten war eindeutig: »Bunt ist besser als schwarz-weiß«, sagte Michael aus Fürstenberg. Vor dem Rathaus hörten sie die Reden der heimischen Politiker und Funktionsträger.

Landrat Manfred Müller bezog klar Position: »Wir müssen deutlich machen, dass wir in unserem Kreis ein Herz haben für Menschen in Not. Wir haben kein Chaos, sondern viele Haupt- und Ehrenamtliche, die sich um die Flüchtlinge kümmern. Ich bin sicher, dass die Bundesregierung das Problem lösen wird.«

»Es ist wichtig zu dokumentieren, dass wir im Kreis kleinen Platz haben für Rechts denkende Menschen«, sagte Carmelo Zanghi (Erster Bevollmächtigter der IG Metall).

»Salzkotten ist heute aufgestanden und hat ein Zeichen gesetzt«, sagte SPD-Bundestagsabgeordneter Burkhard Blienert.

In Salzkotten läuteten die Glocken der katholischen Pfarrkirche. Pfarrer Martin Beisler wollte so ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. 

Die Grüne-Landtagsabgeordenete Sigrid Beer dankte Angela Merkel. Sie habe in dieser Situation genau das Richtige getan. »Menschen, die Flüchtlingen helfen, sind das Rückgrat der Demokratie.«

Gegen 19.15 begann der Protestmarsch der AfD durch die Salzkottener Innenstadt. Die Gegendemonstranten schrieen »Nazis raus« und drehten den AfD-Anhängern den Rücken zu. In der Tillystraße waren die Pfiffe besonders laut.

Die mehr als 1200 Besucher des Bündnisses machetn weiter Stimmung und ordentlich Krach, auch als der AfD-Protestzug beendet war. Der Ruf »Nazis raus!« war ohrenbetäubend laut. Im Verlauf des Abends hatten die Ordnungskräfte die Zahl der Afd-Teilnehmer von 120 auf 250 heraufgesetzt. 

»Im gesamten Kreis Paderborn hat es noch keine Attacke auf ein Flüchtlingsheim gegeben, nicht einmal Graffiti. Rechte haben im Kreis Paderborn, in dem immerhin 5000 Flüchtlinge leben, keinen Nährboden«, betonte Landrat Manfred Müller.

Gegen 21 Uhr wurden beide Demonstrationen beendet. Nach Angaben der Polizei verlief alles friedlich.

Kommentare

Antwort

Hallo Jürgen: Die Ablehnung gegen Nazis ist real, ihr durftet dennoch demonstrieren, wer macht hier also wen mundtot?
Hallo Duepmann: Ihre biblischen Vergleiche sind lächerlich

Ob die uns den Rücken zukehrten oder nicht, die kommenden Probleme und Ereignisse werden uns alle betreffen und die immer stärker um sich greifende künstliche "NAZI-Phobie ist wohl eine Modeerscheinung um anders Denkende mundtot zu machen. Das wird aber nicht gelingen, denn es gibt auch noch Menschen, die weit über den Tellerrand hinaus schauen und sich nicht irritieren lassen, ihre Meinung auch auf die Straße zu tragen. Einen Dank an alle, die zu dieser friedlich verlaufenden Kundgebung und Gegendemo mit beitrugen. Die Schreihälse konnte man aufgrund des Abstandes gut aushalten.
Alle gestrigen Teilnehmer hätte sich lieber mal zusammentun sollen um gegen die Entscheidung des Parlaments , Soldaten nach Syrien zu schicken, laut zu skandieren. Herr Carsten Linnemann hat in unverantwortlicher Weise für die Entsendung gestimmt.

David gegen Goliath

Ich habe mir soweit als möglich die Reden bei David wie auch bei Goliath angehört. Bemerkenswert fand ich die Arbeitslosenzahlen, die Herr Witt errechnete und die viel höher als die vom AA genannten liegen. Aus Herrn Müllers Worten gewinnt man den Eindruck, dass der Kreis es offensichtlich schafft, die Asyl-Quoten an Pb vorbei zusteuern. Laut Renner von der AfD sind die von EU-Tusk genannten 500.000 aus der Türkei zusätzlich zu über nehmende Muslime aus den Lägern dort wohl Realität.
Dass Tommeln und Trillerpfeifen die von der Mehrheit verwendeten Instrumente bei der uns jeden Tag im Fernsehen nahe gebrachten Einwanderungsdramatik sind, entsetzt mich.
Duepmann, Guetersloh

Schade, hätte ich Das gewusst, wäre ich gekommen.

4 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3668051?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198401%2F2851069%2F