Do., 14.06.2018

Künftig keine Hingucker mehr auf Salzkottens schönstem Kreisel Ende einer runden Sache

Ein untrügliches Zeichen dafür, dass das runde Leder wieder rollt: Der Riesenpokal glänzt auf dem Salzkottener Kreisel. Den Pokal möchten Lars Kemper (rechts) und Christoph Jürgens verkaufen. Er ist eines der Prachtstücke, die die Kreiselfreunde auf die Insel gezaubert haben. Auf der Verkehrsinsel wird es künftig keine spektakulären Aktionen mehr geben.

Ein untrügliches Zeichen dafür, dass das runde Leder wieder rollt: Der Riesenpokal glänzt auf dem Salzkottener Kreisel. Den Pokal möchten Lars Kemper (rechts) und Christoph Jürgens verkaufen. Er ist eines der Prachtstücke, die die Kreiselfreunde auf die Insel gezaubert haben. Auf der Verkehrsinsel wird es künftig keine spektakulären Aktionen mehr geben. Foto: Jörn Hannemann

Von Marion Neesen

Salzkotten (WB). Autofahrer haben Extrarunden gedreht oder angehalten und Fotos gemacht. Die Sälzer haben gestaunt und gefeiert am schönsten Kreisel ihrer Stadt. Immer wieder überraschten, verblüfften und begeisterten Lars Kemper und seine Mitstreiter Bürger und Besucher mit ihren Kreationen auf der Verkehrsinsel an der Wewelsburger und Tudorfer Straße. Damit ist wohl endgültig Schluss.

»Keine Helfer in Sicht«, sagt Lars Kemper und bedauert, dass den Aktionen die Unterstützer fehlen. Noch ist der Kreisverkehr in diesen Tagen wieder ein echter Hingucker. Erneut thront der golden glänzende, riesige, fünf Meter große WM-Pokal in der Inselmitte. Bereits zum dritten Mal. Vor acht Jahren hatten Lars Kemper und Christoph Jürgens in mehr als 500 Arbeitsstunden den 400 Kilo schweren Koloss für die Fußballweltmeisterschaft 2010 gebaut. 2014 stand der Pokal erneut im Mittelpunkt der Fußballfans, die nach dem Finale die Papenbrede zum Mekka ihrer Freude machten und den Titel feierten.

Passend zur Europameisterschaft 2012 thronte ein überdimensionaler Ball auf dem Kreisel. Foto: Jörn Hannemann

Noch einmal haben die Kreiselfreunde in diesem Jahr das Prunkstück aus dem Lager geholt – vielleicht gibt es ja wieder etwas zu feiern. Nicht jedoch für Lars Kemper. Vor mehr als einem Jahr hatte er die Grünpflege am so genannten Partnerschaftskreisel bereits an die Stadt zurückgegeben, weil die Arbeit mit den nur wenigen Helfern nicht mehr zu schaffen war. Einem Aufruf nach Unterstützung war kaum jemand gefolgt. »Zusagen lassen sich halt recht einfach per Whats­app wieder zurücknehmen«, sagt Kemper.

Den WM-Pokal möchte der Salzkottener gerne verkaufen und hofft auf Angebote. Die Materialkosten möchte er schon gern wieder reinholen, so Kemper zu seinen Preisvorstellungen. Die hatten sich damals auf 5000 Euro belaufen. Die in den Pokal gesteckte Arbeit darf natürlich auch Anerkennung finden. »Wenn sich kein Käufer findet, bleibt der Pokal im Lager und wird vielleicht alle vier Jahre aufgestellt«, so Kemper. Denn ein gesichertes Zuhause habe das gute Stück. Weitere Aktionen wird es auf dem Kreisel aber nicht mehr geben.

Seit 2005 kümmerten sich die Kreiselfreunde Salzkotten, zumeist Anwohner, um die Gestaltung der Verkehrsinsel. Partnerschaftskreisel heißt sie, weil im Pflaster rundherum die Namen der Partnerstädte zu lesen sind.

Das war den engagierten Anwohnern aber nicht genug. Immer wieder heckten sie Ideen aus und setzten diese zum Teil auf sensationelle Weise um. Wer erinnert sich nicht an die innerdeutsche Grenzanlage samt Trabi zum Jubiläum 20 Jahre Deutsche Einheit, den radelnden Polizisten zum 25-jährigen Bestehen des Deutschen Polizeimuseums, den riesigen Fußball in acht Metern Höhe zur Europameisterschaft 2012, den Leuchtturm oder den Obelisken?

Ein Meisterwerk war auch der dreieckige Nachbau der Saline, die 2011 für die Ausstellung des Heimatvereins zur Salzgeschichte Werbung machte. Zum Jubiläum 500 Jahre Reformation hatte die evangelische Kirchengemeinde eigens einen Paderborner Künstler engagiert, der Luther und den Papst auf die Insel zauberte. 2009 gerieten die Projekte sogar in die Mühlen der Bürokratie. Straßen.NRW hatte die Aufbauten zum Verkehrsrisiko erklärt, doch nach einem Ortstermin konnten alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt werden.

Dennoch müssen Autofahrer und Fußgänger nun künftig auf den schönen Hingucker in ihrer Stadt verzichten.

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