Di., 06.03.2018

Im AWO-Familienzentrum in Salzkotten kommt Frisches auf den Tisch Viele Köche können mehr als Brei

Kochen macht Spaß. Besonders mit Michaela Nave. Das finden auch Leo (3) und Nico (4) im Familienzentrum der AWO in Salzkotten.

Kochen macht Spaß. Besonders mit Michaela Nave. Das finden auch Leo (3) und Nico (4) im Familienzentrum der AWO in Salzkotten. Foto: Marion Neesen

Von Marion Neesen

Salzkotten(WV). »Was gibt’s denn heute zu essen?« Diesen Satz hat wohl jede Mutter schon einmal gehört, wenn ihre Sprösslinge, nach Hause kommen. Im Familienzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Salzkotten wird Michaela Nave aber schon am frühen Morgen mit dieser Frage überfallen. Nicht etwa, weil die Kinder dort hungrig ankommen, sondern weil es (fast) nichts Schöneres gibt, als mit der guten Fee des Hauses in der Küche zu stehen, Gemüse zu schnippeln oder Kuchen zu backen.

Zum heutigen Tag der gesunden Ernährung hat die Kitaköchin sich einmal über die Schulter schauen lassen.

Ein verführerischer Duft zieht durch den Flur, auf dem Herd blubbert’s in einem riesigen Topf, die Fenster sind beschlagen. Unverkennbar: Hier wird gekocht. Liebevoll hat jemand »Sterneköchin« an die Wand gepinselt. Doch diese Küche ist nicht allein das Reich der 45-jährigen Hauswirtschafterin. Leo (3) und Nico (4) haben sich eine Trittleiter und ein Höckerchen an die Arbeitsplatte geschoben. Sie sind heute die auserwählten »Pottkieker« und reichen so besser an Tomatensoße, Paprikastückchen und Käseraspeln heran. Denn es gibt Kinderpizza, und die muss schließlich belegt werden.

Naschen gehört zum Kochen dazu

Das Familienzentrum der AWO in Salzkotten ist eines der wenigen, in der täglich frisch vor Ort gekocht wird. Das ist Teil der pädagogischen Ausrichtung. »Bewusste Ernährung sowie Ökologie und Nachhaltigkeit sind unsere Schwerpunkte,« sagt Leiterin Sandra Stümmler, »dabei geht es uns darum, sich mit dem Thema Ernährung bewusst auseinanderzusetzen – in all seinen Facetten.« So kommen nicht nur frische Produkte aus der Region, sondern auch aus dem eigenen Garten auf den Tisch. Denn zum Familienzentrum gehört ein großer Außenbereich, in dem die Kinder Zucchini, Tomaten oder Erdbeeren züchten.

Amélie (3) und Mia (5) dürfen die Kinderpizzen in den Ofen schieben. Foto: Neesen

Auf Leos kleiner Pizza türmen sich die Champignons, während die Tomaten ein armseliges Dasein führen. Und kaum hat Michaela Nave kurz weggeschaut, ist auch schon wieder ein Stückchen gelbe Paprikaschote in Nicos Schlund verschwunden. Die Köchin nimmt’s mit Humor. »Man muss auch mal ein Auge zudrücken, wenn die Gurken viel zu dick geschnitten sind oder die Pizza krumm und schief ist. Wichtig ist, dass sich die Kinder selbst ausprobieren«, sagt die Kitaköchin, »und Naschen gehört natürlich zum Kochen dazu.« Wenn beim Schnippeln mal der Finger im Weg war, gibt es niemanden, der ein Pflaster besser kleben könnte, als Michaela. Die Jungen und Mädchen lieben ihre Köchin. »Und ich liebe sie«, lacht die Elsenerin.

»In unserer Tageseinrichtung möchten wir die Kinder in der Entwicklung eines gesundheitsfördernden Essverhaltens unterstützen«, erklärt Sandra Stümmler. Wichtiger Bestandteil seien auch die Mahlzeiten in familienähnlichen Strukturen. »Das bietet Gelegenheit für viele Tischgespräche. Die Kinder erfahren soziales Miteinander, lernen den Umgang mit dem Besteck oder das Auffüllen und Eingießen. Gleichzeitig werden sie in den Prozess der Nahrungsmittelauswahl und -zubereitung einbezogen«, ergänzt die Leiterin.

Heißbegehrte Ofenkartoffeln

Und das mit Feuereifer: Stolz schieben Amélie (3) und Mia (5) die kleinen Pizzen in den Ofen. Amélie mag eigentlich am liebsten Spaghetti mit Tomatensoße. Hauptgericht sind heute allerdings Kartoffelpüree, Rührei und Gemüse. Abwechslung wird großgeschrieben. Es gibt einen Plan über acht Wochen. Dann geht es mit den Gerichten wieder von vorn los.

Heiß begehrt sind Michaela Naves gefüllte Ofenkartoffeln. »Davon kommt nie etwas zurück«, weiß die Sandra Stümmler, die Michaela Nave gerne als Köchin mit Leidenschaft bezeichnet: »Sie kocht täglich für etwa 50 hungrige Mäuler, was mit der ›Hilfe‹ der Kinder natürlich manchmal ein bisschen länger dauert. Sie hat ein Händchen dafür und eine Engelsgeduld.«

Nadine Swegat zeigt Amélie und Mia, wie Tomatenpflanzen herangezüchtet werden. Foto: Neesen

»Ich koche seit 1996 in Kindergärten, für mich ist es ein Traumjob«, freut sich Michaela Nave. Im AWO-Familienzentrum Salzkotten, das 2014 eröffnet wurde, hatte sie die Chance, die Küche nach ihren Vorstellungen aufzubauen. Und weil die Hauptaufmerksamkeit beim Kochen den Kindern gelten soll, kommt Claudia Christiansmeyer später und hilft beim Abwaschen und Aufräumen.

Die Einrichtungsleiterin spricht auch den Eltern ein großes Lob aus, die »wunderbar mitmachen und den Kindern fürs Frühstück nur gesunde Sachen mitgeben«.

So mancher hat sich bereits ein Rezept von Michaela Nave geholt, um es zuhause nachzukochen. »Dann muss es aber genauso schmecken wie bei Michaela«, weiß Sandra Stümmler. Sie hat zuvor schon in anderen Kindergärten gearbeitet. Auf die eigene Köchin im Haus möchte sie nicht mehr verzichten. Und die Kinder schon gar nicht.

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