Fr., 06.05.2016

Morde im Saatweg 6: Ausnahmewoche in Bosseborn Ein Dorf hält den Atem an

Am Haus Saatweg 6 haben Bürger Kerzen aufgestellt und Blumen abgelegt.

Am Haus Saatweg 6 haben Bürger Kerzen aufgestellt und Blumen abgelegt. Foto: M. Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter/Bosseborn (WB). Die vergangene Woche werden die Bosseborner wohl nie vergessen. Durch die Verbrechen im Haus Saatweg 6 ist das 530-Seelendorf in den Fokus geraten – eine besondere Herausforderung für alle im Ort.

Statt der Bittprozession in der Pfarrkirche, die wie der Friedhof in Sichtweite des Hauses des »Horror-Paares« liegt, wurde für die Mordopfer gebetet. Auch im Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt und an diesem Wochenende wurde und soll um die Opfer getrauert werden, teilte der Pastoralverbund mit. Vor dem Zaun am Grundstück des inzwischen weltweit bekannten Hauses werden immer mehr Kerzen und Blumen zum Gedenken an die getöteten Frauen abgelegt. Die Kirche ist für alle geöffnet, um in Stille über das Geschehene nachdenken zu können.

Engelbert Bömelburg, langjähriger Ortsausschussvorsitzender von Bosseborn, spricht aus, was die meisten Bürger denken: »Das Paar hat völlig isoliert hier gewohnt. Niemand kannte sie näher. Die wollten keinen Kontakt.« Man könne, wie mehrfach geschehen, den Nachbarn keinen Vorwurf machen, dass sie nichts bemerkt oder gesehen hätten. Außer »Guten Tag« sei kein Gespräch möglich gewesen. Es sei reiner Zufall gewesen, dass die Täter ein Haus in Bosseborn gemietet hätten. Und: Wer vermute dort denn solche Verbrechen?

Der bekannte RTL-Reporter Uli Klose sendet live aus Höxter-Bosseborn Foto: Michael Robrecht

Im Ort herrscht Konsens, dass es richtig war das Dorffest mit Tanz und Umzug in dieser außergewöhnlichen Situation abzusagen. Bömelburg drückte die Hoffnung aus, dass bald wieder Ruhe einkehre und dass die Verbrechen aufgeklärt würden. Für so einen kleinen Ort seien die Bluttaten eine Katastrophe, sagen die Bosseborner. Durch die Übertragungen der vielen TV-Sender (Nachrichtenthema in USA, China und in ganz Europa) und die weltweiten Print-Berichterstattungen befänden sich die Bürger in einer Lage, wie sie noch niemand erlebt habe.

In Bosseborn wird nun überlegt, ob man sich zu einem Austausch über das Geschehene treffen soll, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, über die Morde und damit verbundenen Begleitumstände sowie die Folgen für das Dorf und die Bewohner zu sprechen.

Berichte, Kommentar und Sonderseite zur Bluttat in Bosseborn in der Samstagsausgabe, 7. Mai

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3985564?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F4078537%2F