Mo., 05.03.2018

Nachbarschaftshilfeverein Salzkotten schafft Radkutsche an Per Rikscha mitten ins Leben

Manfred Kirchherr, Sonja Reddemann und Claudia Flottmeier (von links) sind schon ganz gespannt auf das neue Vehikel, das der Verein mit Unterstützung der DGS kaufen konnte.

Manfred Kirchherr, Sonja Reddemann und Claudia Flottmeier (von links) sind schon ganz gespannt auf das neue Vehikel, das der Verein mit Unterstützung der DGS kaufen konnte.

Salzkotten (WB/sen). Sie ist der Mercedes unter den Rikschas und wird schon sehnsüchtig erwartet. Doch die Nachfrage ist groß und so müssen sich die künftigen Fahrgäste noch ein bisschen gedulden. Auf erste Testfahrten dürfen sie sich aber schon freuen, denn zum Sälzerfest heißt es: kräftig in die Pedalen treten.

Der Salzkottener Verein Nachbarschaftshilfe will Senioren und Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, wieder mobil machen, sie mitten ins Geschehen ihrer Stadt rollen. Die Idee dazu hatte Manfred Gubitz von der Dienstleistungsgruppe Salzkotten (DGS). Mit finanzieller Unterstützung der DGS-Stiftung lässt der Verein inzwischen eine seniorengerechte Rikscha anfertigen, die derzeit beim Unternehmen Radkutsche in der Nähe von Tübingen gebaut wird.

»Wir wollen Senioren und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen«, sagt Claudia Flottmeier, Geschäftsführerin des Nachbarschaftshilfevereins Salzkotten, »die Möglichkeiten sind grenzenlos. Die Passagiere können zum Schützenfest, zum Arzt oder zum Kaffeeklatsch geradelt werden.« Auch eine Pilgerfahrt zum Brünneken nach Verne oder Ausflüge in Feld und Flur seien möglich. »Die Fahrgäste bekommen wieder einen ganz anderen Blick auf ihre Stadt, sehen sie aus einer anderen Perspektive«, ergänzt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Sonja Reddemann, die monatelang recherchiert hat, um die optimale Rikscha zu finden. »Uns war es wichtig, dass der Einstieg leicht und der Fußraum geschlossen ist, so dass man auch eine Tasche mitnehmen kann ohne diese unterwegs zu verlieren«, erläutert sie.

Zwei Personen können in der Kutsche hinter dem Fahrer Platz nehmen. Abstrampeln werden sich für die Fahrgäste Ehrenamtliche des Vereins und solche, die es noch werden wollen. Damit den Chauffeuren unterwegs nicht die Puste ausgeht, können sie bei Bedarf einen Elektromotor zuschalten.

»Weil die Nachfrage derzeit sehr groß ist, werden wir zum Sälzerfest zunächst eine Leihrikscha bekommen. Kreiskönig Henning Gurk wird dann im Sattel sitzen und die Fahrgäste die Lange Straße rauf und runter kutschieren«, freut sich Sonja Reddemann schon auf das Stadtfest am 25. März.

Der Verein Nachbarschaftshilfe, der in diesem Jahr 15. Geburtstag feiert und in der Wohnanlage Hederpark sein Domizil hat, hat sich für die Zukunft noch viel mehr vorgenommen.

Claudia Flottmeier hat, nachdem sich Heinrich Emmerich zurückgezogen hat, mit Manfred Kirchherr einen neuen Vorsitzenden an ihrer Seite. Auch Sonja Reddemann ist neu im Vorstand. Kassierer bleibt Johannes Freise. »Wir wollen unsere Angebote deutlich ausweiten. Nicht nur Senioren, sondern jeder, der Hilfe braucht, ist uns willkommen«, sagt Manfred Kirchherr, »und auch jeder kann Hilfe anbieten, denn jeder ist Nachbar.«

Das Wegbrechen der herkömmlichen Nachbarschaft und veränderte Familienstrukturen sind Hintergrund des Vereinszwecks. »Wer eine Glühbirne auswechseln will, klettert auf die Leiter und hat das Problem schnell gelöst. Im Alter von 80 Jahren ist das aber vielleicht nicht mehr so einfach. Und dafür einen Handwerker zu engagieren, sicher auch nicht immer sinnvoll«, erläutert Claudia Flottmeier. Heutzutage seien alle berufstätig, Kinder und Enkel wohnten vielleicht in einer anderen Stadt, so dass Oma und Opa oft ratlos vor handwerklichem Kleinkram stünden.

In diese Lücke stößt der Nachbarschaftshilfeverein mit seinen 20 Mitgliedern. »Wenn man krank ist oder nicht mehr mobil, muss der Hund trotzdem vor die Tür. Auch Hilfe bei der Hausarbeit, im Garten oder beim Einkaufen bieten wir an«, erklärt Manfred Kirchherr. Ob Mülltonnenservice oder begleitete Urlaubsreisen und Entlastung pflegender Angehöriger, die Palette der Einsatzmöglichkeiten ist umfangreich.

Bisher gehören zehn Ehrenamtliche zum festen Stamm im Verein. Neue sind immer willkommen. Neben neuen Erfahrungen und einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung. Wer Hilfe braucht, kann sich ebenso an den Verein wenden wie diejenigen, die ihre Hilfe anbieten. »Wir haben einen deutlichen gesellschaftlichen Wandel festgestellt«, sagt Manfred Kirchherr. »Gemeinschaft und soziale Kontakte zu pflegen, sind uns daher sehr wichtig.« So will der Verein den Alltag menschlicher gestalten und der Isolation der Zeit entgegenwirken.

Kontakt aufnehmen können Interessierte über Telefon 05258/940686 oder per email über info@hederpark.de.

Weitere Informationen auf: www.nachbarschaftshilfeverein-salzkotten.de .

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