Do., 19.05.2016

Bavaria will aus der Tragödie ein Psychodrama machen Horror in Bosseborn wird verfilmt

In diesem Haus in Höxter-Bosseborn hielten Wilfried W. (46) und Angelika B. (47) Frauen gefangen und quälten sie. Während die Polizei den Spielfilm der Verbrechen zu rekonstruieren versucht, sind Filmproduzenten auf den »Stoff« angesprungen.

In diesem Haus in Höxter-Bosseborn hielten Wilfried W. (46) und Angelika B. (47) Frauen gefangen und quälten sie. Während die Polizei den Spielfilm der Verbrechen zu rekonstruieren versucht, sind Filmproduzenten auf den »Stoff« angesprungen. Foto: Harald Iding

Von Dietmar Kemper

Höxter/Berlin (WB).  Mit den schrecklichen Ereignissen im »Horror-Haus« von Höxter-Bosseborn befasst sich jetzt nicht mehr nur die Mordkommission Bielefeld. Produzenten der Bavaria wollen den Stoff zu einem Psychodrama fürs Fernsehen verarbeiten.

Produzent Oliver Vogel Foto: dpa

Konkret planen Ivo-Alexander Beck und Oliver Vogel eine Verfilmung der Verbrechen des Paares Wilfried W. und Angelika B. Die beiden sollen wie berichtet Frauen über Kontaktanzeigen angelockt, ihnen mehr als 100.000 Euro abgenommen und mindestens zwei Frauen zu Tode gequält haben.

Einen Bericht des Branchenmagazins »Blickpunkt: Film« über das Filmprojekt bestätigte am Mittwoch Produzent Beck dem WESTFALEN-BLATT. »Wir möchten das Projekt in Ruhe und mit aller gebotenen Sorgfalt entwickeln und die Höxter-Thematik fiktional ergründen. Dabei befinden wir uns in einem frühen Stadium, so dass mögliche Senderpartner oder ein Cast noch nicht feststehen«, sagte Beck.

Drehbuch von Michael Helfrich

Er leitet die Bavaria-Niederlassung in Berlin; Hauptsitz der Bavaria Fernsehproduktion GmbH ist der Münchener Vorort Geiselgasteig. Von der Bavaria stammen Formate wie »Sturm der Liebe«, »Die Rosenheim-Cops«, die »Inga Lind­ström«-Reihe, »Dr. Klein« und »Soko Stuttgart«.

Die Niederlassung in Köln steuert »Tatort«-Episoden aus Köln, Münster und Dortmund bei. Die Filiale in Köln wird von Oliver Vogel geleitet, der jetzt zusammen mit Beck den Film über die Tragödie in Höxter produzieren will. Das Drehbuch soll Michael Helfrich schreiben.

Arbeitstitel »Die Hörige«

 Der Film hat den Arbeitstitel »Die Hörige« und soll sich offenbar vor allem mit der Komplizin von Wilfried W. beschäftigen. »Was treibt eine Frau dazu, sich an den ungeheuren Grausamkeiten ihres Partners zu beteiligen? Warum flieht sie nicht aus solch einer Beziehung und erduldet, zum Teil jahrelang, ein solches Martyrium?«, nannte Beck die Fragen, die nicht nur ihn umtreiben. Man wolle ein »Psychogramm des Paares« zeichnen.

Kollege Oliver Vogel sagte »Blickpunkt: Film«: »Diese besondere und grausame Mechanik, die uns zugleich abstößt und fasziniert, möchten wir an dem Beispiel der Morde in Höxter fiktional ergründen, auch um anderen vor dieser Art fataler Beziehung die Augen zu öffnen.«

Gewalt in Beziehungen

Dem Thema Gewalt in Beziehungen nahm sich Beck bereits in der Vergangenheit an. Mit Autor Helfrich produzierte er das Krimidrama »Die Ungehorsame«, das Ende März 2015 von Sat1 gezeigt wurde und in dem eine misshandelte Frau, gespielt von Felicitas Woll, ihren Peiniger (Marcus Mittermeier) tötet. Der Film erhielt den Bayerischen Fernsehpreis, den 3sat-Zuschauerpreis, den Publikumspreis des Fernsehfilmfestivals in Baden-Baden und den Deutschen Fernsehkrimipreis.

Auch die Beziehung zwischen Wilfried W. und Angelika B. soll anfangs harmonisch gewesen sein. Dann wurde die Frau nach eigenen Angaben von Wilfried W. eingeschüchtert und unterdrückt. Drehbuchautor Helfrich interessieren an dem Fall in Höxter die psychischen Beweggründe dafür, warum das Paar beschlossen habe, gemeinsam auf Gewalt zu setzen und dann mit »perfider Kreativität« und großem Planungs- und Gestaltungswillen Unschuldige erst quälte und schließlich tötete.

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