Mo., 16.05.2016

Horror-Haus von Höxter: Bavaria plant Verfilmung »Hoffentlich sind wir bald aus den Schlagzeilen«

Immer wieder bleiben Autofahrer und Passanten auch über Pfingsten am "Horror-Haus" im Saatweg 6 in Höxter-Bosseborn stehen: Am Absperrzaun der Polizei sind zur Erinnerung an die Opfer  Kerzen und zwei kleine Kreuze sowie Blumen abgelegt worden. Es werden sogar viele Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen beobachtet.

Immer wieder bleiben Autofahrer und Passanten auch über Pfingsten am "Horror-Haus" im Saatweg 6 in Höxter-Bosseborn stehen: Am Absperrzaun der Polizei sind zur Erinnerung an die Opfer Kerzen und zwei kleine Kreuze sowie Blumen abgelegt worden. Es werden sogar viele Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen beobachtet. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Auch über die Pfingstfeiertage hat das »Horror-Haus« von Höxter-Bosseborn die Menschen tief bewegt. Immer wieder haben Autofahrer und Spaziergänger am 30er-Jahre-Siedlungshaus Saatweg 6 kurz gestoppt und inne gehalten. Im Ort und darüber hinaus sind die Morde bei den Bürgern weiter Gesprächsthema Nummer 1. Die Vielzahl an Veröffentlichungen in den internationalen und den deutschen Medien ist nicht abgerissen.

In einigen Kirchen im Kreis Höxter wurden in den Pfingstgottesdiensten die Opfer von Bosseborn in die Gebete miteingeschlossen. In der Bosseborner Pfarrkirche sind  Kerzen zum Gedenken an die betroffenen Frauen entzündet worden. Dass die Hauseigentümerfamilie T.  plant, das weltweit in die Schlagzeilen geratene Gebäude – nach Freigabe durch die Staatsanwaltschaft und nach Ende der Ermittlungen – abreißen zu lassen, ist auf viel Verständnis in Höxter und in Bosseborn gestoßen.

Bis zu einem Abriss dauert es noch

Niemand würde ein solches Haus kaufen oder beziehen, sind sich alle einig. Deshalb wolle man das Gebäude auch nicht stehen lassen, hatten Annette T. und ihr Sohn Oliver T. für die Erbengemeinschaft gegenüber dem WESTFALEN-BLATT definitiv festgestellt. Bis jedoch ein Abbruch möglich wird, dürfte noch einige Zeit vergehen – möglicherweise ist so etwas auch erst nach einem Prozess gegen das Paar Wilfried W. und Angelika B, das dort so viele Frauen misshandelt und getötet hat, möglich.

Höxters Bürgermeister Alexander Fischer sowie Bosseborns Ortsvorsteher Bruno Kieneke und sein Vorgänger Engelbert Bömelburg hatten im WESTFALEN-BLATT-Video über die Morde in Bosseborn gesagt, dass nur eine restlose Aufklärung der Fälle es möglich mache, dass das 580-Seelendorf Bosseborn aus den Schlagzeilen komme. Der Ort müsse schnell zur Normalität zurückfinden, meinte Bömelburg. Er hoffe, dass der Medienrummel schon bald nachlassen werde, erklärte Kieneke.

Fahrzeuge mit fremden Kennzeichen am Haus

Dutzende Reporter, Übertragungswagen aller großen TV-Stationen,  Kamerateams aus aller Herren Länder, pausenlose telefonische und Vor-Ort-Interviewanfragen an die Nachbarn – die Medienwelt  belagert seit mehr als zwei Wochen pausenlos den Saatweg, in dem das Gehöft steht, das weltweit als »Horror-Haus« bekannt geworden ist und immer wieder im Bild gezeigt wird. Die Bosseborner haben sogar verstärkt anhaltende Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen – oft von weit her – am »Horror-Haus« beobachtet.

Höxters Bürgermeister Alexander Fischer erklärte im WB-Video, dass die Täter mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden müssten. Er wisse, dass die Bosseborner Zeit brauchten, das Unvorstellbare zu verarbeiten. Es sei auch nur schwer erahnbar, was sich noch alles hinter dem Fall verberge, sagte Fischer. Die Menschen in Höxter und Umgebung seien tief erschüttert und fühlten mit den Bosebornern.

Die Mordkommission setzt ihre Arbeit in der kommenden Woche intensiv fort. Weitere Ermittlungen der Fahnder im Wohnhaus in Bosseborn mit Spurensicherung und Abtransport von Beweismaterial ist geplant.

Am Dienstagabend wurde bekannt: Die Bavaria-Produzenten Ivo-Alexander Beck und Oliver Vogel
planen einen Film über den Mordfall in Höxter.  Unter dem Arbeitstitel "Die Hörige" entwickeln die beiden Produzenten gemeinsam mit dem Autor Michael Helfrich ein "Psychogramm des Paares" aus Höxter-Bosseborn, so Beck gegenüber dem Onlineportal Blickpunkt:Film.

"Was treibt eine Frau dazu, sich an den ungeheureren Grausamkeiten ihres
Partners zu beteiligen? Warum flieht sie nicht aus solch einer
Beziehung und erduldet, zum Teil jahrelang, ein solches Martyrium?",
erläutert Ivo Beck, was ihn an der Höxter-Bosseborn-Thematik interessiert.

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